Von Marcel Friederich
Anna Bader ist und bleibt die Königin im Klippenspringen. Die 25-jährige Extremsportlerin hat zum nunmehr vierten Mal den EM-Titel gewonnen und in der Tessiner Bergwelt eine neue persönliche Bestmarke aufgestellt: Erstmals gelang der mutigen Mainzerin eine fünfteilige Sprungserie aus 20 Metern Höhe. Bislang war sie zumeist aus 15 Metern gesprungen.
„Ein großartiges Gefühl“, strahlte Bader, als sie aus dem Schweizer Gebirgsfluss Maggia wieder auftauchte. „Alle fünf Sprünge haben total gut geklappt.“ Natürlich: Weil sie als einzige Frau gemeldet war, hatte sie den EM-Titel schon im Voraus so gut wie sicher. Doch umso größer war die Freude, dass die „Premiere“ mit fünf verschiedenen Sprüngen aus einer Höhe von 20 Metern so glänzend gelang. „Zumal ich vorher nur wenig trainiert habe, weil diese Sprünge sehr kraftraubend sind“, erklärte Bader, dass vor allem die Eintauch-Phase sehr anstrengend sei und eine hohe Konzentration erfordere. „Schließlich ist die Eintauch-Geschwindigkeit bei 20 Metern viel höher als bei 15 Metern.“ Doch Bader bewies ihre ganze Klasse und vollendete die Sprünge routiniert im Wasser.
„Wenn ich eine Konkurrentin gehabt hätte, wäre ich wohl noch mehr Risiko gegangen. So aber konnte ich die sichere Variante wählen.“ Dabei sprach Bader über einen technischen Fehler, den sie bei der 20-Meter-Höhe noch nicht abstellen konnte: Während der Eintauch-Phase reckt die Mainzerin stets die Arme nach oben, was jene sichere Variante darstellt. „Viel riskanter wäre es, wenn ich die Arme dicht am Körper lassen würde. Es gebe zwar mehr Punkte, doch ich hätte viel weniger Kontrolle“, sagte Bader, die dieses Risiko nicht eingehen wollte. Zumindest vorerst nicht.
Am Ende kassierte die Extremsportlerin insgesamt 51,20 Punkte. Ein herausragendes Ergebnis, besonders im Vergleich zu den acht männlichen Startern. Bader war besser als der Deutsche Christian Wurst (47,60) und der Österreicher Peter Roseney (48,70), was die außerordentliche Klasse der Mainzerin beweist. Obwohl sie ihren männlichen Kollegen ordentlich Paroli bieten kann, wünscht sich die 25-Jährige für die Zukunft, dass sich wieder mehr Frauen für das Klippenspringen begeistern. Schließlich war in den vergangenen Jahren stets die ein oder andere Konkurrentin gemeinsam mit Bader in der Damen-Klasse am Start. Doch in Vallemaggia blieb sie gänzlich ohne Konkurrenz. „Hoffentlich ändert sich das bald wieder. Denn mit weiblichen Athletinnen zu springen, ist natürlich noch ein Stück motivierender. “ Aber auch so kann die sprachlich begabte Studentin (Englisch, Spanisch, Geographie) mehr als stolz auf ihre Leistungen sein: Nach 2005, 2007 und 2008 sicherte sich die Top-Athletin vom Mainzer SV den vierten EM-Titel im Klippenspringen. Eine herausragende sportliche Leistung.
Anstatt sich nun auszuruhen, hat Bader schon die nächsten Wettkämpfe im Auge: Am kommenden Wochenende in Tschechien, ehe Ende August das Red-Bull-Cliff-Diving-Event in Hamburg ansteht. Auch dort will die Königin im Klippenspringen wieder glänzen…

