"Play-off-Teilnahme wird 2010 noch schwerer"
10.04.2010 - MAINZ
RINGEN 88-Coach Ahmet Cakici über das neue Mainzer Zugpferd Stefan Kehrer, Spekulationen über Zugänge und das Wachstum von Kubilay Cakici
Eigentlich hatte Professor Eckhart Pick schon in dieser Woche vorgehabt, die Erstliga-Mannschaft des ASV Mainz 88 für die anstehende Ringersaison zu benennen. "Doch ein paar Gespräche stehen noch aus", sagte der Vorsitzende am Freitag. In der nächsten Woche dürfte das Team stehen. Trainer Ahmet Cakici ist guter Laune.
Herr Cakici, mit dem Wechsel von Stefan Kehrer aus Aalen nach Mainz ist den 88ern ein echter Coup gelungen. Was können Sie noch aus dem fünffachen Deutschen Meister herausholen?
Stefan ist unser neues Zugpferd. Er weiß, dass er Verantwortung zu tragen hat. Wir hoffen, dass er die nächsten zehn Jahre in Mainz ringt. Es gibt wohl kaum einen begnadeteren Ringer in Deutschland. Klar ist, dass Erfolg zu 80 Prozent aus Fleiß entsteht. Der Rest ist Einstellungssache. Und da denke ich, dass Stefan noch ein paar Tipps bekommen kann. Dass er auch stilartfremd bei den deutschen Greco-Meisterschaften gestartet ist und dort Bronze geholt hat, zeigt, dass er Biss hat. Er will zu Olympia 2012.
Zuletzt machten Gerüchte die Runde, der deutsche A-Junioren-Meister Christian Maier könnte aus Lichtenfels kommen und der starke Jugendliche Robin Ferdinand aus Boden. Was ist an den Spekulationen dran?
Ich habe ein paar Mal mit Maier gesprochen. Er ist natürlich ein sehr interessanter Mann, aber er macht gerade sein Fachabitur. Deswegen kommt eine Verpflichtung für uns eher 2011 infrage. Dann könnte Maier die 74-Kilo-Klasse übernehmen. Bei Ferdinand haben wir auch das nächste Jahr im Hinterkopf. Angesichts dieser angestrebten Wechsel ist aber auch klar, dass wir verpflichtet sind, die Endrunde zu erreichen. Solche Jungs wollen Perspektive haben.
In der vergangenen Saison scheiterte der ASV als Fünfter an diesem Ziel. 2010 dürfte es nicht leichter werden, Platz vier zu erreichen, oder?
Es wird schwerer. Denn nach allem was man bisher so hört, muss man auch Nendingen und Freiburg zum Kreis der Play-off-Anwärter zählen. Und Titelverteidiger Aalen und Weingarten werden vermutlich auch nochmal stärker. Der Weggang von Stefan Kehrer beispielsweise belastet die Aalener in keiner Weise. Denn sie müssen nicht auf die Deutsch-Quote achten, weil sie genug nationale Athleten haben. Sie holen einfach einen noch stärkeren ausländischen Top-Mann und fertig. Aber wir werden auch gut sein.
Die 88er haben ein guten nationalen Junioren mit Kubilay Cakici. Allerdings muss er zurzeit wohl seinem Wachstum und starker Gewichtszunahme Tribut zollen, oder woran lag es, dass er sich bei Meisterschaften zuletzt nicht weiter vorne platzierte?
Als Kubilay vor zwei Jahren deutscher A-Jugend-Meister wurde, hatte er 58 Kilo. Jetzt hat er 74. Und in der nächsten Saison sehe ich ihn mit 84 Kilo auf der Matte. Er ist jetzt dabei, enorm an Kraft zuzulegen, an männlicher Kraft. Dass er bei den Junioren-Meisterschaften nur Siebter wurde, hing auch damit zusammen, dass er gesundheitlich nicht fit war. Letztlich hat er aber auch nur gegen Meister Christian Maier und den späteren Dritten Florian Fischer verloren.
Aber viel mehr andere Talente hat der ASV, hat Rheinhessen nicht zu bieten...
Das sehe ich anders. Kubilays jüngerer Bruder Koray ist das Talent schlechthin. Und der Sohn des früheren Laubenheimers Viktor Lizen, der auch Viktor heißt, ist auch ein guter. Wir müssen aber die Ausbildung der Jungen intensivieren und auch aus dem Umkreis von 100 Kilometern Talente nach Mainz holen.
Das Gespräch führte
Jens Grützner

