Von Michael Heinze
Erfolgreicher Saisonstart für die die Ringer des ASV Mainz 88 in der Bundesliga West: Im Derby bei Aufsteiger KSV Seeheim setzte sich das Team von Cheftrainer Baris Baglan am Freitagabend klar und deutlich mit 22:12 durch.
"Bin schon sehr erleichtert, denn ein Saisonauftakt birgt immer einige Fragezeichen", resümierte Baglan. "Aber meine Jungs haben mir sehr gut gefallen heute. Wir sind rechtzeitig fit, das stimmt mich optimistisch für den weiteren Saisonverlauf", resümierte Baglan. "Zumal die Vorstandschaft signalisiert hat, dass es gute Gespräche mit Sponsoren gibt, die uns unterstützen wollen, indem sie Heimkämpfe übernehmen."
Vor 400 Zuschauern war die Vorfreude auf den ersten Erstliga-Kampf der Seeheimer seit fast 35 Jahren förmlich zu greifen gewesen. "Die Chancen stehen fifty-fifty", hatte sich der 73 Jahre Friedel Siegler, seit drei Jahrzehnten KSV-Vorsitzender, vor dem Kampf, der mit 25-minütiger Verspätung begann, selbstbewusst gegeben. Nicht zu Unrecht. Mit der Aufstiegseuphorie im Rücken leisteten seine Männer den favorisierten 88ern zumindest vor der Pause erbitterten Widerstand. Im Greco-Duell der "schweren Jungs" musste sich 104-Kilo-Mann Ugur Dogan dem mehr als zehn Kilo leichteren Christian Fischer beugen. "Das hatte keiner groß gedacht", sagte Baglan. Eine Niederlage an alter Wirkungsstätte setzte es auch für den jungen Kevin Schwäbe im Halbschwergewicht. "Kevin ist nicht bei hundert Prozent, das muss man klar sagen", sagte Baglan. "Aber er hatte es mit einem Klassemann zu tun."
Seinem Ruf als cleverer Hund alle Ehre machte indes Zugang Lokman Kablanbaba, der im Auftaktfight Eduards Kucepalovs taktisch einwandfrei agierte und jeweils kurz vor Rundenende die entscheidenden Wertungen schaffte. In den wichtigen Augenblick war der 88er dem Seeheimer Letten überlegen. Wladimir Berenhardt bewahrte im Hexenkessel die Ruhe und meisterte den ersten Ernstfall nach auskurierter Knieverletzung gegen KSV-Youngster Timur Seidel souverän. Für die beruhigende 11:6-Pausenführung sorgte der Rumäne George Bucur, der mit EM-Starter Michél Schneider anstellte, was er wollte. "Schorschi heißt eben nicht umsonst Die Maschine", schmunzelte Baglan. "Diesem Spitznamen ist er wieder mehr als gerecht geworden." Mit Doppelbeinangriffen, Innensicheln, Durchdrehern und Beinschrauben am Boden brachte der Weisenauer nicht nur die mitgereisten 88-Fans, sondern auch das Seeheimer Publikum zum Staunen.
Den ASV-Sieg perfekt machte Stefan Gheorghita im drittletzten Kampf des Abends durch einen Dreisatzsieg über Armands Zvirbulis, einen von drei Letten der Südhessen. Zuvor hatte Jurij Kohl, dritter Zugang in der Startformation neben Kablanbaba und Schwäbe, gegen den überforderten Cihan Görgü einen prima Einstand im 88-Leibchen gefeiert. Kraftpaket Dominique Engel hatte gegen den Ungarn Laszlo Antunovits wie ein Berserker gearbeitet und war mit einem knappen Fünfsatzsieg belohnt worden, für den er sich zurecht feiern ließ. Die abschließenden Niederlagen von Steven Gottschling und Robert Rosengren taten dem ASV nicht mehr weh.

