Große Bestätigung für die Finther Arbeit
27.01.2012 - MAINZ
Von Bardo Rudolf
STERNE DES SPORTS Fontana in der Mainzer Staatskanzlei für herausragendes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet
Werner Schmitts Gefühle schwankten zwischen Stolz und Enttäuschung. Turn-Star Fabian Hambüchen hatte Fontana Finthen gerade mit dem „kleinen Stern des Sports in Silber“ geehrt. Was bedeutet, dass der Fußball-Klub von der Römerquelle bei der Suche nach den Klubs mit „herausragendem gesellschaftlichem Engagement“ in Rheinland-Pfalz Platz zwei belegt hat - bei 6300 Sportvereinen im Land. Doch Jugendleiter Schmitt war so ehrlich und sagte, dass er eigentlich auf den ersten Platz gehofft hatte: „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht.“
Der ging aber an den 1. FFC Montabaur. „Es war eine hauchdünne Entscheidung“, sagte Walter Desch, Jurymitglied und Präsident des Fußball-Verbands Rheinland. Der Frauenfußball-Verein, der sich unter anderem durch die Integration muslimische Mädchen auszeichnet, erhielt für sein Engagement den „Großen Stern des Sports“ in Silber, verbunden mit 2500 Euro. Überreicht wurden die Preise in der Mainzer Staatskanzlei von Sportminister Roger Lewentz und Landessportbund-Präsidentin Karin Augustin. Dazu werden die Vereinsvertreter vom Deutschen Olympischen Sportbund und den Volksbanken/Raiffeisenbanken nach Berlin eingeladen, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel den Bundessieger auszeichnen wird.
Doch auch wenn es für die Finther nicht zum ganz großen Wurf gereicht, ist der zweite Platz eine große Bestätigung für die Arbeit, die Schmitt und seine Mitstreiter seit über 20 Jahren leisten. Mit großer Freude, wie Schmitt betont: „Man hat im Verein manchmal Ärger mit Eltern, Trainern, Vorstandskollegen. Was einem aber alles zurückgibt, ist die Reaktion der Jugendlichen“, sagt der Lehrer.
Die Bewerbung der Fontanen umfasste über 100 Seiten, auf denen der Verein sein Konzept „Integration durch Sport“ auflistete. Dabei hob Schmitt folgende Punkte hervor:
Aktionen zur Kontaktaufnahme des Vereins zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Mit Bolzplatzbetreuung, Fußball-Olympiaden oder Jedermannturniere werden Kinder und Jugendliche an den Verein herangeführt.
Ferien-am-Ort-Wochen: Eine Woche lang vormittags Fußball, nachmittags Ausflüge beispielsweise zur Coface Arena oder nach Bad Münster am Stein. „Sie sind besonders bei den finanziell meist nicht so gut gestellten Ausländerkindern beliebt, weil diese Familien häufig nicht in Urlaub fahren können.“
Tage der Integration: Jährlich an einem Tag stellen die Eltern ausländischer Jugendfußballer kulinarische Spezialitäten ihrer Länder vor und steuern kulturelle Beiträge bei.
Mitarbeit bei der Sportjugend Rheinland-Pfalz bei verschiedenen Projekten: Schmitt betreut beispielsweise mit einem fast ausschließlich aus Migranten bestehenden Team die Street-Soccer-Anlage beim Kinderfest im Volkspark.
Spielmobil: Es fährt mindestens einmal im Jahr auf die Römerquelle und lockt laut Schmitt viele Kinder an, die nicht im Verein sind.
Vereinsjugendsprecher: Die Fontana legt Wert auf die Einübung demokratischer Formen. So werden die Teamkapitäne immer gewählt. Einmal im Jahr gibt es eine Jugendvollversammlung, bei der eine Jugendordnung erstellt wird und ein Jugendsprecher gewählt wird. Dies waren schon häufig Jugendliche mit Mitgrationshintergrund wie aktuell Lorik Restelica und Mergim Ramadani, die kosovo-albanische Wurzeln haben. Zudem wird jedes Jahr ein Jugendspieler für sein besonderes Engagement ausgezeichnet.

