Ringer des ASV Mainz 88 verpassen gegen KSV Köllerbach Finaleinzug nur knapp
31.12.2011 - MAINZ
Von Jens Grützner
Mit einem starken Kampf vor 1.600 Zuschauern in der ausverkauften Mombacher Sporthalle verabschiedete sich Ringer-Bundesligist ASV Mainz 88 am Freitagabend im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft aus dem Titelrennen. Nach einem 17:19 am zweiten Weihnachtsfeiertag beim KSV Köllerbach reichte dem Team von Baris Baglan im Rückkampf ein 19:18 nicht für den Einzug in die Endkämpfe gegen den SV Weingarten.
„Trotz der Enttäuschung, die jetzt an uns nagt, weil wir die Finals verpasst haben, muss man einen Schlussstrich unter eine ganze Saison ziehen. Und die war für den ASV eine historische“, sagte Baris Baglan. Nach sieben Kämpfen führten die Mainzer erstmals mit dem für den Finaleinzug nötigen Vorsprung von drei Zählern, weil George Bucur einen 3:1-Erfolg gegen Martin Daum im Leichtgewicht des freien Stils feierte. Aber mehr als schnuppern konnte der zweifache Meister der Siebziger Jahre nicht am großen Triumph.
Denn Patric Nuding und Pascal Eisele waren nachfolgend außer Stande, sensationelle Auftritte im Viertelfinale und im ersten Halbfinal-Kampf zu wiederholen. Sie unterlagen Jan Fischer und Konstantin Schneider jeweils 0:3. Letztlich gaben die stärkeren nationalen Ringer den Ausschlag für die Köllerbacher. Dass der am Kreuzband verletzte KSV-ler Andrij Shyyka im abschließenden Duell wegen Passivität gegen Kiril Terziev disqualifiziert wurde, gab dem Abend einen leicht bitteren Geschmack.
Zaidov vergibt 2:0-Führung
Es hatte den Anschein gehabt, als sollte der ASV den gewünschten guten Start in den Kampfabend haben. Schließlich lag der Deutsche Meister Tahir Zaidov schon 2:0 nach Runden vorne gegen Venelin Venkov. Und der Köllerbacher Bulgare musste von Montag vier Kilo abspecken, um das Limit für das Fliegengewicht zu erreichen. Doch dann zeigte Venkov sein großes Können. Mit drei Durchdrehern in Serie schnappte er sich die dritte Runde und sorgte für einen moralischen Knacks bei Zaidov. Fortan hatte der 88er keine einige gute Aktion mehr – er unterlag 2:3.
Und es kam noch dicker für die Mainzer – dieses Mal allerdings erwartungsgemäß. Der Köllerbacher Dimitar Kumchev setzte sich technisch überlegen gegen Stefan Kehrer durch. Selten hat man in einem Duell zweier Schwergewichte so viele Aktionen gesehen. Dass Kehrer gegen den 117 Kilo schweren und damit neun Kilo schweren Bulgaren die Luft ausging, war für den Mainzer Konterringer ein Manko. Die unbestrittene Klasse Kumchevs ein anderes.
Bei Khromov guckt der Mattenleiter nicht so genau hin
Mit einem 3:7-Rückstand schritt der 88-Russe Atmir Khromov zum Duell mit dem Mongolen Naranbaatar Bayaraa. Ein Erfolg der Gastgeber musste her, sollte der zahlreiche Köllerbacher Anhang nicht bereits zu diesem Zeitpunkt freudetrunken den Finaleinzug feiern. Und der 26-jährige Mainzer lieferte das ersehnte Resultat nach einem erneut spektakulären Kampf. Dass Khromov in einem Anflug von Kamikaze-Stil kurz vor Ende der zweiten Runde auf den Schultern lag, übersah Mattenleiter Ingo Gleisberg zum Glück für die Mainzer. So konnte Atmir Khromov mit den 88-Fans ein 3:1 bejubeln – mit einem ekstatischen Tänzchen.
Und nachfolgend fiel sogar eine Bank: Der KSV hatte den Ex-Mainzer Jimmy Lidberg in das Halbschwergewicht gegen Daigoro Timoncini beordert, den Vize-Weltmeister also. Doch wieder einmal zeigte sich, dass ein Topmann mit wenig Bundesliga-Praxis gegen einen harte Duelle gewohnten Koloss im Nachteil ist. Der Italiener setzte Lidberg mit guter Aggressivität und ringerischem Können zu. Der 3:0-Sieg brachte die 88er 9:8 in Führung. Aber nachfolgend kam die erwartete chancenlose Niederlage von Wladimir Berenhardt gegen Tomasz Swierk zum Pausenstand. Mit jeweils 3:0-Siegen gegen Seyran Simonyan im Hinkampf und Berenhardt war der Pole der große Matchwinner für die Saarländer.

