Stimmung macht Lust auf mehr
02.01.2012 - MAINZ
Von Jens Grützner
RINGEN Nach dem Halbfinal-Aus gegen Köllerbach geht der Blick des ASV Mainz 88 schon wieder nach vorn
Als die komplette Bundesliga-Staffel des ASV Mainz 88 nach dem knappen Aus im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft Hand anlegte und die Bestuhlung neben dem Mattenrand wegräumte, zog der Vorsitzende des Klubs, Professor Eckhart Pick, ein erstes Fazit. „Wir sind stolz auf diese Mannschaft“, sagte Pick nach dem 19:18 gegen den KSV Köllerbach. „Wir haben das Finale nicht heute, sondern im Hinkampf verpasst“, so der Vorsitzende weiter. Da hatten die Mainzer 17:19 verloren. Pick: „Aber wenn ich mir auch anschaue, wie viel Zeit und Engagement der Vorstand, unsere Helfer, die ganze Saison über investiert haben, dann hat sich der Aufwand gelohnt.“ 1600 Menschen waren am Freitagabend nach Mombach gekommen, um bestes Ringen zu sehen. Die Halle war ausverkauft.
„Das ist eine Motivation für mich und den Vorstand, weiterzumachen“, sagte Eckhart Pick. Womit der Chef aber nicht gesagt haben wollte, dass er sich zu diesem Schritt bereits entschieden hat. „Ich werde über das Wochenende mal richtig durchschnaufen, mit der Familie reden.“ Am Dienstag trifft sich dann der Vorstand zu einem ersten Gespräch nach dem Halbfinal-Aus. „Da werden wir über Personalien, aber natürlich auch über das wirtschaftliche Ergebnis von heute, über die generellen Finanzen reden“, so der Professor. Eine Etat-Unterdeckung von 34 000 Euro hatte der ASV durch die reguläre Runde geschleppt, nachdem vor Saisonbeginn nicht die erwarteten Sponsorenzahlungen - in der Hauptsache von Lotto Rheinland-Pfalz, dem Förderer des Spitzensports im Land -, eingegangen waren. Auch war der Zuschauerzuspruch in der regulären Saison etwas unter den Erwartungen geblieben. Die Frage ist, inwieweit die Play-offs mit den Heimkampfsiegen gegen Aalen und Köllerbach als Kompensation taugen?
„Ich kann nicht in Herrn Pick hineinschauen, aber ich denke, wir haben starke Argumente dafür geliefert, dass sich ein Weitermachen lohnt“, sagte der Mainzer Chefcoach Baris Baglan. „Wir haben gegen Köllerbach auf dem Papier die schwächere Mannschaft gehabt, aber wieder Unglaubliches geleistet“, sagte der Mombacher Sportlehrer. Wie immer war Baglan in Personalunion Trainer, Motivationslehrer, Einpeitscher und Fan gewesen. Der Mann ist im besten Sinne ein Tausendsassa in der Ecke. „Und die Hoffnung auf den Erfolg war bis zum Schluss da“, so Baglan.
Aber nach George Bucurs Vierrundensieg gegen Martin Daum im viertletzen Kampf zur 15:12-Führung für die Mainzer, machten die deutschen Asse des KSV, Jan Fischer und Konstantin Schneider, die für das Finale ausreichende 18:15-Führung der Saarländer mit ihren 3:0-Siegen perfekt. Baris Baglan: „Aber das Feedback der Leute war, dass alle zu schätzen wussten, was wir geleistet haben. Und die Atmosphäre heute war Gänsehautstimmung pur. Das macht Lust auf mehr.“
Bichinashvili will noch eine Saison dranhängen
So sah es auch ein Routinier wie der 36-jährige David Bichinashvili, der gegen Konstantin Völk 3:0 gewonnen und damit einen von fünf Mainzer Einzelsiegen beigesteuert hatte. „Ich will auf jeden Fall noch eine Saison ringen, nachdem ich wegen meiner langen Grippe in dieser Runde nicht so gut wie gewohnt war“, sagte der Lehrer. „Ich hoffe, dass das Team zusammenbleibt“, betonte der Nationalmannschaftsringer. „Es soll nächstes Jahr noch besser werden.“ Dabei sagte Professor Eckhart Pick noch zum Schluss: „Wir waren seit dem letzten Titelgewinn 1977 nicht mehr im Halbfinale gewesen. Also hat das Team tatsächlich Historisches geleistet.“

