RUDERN Deutschland-Achter um Mainzer Schmidt mit Platz drei bei Sportlerwahl nicht ganz zufrieden
BADEN-BADEN. Die Crew des Deutschland-Achters um Schlagmann Sebastian Schmidt vom Mainzer Ruder-Verein bewies auch bei der After-Show-Party zur Wahl des "Sportlers des Jahres 2009" Stehvermögen. Die Weltmeister ließen es im Kurhaus Baden-Baden so richtig krachen, obwohl sie mit dem dritten Platz in der Mannschaftswertung nicht hundertprozentig zufrieden waren. Sebastian Schmidt stand unserer Zeitung unmittelbar nach der Proklamation Rede und Antwort.
Herr Schmidt, Ihr Achter wurde von den Sportjournalisten hinter der Frauen-Fußballnationalmannschaft und dem Deutschen Meister VfL Wolfsburg auf Platz drei eingestuft. Können Sie mit dieser Reihenfolge leben?
Zunächst einmal freuen wir uns, dass wir den dritten Platz erreicht haben, aber ich muss auch sagen, dass wir uns ein bisschen darüber ärgern, dass die Fußballer bei dieser Wahl einen so hohen Stellenwert haben und ihre Leistungen so hoch eingestuft werden. Aber man kann es nicht ändern - der dritte Platz ist auch ein super Erfolg für uns. Ich glaube, das ist seit 1989 die erste Platzierung des Achters unter den ersten drei, von daher ist es in Ordnung. Wir können zufrieden sein, können uns freuen, aber es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge.
Ist eine solche Ehrung in diesem festlichen Rahmen ein Ansporn für Sie, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, dann vielleicht als Zweiter oder sogar Erster?
Auf jeden Fall. Wir versuchen natürlich, unseren WM-Titel zu verteidigen. Und dann sehen wir weiter. Ob uns das gelingt, das weiß niemand, aber wir werden uns größte Mühe geben.
Das ganz große Ziel für den neuformierten Deutschland-Achter sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Das ist aber noch ein ziemlich lange Strecke bis dahin.
Es ist sicher schwierig, sich bis dahin zu quälen, aber Ralf Holtmeyer, unsere Achter-Trainer, ist dafür der beste Mann am Hebel. Er wird uns richtig einstellen auf diese harte Zeit, auch auf das nächste Jahr, in dem die Weltmeisterschaft ja erst sehr spät stattfindet (29. Oktober bis 7. November in Neuseeland - die Red.). Er hat den gewissen Fernblick und wird uns richtig auf London vorbereiten.
Sitzen Sie weiter am Schlag?
Das steht in den Sternen. Ich denke, dass ich gute Arbeit geleistet habe als Schlagmann, Ob ich weiter der Beste bin, das wird sich in der nationalen Ausscheidungen zeigen. Wenn ich meine Leistung bringe, habe ich sicher die Chance, mich wieder als Schlagmann zu bewähren, wenn nicht, dann eben nicht. Es hat Spaß gemacht und ich würde gerne Schlagmann bleiben, aber ich bin sicher nicht unersetzbar.
Beim letzten Langstrecken-Test des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) in Dortmund durften Sie nicht mit Ihrem bewährten Zweier-Partner Toni Seifert fahren. Stattdessen setzt Ihnen DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher den unerfahrenen Ivan Saric ins Boot, so dass es nur zu Platz sechs reichte. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Konstellation?
Der Gedanke war, den etwas jüngeren Leuten die Chance zu geben, sich zu bewähren. Mittlerweile greifen wir aber wieder auf die alte Besetzung zurück. Ich fahre wieder mit Toni Seiffert zusammen. Das harmoniert ein ganzes Stück besser und darüber bin ich auch sehr froh. Ich denke, dass wir auf den nationalen Meisterschaften im Frühjahr in Brandenburg wieder angreifen werden.
Das Gespräch führte
Rüdiger Lutterbach

