Neuer Vorsitzender gesucht
27.01.2012 - MAINZ
Von Jens Grützner
RINGEN Bundesligist Mainz 88 wählt und debattiert heute unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Wohin führt der Weg des Ringer-Bundesligisten ASV Mainz 88? Am Freitagabend lädt der DM-Halbfinalist der zurückliegenden Saison zu seiner Mitgliederversammlung. Der wichtigste Tagesordnungspunkt: die Neuwahl des Vorsitzenden. Nach zwei Jahren steht Professor Eckhart Pick nicht mehr für den Posten zur Verfügung. Der Jurist und Ex-Bundestagsabgeordnete hatte dem Klub einen seriösen „Touch“ verliehen.
Wie groß ist das einst 34 000-Euro-Loch noch?
Im Gegensatz zu früheren Jahren finden eine 88-Vorsitzendenwahl sowie der Bericht des Kassierers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Das ist unser gutes Recht“, sagt Pick. Schließlich handelt es sich um eine Mitgliederversammlung. Und der 88-Vorstand hat sich angeblich bei einer Gegenstimme dafür entschieden, nur Mitglieder durch die Türe des Weisenauer Vereinsheims zu lassen. Medienvertreter bleiben also auch außen vor.
Man könnte auf die Idee kommen, dass die Vereinsoberen durch die nicht öffentliche Sitzung vor allem finanziell missliebige Details unter sich aufarbeiten wollen. Während der Saison hatte Pick kundgetan, dass die 88er eine Etat-Unterdeckung von 34 000 Euro belastete - weil eingeplante Sponsorengelder nicht gekommen waren. Der ASV war mit vollem Risiko in die Saison gegangen, in der Hoffnung, in den Play-offs weit zu kommen und in der Endrunde gutes Geld zu verdienen. Ob der Plan nach zwei Heimkämpfen mit 1212 und 1600 Zuschauern aufgegangen ist - die Mannschaft musste schließlich auch für vier Duelle bezahlt werden, der Deutsche Ringer-Bund kassierte für Viertel- und Halbfinalteilnahme des zweimaligen Deutschen Meisters alleine 2500 Euro -, ist noch unklar. „Die Öffentlichkeit wird über das Wichtigste informiert“, antwortet Professor Eckhart Pick auf die Frage, ob die 88er am Freitag etwas zu verheimlichen hätten. Aus Insider-Kreisen dringt die Kunde, dass sich das Etatloch zum Wohl des Klubs verkleinert hat. Da haben sich wohl Picks gute Kontakte bezahlt gemacht.
„Wir haben in den letzten zwei Jahren viel erreicht“, sagt der scheidende Chef. Wobei der ASV nur 2011 unter sportlicher Führung von Baris Baglan wieder in das Rampenlicht vordrang. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesligisten hat der ASV seine Aktiven als Angestellte geführt, entsprechend teure Sozialabgaben bezahlt. „Wir machen keine Tricks wie andere“, so der Jurist. „Auch wenn uns das mehr kostet.“
Was die Mannschaft der Saison 2012 betrifft, „muss der neue Vorstand die Weichen stellen“, sagt Pick. „Es sind gewisse Dinge vorbereitet.“ Aber noch hat wohl kein Ringer eine Lizenz unterschrieben. Pick sieht keinen Grund, weshalb der ASV nicht erneut in der Eliteklasse auf die Matte steigen sollte - andere West-Gruppen-Teams wie der TSV Musberg und der KSK Neuss haben bereits ihre Rückzüge erklärt. „Ich denke aber, dass der gesamte Ringersport unter Führung des DRB in einer Existenzkrise steckt“, sagt der Ex-Politiker.
Auf die Frage, ob er sich den momentanen Vize-Vorsitzenden Heinz Meyer als neuen Chef vorstellen könnte, antwortet Professor Eckhart Pick: „Das ist doch schon mal ein guter Name.“

