Deutscher Meister ganz ohne Star-Allüren
27.11.2010 - MAINZ
Von Volker Buch
FRAUEN-FUSSBALL Beim für die Europameisterschaft qualifizierten Mainzer Uni-Team zählt vor allem das Miteinander / Dimo Wache als Trikotsponsor
Deutscher Fußball-Meister. Ein Titel, der runter geht wie Öl. Die A-Junioren des FSV Mainz 05 durften sich vor anderthalb Jahren so nennen, die „Erste“ der 05er zuvor 1982 (Amateurmeister). Sonst bislang niemand in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Bis zum Juni diesen Jahres, als sich das Frauen-Team der Johannes-Gutenberg-Universität in Karlsruhe nach einem 3:0 im Finale gegen die Kommilitoninnen aus Göttingen zum Hochschul-Champion krönte.
Verantwortlich für die Mannschaft zeichnet Haruka Schmelich, Spielerin beim Bezirksligisten SV Ober-Olm und Trainerin der Fußballerinnen des SVW Mainz. Einmal pro Woche bietet sie abends Training an, im Winter natürlich in der Halle. Das dies an einem Dienstag stattfinden kann, kommt Schmelich sehr entgegen: „Ich bin froh, dass ich diesen Termin bekommen habe. Da können nämlich auch viele, die im Verein spielen.“ Der Grund dafür ist einfach, sind doch dienstags und donnerstags die Sportplätze der Region zumeist in Männerhand, die Frauen müssen auf Montag und Mittwoch ausweichen.
Und so ist das Training gut besucht. Leistungsmäßig allerdings mit großen Unterschieden. Von Anfängern bis zu Regionalliga-Spielerinnen, aus denen sich logischerweise das Meisterteam von Karlsruhe zu großen Teilen rekrutierte. Eine davon ist Perrine Wachter, die sonst für Südwest-Regionalligist SV Bardenbach kickt. Die junge Frau zeigt sich vom Teamgeist angetan: „Hier gibt es keine Zickerei. Wir sind zwar ehrgeizig, aber immer als Team.“ Mitspielerin Andrea Letzel - für Hessenligist Eintracht Wetzlar am Ball - erinnert sich noch gut an das Turnier in Karlsruhe: „Am Anfang hatten wir Schwierigkeiten, aber nach dem ersten Spiel haben wir uns sehr schnell gefunden.“ Was den Titel brachte.
Allüren legen die Damen dabei nicht an den Tag. Was zählt ist das Miteinander. Darauf legt auch Haruka Schmelich Wert: „Das ist hier Universitätssport für alle und kein Verein.“ Zwar wird in Gruppen getrennt, was aber bei zum Teil über 50 Spielerinnen auch gar nicht anders machbar ist. Dass es inzwischen so viele sind, hat auch etwas damit zu tun, dass der Frauen-Fußball durch die erfolgreiche Nationalelf (zweimal Welt- und siebenmal Europameister) einen Boom erlebt.
Neben dem Training gibt es hin und wieder mal ein Freundschaftskick, allerdings nicht gegen andere Hochschulen, sondern gegen Klubs aus der Region. Zudem nehmen die Mainzer am großen Frauen-Hallenturnier in Montabaur teil. Sonst bleiben nur die deutschen Hochschulmeisterschaften, die erst Ende Juni stattfinden, mit dem Effekt, dass dann die reguläre Fußball-Saison zu Ende ist und die Vereinsspielerinnen einsetzbar wären. Kleiner Nachteil: Zu diesem Zeitpunkt „drohen“ Prüfungen.
Über das Uni-Training hätten auch schon einige Anfängerinnen den Weg in die Vereine gefunden. „Die Nachfrage ist gestiegen, das Niveau hat sich gesteigert. Insgesamt ist es erheblich besser geworden“, findet Antje Baumann, die Torschützenkönigin der Deutschen Meisterschaften, die für Germania Wiesbaden in der Regionalliga Süd spielt. Genauso übrigens wie Aline Friedrich, die einen Trikotsponsor an Land zog hat, der in Mainz bekannter ist als ein bunter Hund: Dimo Wache. „Der hatte auch die Germania gesponsert. Da habe ich ihn angeprochen“, sagt die 20-Jährige. Tja, so schnell kann es manchmal gehen.
Und so laufen die Fußballerinnen mit dem Namenszug der 05-Torwartlegende auf dem Trikot herum. Wenn das mal kein Ansporn ist. Und nicht nur in der Halle. Denn als deutscher Hochschulmeister haben sich die Mainzer Studentinnen für die Europameisterschaft - quasi die Champions League für angehende Akademikerinnen - Ende Juni 2011 in Istanbul qualifiziert. Sollten sie diesen Fußball-Titel auch noch gewinnen, käme endgültig niemand mehr in der Domstadt mit.

