23. Februar 2012 04:43 Uhr
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Allgemeine Zeitung

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Ringen 

High Noon am Großen Sand

29.12.2011 - MAINZ

Von Jens Grützner

RINGEN ASV Mainz 88 kann zum vierten Mal in seiner Geschichte das Finale erreichen / Enge Kiste nach 17:19 im Hinkampf gegen Köllerbach

Dreimal erreichte der ASV Mainz 88 in seiner Geschichte das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen. 1973, 1975 und 1977. 1973 und 1977 holten die Mainzer anschließend die Krone gegen den KSV Witten und den VfK Schifferstadt. 1975 zogen sie in den Endkämpfen gegen den ASV Schorndorf den Kürzeren. Am Freitagabend stellt der KSV Köllerbach die letzte Hürde vor dem vierten Finaleinzug des ASV dar. Die 88-Staffel von Baris Baglan muss ab 20.30 Uhr einen 17:19-Rückstand nach dem Hinkampf wettmachen, um den Coup zu landen. Dieses Mal sollte die Mombacher Halle proppenvollen sein. „Das wird ein Fest“, sagt Baglan. „Wir fahren erhobenen Hauptes nach Mainz“, kündigt KSV-Coach Thomas Geid an. Hier die voraussichtlichen Paarungen und die Einschätzungen:

55 Kilo Griechisch-Römisch: Tahir Zaidov - Venelin Venkov. Dass der Deutsche Meister Zaidov in Mainzer Diensten vergangenen Freitag den Aalener Constantin Bulibasa bezwang, war bereits eine Überraschung. Es wäre noch eine größere, könnte der kleine Mann mit dem großen Herz nun auch den Köllerbacher Bulgaren schlagen. Eine Hoffnung: Venkov muss von 60 Kilo abtrainieren. Wenn Zaidov volle Pulle geht, immer wieder attackiert, Venkov an den konditionellen Rand bringt...

120 Kilo Freistil: Kenan Gör/Stefan Kehrer - Dimitar Kumchev. Egal, ob Baris Baglan den mehrfachen deutschen Meister Kehrer bringt oder den Türken Gör: Der EM-Dritte 2010 Kumchev geht als großer Favorit auf die Matte.

60 Kilo Freistil: Atmir Khromov - Naranbaatar Bayaraa. Den Ausländerplatz für Nicht-EU-Bürger dürfte Baris Baglan mit dem Russen Khromov besetzen. Dieser unterlag im Rückrundenduell zwar dem KSV-Mongolen, da er nach einer Rippenverletzung aufgeben musste. Die ersten beiden Runden hatte Khromov damals aber schon für sich entschieden. Ringt Khromov nicht Kamikaze - der unbedarfte Stil brachte ihm schon zwei Schulterniederlagen ein -, ist er leicht favorisiert.

96 Kilo Griechisch-Römisch: Daigoro Timoncini - Jimmy Lidberg. Dass Timoncini im Schwergewichtskampf beim KSV dem starken Esten Heiki Nabi, Weltmeister 2006, eine Runde abknöpfte, war aller Ehren wert. Nun dürfte es der Mainzer Italiener aber mit dem aktuellen Vize-Weltmeister eine Klasse tiefer zu tun bekommen, dem früheren 88er Lidberg. Der Schwede ringt wenig spektakulär. Und mit der Kondition hat er es auch nicht. Aber wehe, er gewinnt die erste Runde. Am Boden ist er kaum zu bewegen.

66 Kilo Griechisch-Römisch: Wladimir Berenhardt - Thomas Swierk. Im Viertelfinal-Hinkampf gegen Aalen knöpfte Berenhardt dem Deutschen Meister Christian Fetzer zwei Runden ab. Würde der konditionell fitte 88er eine Runde gegen Swierk gewinnen, wäre schon viel erreicht.

84 Kilo Freistil: David Bichinashvili - Konstantin Völk. Im Hinkampf setzte sich der Mainzer Routinier 3:0 durch. Und der 36-Jährige muss Völk wieder klar schlagen, wollen die 88err eine Siegchance haben.

66 Kilo Freistil: George Bucur - Martin Daum. Mit dem Publikum im Rücken sollte der Mainzer Publikumsliebling „Georgie“ zu einer Leistungssteigerung im Vergleich zum 3:2-Erfolg am zweiten Weihnachtsfeiertag imstande sein.

84 Kilo Griechisch-Römisch: Patric Nuding - Jan Fischer: Die Mainzer benötigen von Nuding eine kleine Sensation - ähnlich der von Patric Eisele am Montag gegen Konstantin Schneider: Nuding dürfte für einen Gesamtsieg wohl keine technische Wertung abgeben.

74 Kilo Griechisch-Römisch: Pascal Eisele - Konstantin Schneider. Wunder gibt es zwar immer wieder, aber dass Eisele erneut nur 0:1 gegen den Ex-Vize-Weltmesister verliert, erscheint kaum möglich.

74 Kilo Freistil: Kiril Terziev - Alexander Geid. Alles andere als ein erneuter 4:0-Sieg des Bulgaren wäre eine herbe Enttäuschung. Ein Duell mit Andrij Shyyka dürfte wegen dessen bekanntgegebenen Kreuzbandriss ausfallen.

Kiril Terziev (oben) hatte seinen Gegner Alexander Geid im Hinkampf klar im Griff. Das sollte auch im Rückkampf so sein. 	Foto: Ruppenthal

Kiril Terziev (oben) hatte seinen Gegner Alexander Geid im Hinkampf klar im Griff. Das sollte auch im Rückkampf so sein. Foto: RuppenthalVergrößern

TIEBREAK BEI GLEICHSTAND
Gewinnen die Mainzer den Rückkampf mit zwei Punkten Unterschied - egal, wie hoch - ist das Verhältnis nach dem 17:19 im Saarland ausgeglichen, dann kommen in folgender Reihenfolge Tiebreaks zur Anwendung:

Die Zahl der gewonnenen Kämpfe: 4:6 steht es nach Einzelsiegen aus Mainzer Sicht in Köllerbach. Die 88er müssten also sechs gewinnen, um den nächsten Tie-Break zu erreichen.

Die höhere Anzahl von Schultersiegen oder kampflosen Siegen (durch Übergewicht, Disqualifikation oder Aufgabe). Da Kiril Terziev beim KSV ein Schultersieg gelang, führen die 88er in dieser Kategorie.

Die höhere Anzahl deutlicher Siege: technisch überlegene Siege mit 4:0, 4:1, 4:2, Kämpfe mit 3:0, 3:1 usw.

Die Gesamtringzeit und das Los: Am Ende könnte die kürzere „Gesamtringzeit“, relevant sein - wenn etwa eine Mannschaft einige Runden vorzeitig beenden konnte. Hilft das nichts, entscheidet das Los.

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