Zum Geburtstag selbst beschenkt
01.09.2011 - INGELHEIM/MAINZ
Von Andreas Scherer
PORTRÄT 18-jährige Meike Schmelzer träumt von Handball-Bundesliga / Seit dem Sommer U-19-Nationalspielerin
Der 18. Juli 2011 wird Meike Schmelzer unvergesslich bleiben. In ihrem ersten Länderspiel für die U-19-Juniorinnen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB) warf sie gegen Österreich ihr erstes Tor. Tags darauf wurde sie 18 Jahre alt.
Die Schülerin am Ingelheimer Sebastian-Münster-Gymnasium kommt aus einer Handballerfamilie und hat ihre Wurzeln beim HSC Ingelheim. Vater und Mutter waren und sind beim HSC aktiv, Bruder Tom spielt bei den B-Junioren der HSG Rhein-Nahe Bingen in der Oberliga und ist Mitglied der Rheinhessen-Auswahl, Schwester Cora spielt bei der SG BIngelheim.
Meike wechselte im Jahr 2008 zu Mainz 05, wo sie in der vergangenen Saison noch bei den A-Juniorinnen in der Regionalliga spielte. In dieser Runde ist sie nun ins Team der Drittliga-Mannschaft gerückt. Das soll es aber noch nicht gewesen sein. „Ich habe schon als Zehnjährige davon geträumt, einmal in der Bundesliga zu spielen“, sagt die 18-Jährige.
Und an diesem Traum hat sich nichts geändert, obwohl es in der Karriere der jungen Sportlerin durchaus schon einen ernst zu nehmenden Rückschlag gab. Beschwerden im Knie zwangen sie im Jahr 2007/08 zu einer Pause. Ein Knorpelschaden musste operativ behandelt werden.
Aber Meike Schmelzer ließ sich davon nicht aus der Bahn werfen. Auch wenn sie weiß, dass Handball auf Hochleitungsniveau nicht unbedingt die allererste Empfehlung für ihr Knie ist, arbeitet sie beharrlich an ihrem Traum weiter. Jüngste Sprosse auf der Karriereleiter war nach der Berufung in den U-19-Kader des DHB die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Juniorinnen in Holland. Zwar blieb dem Team der erhoffte Sprung in die Hauptrunde verwehrt, weil man im letzten entscheidenden Gruppenspiel gegen Frankreich beim 13:26 vollkommen neben sich stand. Immerhin reichte es noch zum elften Platz und Meike stand jedes Mal in der Startelf. Bei der knappen 25:27-Niederlage gegen den Weltmeister von 2010, Schweden, gelangen der Kreisläuferin fünf Treffer.
Auf den Handball fokussiert sich der sportliche Ehrgeiz der Ingelheimerin, aber Handball ist in ihrem Leben bei Weitem nicht alles. „Bildung ist das Wichtigste“, sagt die SMG-Schülerin, die im Frühjahr 2013 das Abitur machen wird. Ihre Leistungsfächer sind Englisch, Biologie und Musik. Das zeigt, wie breit Meike mit ihren Interessen aufgestellt ist. Klavier spielt sie fast schon so lange (und fast so gern) wie Handball. 15 Punkte hat sie selbstverständlich im Nebenfach Sport. Sie bedauert, dass es am SMG nicht möglich gewesen sei, im Fach Sport einen Leistungskurs bis zum Abitur ins Leben zu rufen.
Meike Schmelzer will einmal in Richtung Lehramt studieren. Sie weiß, dass sie, selbst wenn ihr Traum, einmal Bundesligaspielerin zu werden, in Erfüllung gehen sollte, vom Handball nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Aber darauf kommt es ihr auch nicht an. „Ich habe durch den Sport schon jede Menge Leute kennenlernen dürfen“, sagt sie, die für sich in Anspruch nimmt, trotz Leistungssports und Schule keineswegs die sozialen Kontakte zu vernachlässigen. Diese funktionieren auf zwei Ebenen: einerseits in Ingelheim rund um Schule und alte Freunde, andererseits über den Handball.
Und wenn Meike am Träumen ist, dann darf es gerne auch noch einen Schritt über die Bundesliga hinausgehen: Im Jahr 2016 finden die olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt.

