Montag, 13. Februar 2012 06:23 Uhr
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Allgemeine Zeitung

andere Sportarten 

Jagdszenen auf Sportplätzen verhindern

09.08.2007 - MAINZ

Moderierte Schlichtungsmodelle gegen Gewalt im Sport /Mediatoren vermitteln zwischen Streithähnen/Hessen ein Vorbild

tor./red. Manchmal reichen die Strafen der Sportgerichtsbarkeit nicht aus, um Übeltäter auf dem Fußball-Feld nachhaltig zu besänftigen. In einigen, besonders schweren Fällen muss sogar ein ziviles Gericht Recht sprechen. Um Letzteres zu verhindern will der Deutsche Fußballbund (DFB) einen neuen Ansatz gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Justiz forcieren - Mediation oder moderierte Schlichtungsmodelle. Arbeit dürfte es für die Mediatoren genügend geben. Denn Situationen wie die folgende gibt es im Fußball häufig: Ein Pfiff, ein Wort und schon geht es los. Die Gemüter kochen über, Spielertrauben entstehen und Schubsereien beginnen. Diese Szenen sind keine Seltenheit auf den Sportplätzen in Rheinhessen und der Region. Meist regelt der Schiedsrichter mit Gelben oder Roten Karten die Lage, weitere Bestrafungen fällt der Gerichtsbarkeit des Südwestdeutschen Fußball Verbandes (SWFV) zu. Manchmal kommt es im Anschluss an solch banale Unstimmigkeiten aber auch zu Schlimmerem - zu Schlägereien, Spielabbrüchen und regelrechten Jagdszenen, an denen sich auch Zuschauer beteiligen. "Manche werden, wenn sie einen Schal oder ein Trikot überziehen zu richtigen Revoluzzern und Chaoten", ärgert sich Bezirksvorsitzender Bernhard Graffe. Er kennt solche Fälle, auch Wiederholungstäter, aus langjähriger Erfahrung. Die rheinland-pfälzische Justiz und der DFB wollen jetzt mit neuen Wegen nachhaltig gegen solche Problemfälle vorgehen. "Konfliktbewältigung ist ein zentrales Thema für Justiz und Sport. Hier gibt es auf beiden Seiten Erfahrungen und Modelle, die man nutzen sollte, um die integrative und damit befriedende Rolle des Sports zu fördern",sagt Justizminister Heinz Georg Bamberger. Vorbild könnte Hessen sein. Mediation, die Verhandlung zwischen Konfliktparteien im Beisein eines Dritten, des so genannten Mediators, der das Gespräch leitet, heißt dort das Zauberwort. Das Projekt "Interkulturelle Konfliktvermittlung/Mediation im Fußball" zwischen dem Hessischen Fußball Verband und der Sportjugend Hessen stellt solche Konfliktlöser. Das Ziel: ergänzend zum Rechtssystem auftretende Probleme im Fußball konstruktiv zu lösen. Ein konkretes Beispiel dieser Arbeit: Die A-Junioren des SV Heftrich und Germania Rüdesheim. Nach Streitigkeiten auf dem Feld trafen sich die Teams bei Mediatoren des hessischen Projektes. Engagierten Diskussionen folgten gewonnene Einsichten an deren Anschluss sich die Parteien einig waren, dass Provokationen zur Eskalation beitragen. Ein respektvoller Umgang wurde für zukünftige Begegnungen vereinbart. Im Bezirk Rheinhessen gibt es diese Form der Konfliktbewältigung noch nicht. "Wir wären natürlich dankbar, wenn sich auch bei uns geschulte Leute dafür bereit erklären würden", bekennt Graffe, gibt aber auch zu verstehen, dass er nichts davon hält, "etwas unnötig aufzublähen". Aus zwei Gründen: "Wir sind eine sportreibende Organisation und es fehlen uns einfach die Leute dazu." Der DFB habe, vermutet Graffe, bei der Initiative mit der Justiz vor allem das Umfeld des Sports im Blick. Dessen spezielle Chancen in diesem Bereich hat Bamberger erkannt: "Ich bin mit den Vertretern des Sports einig: gerade dem Jugendfußball kommt eine zentrale Bedeutung bei der Erziehung junger Menschen im Umgang mit Konflikten zu." Konflikte, die auf dem Fußballplatz ausgetragen würden, hätten ihre Wurzeln oft im gesellschaftlichen Bereich. So machten die Fußballverbände beispielsweise immer wieder Erfahrungen mit fremdenfeindlichen Einstellungen bei Fans und Spielern. "Hier täten professionelle Vermittlung und Aufklärung Not. Im Bereich der rheinland-pfälzischen Justiz haben wir seit über zehn Jahren gute Erfahrungen mit Konfliktschlichtungsmodellen", berichtet der Minister. Die Justiz könne dem Sport hier unter Umständen professionelles Knowhow anbieten. ""Ich freue mich über die Bereitschaft des DFB an einer entsprechenden Arbeitsgruppe in Rheinland-Pfalz mitzuwirken", betont Bamberger.


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