Montag, 13. Februar 2012 06:24 Uhr
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Allgemeine Zeitung

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Die wichtigen 45 Minuten des Jahmir Hyka

02.08.2008 - MAINZ

Starke Halbzeit gegen Polen bringt Albaner Vertrag in Mainz bei den 05ern/Lehrreiche Zeit in Trondheim bei Rosenborg

grü. Jahmir Hyka genügten 45 Minuten, um Eindruck zu schinden, um jetzt für den FSV Mainz 05 im Training zu schwitzen und anschließend gut dotierten Zweitliga-Fußball zu spielen. "Gott sei dank ist mir in dieser Zeit alles gelungen", sagt der 20-jährige Albaner. "Dribblings, gute Pässe. Ja, das war ein prima Einsatz für mich", erinnert sich der 1,68 Meter kleine Mittelfeldmann gerne an jenen 28. Mai. Hyka vermochte im damaligen Testspiel gegen EM-Teilnehmer Polen im Reutlinger Stadion An der Kreuzeiche zwar nicht die 0:1-Niederlage der Albaner abzuwenden, doch mit seinen schnellen Antritten und seiner Ballgewandtheit überzeugte er nach dem Seitenwechsel unter anderem Beobachter deutscher Zweitligisten. Namentlich der 05er, des SC Freiburg und des TSV 1860 München. Für den Bruchwegklub war Torwarttrainer Stephan Kuhnert vor Ort. "Mich beeindruckte vor allem, was er mit dem guten polnischen Rechtsverteidiger angestellt hat", so Kuhnert. Wer weiß, vielleicht nutzt Hyka in den nächsten Wochen die Chance, die sich dem Techniker wegen der Sperre von Elkin Soto bis zum 14. September bietet. "Einer wie Marko Marin" Vielleicht startet er am Bruchweg von Null auf Hundert. FSV-Trainer Jörn Andersen jedenfalls sagt mit strahlenden Augen: "Hyka ist ein Typ. Einer wie der Gladbacher Marko Marin. So Leute brauchen wir in Deutschland." Marin hatte es aufgrund seines frechen, schnellen Spiels und seiner zündenden Ideen zumindest in den Vorbereitungskader von Bundestrainer Joachim Löw für die EM geschafft. Andersen: "Und Jahmir lernt noch von Tag zu Tag dazu. Er hat nicht die Mir-ist-alles-egal-Mentalität, die ich bei anderen Albanern schon festgestellt habe." Defensivaufgaben sind ihm nicht zuwider. Andersen: "Jahmir ist zwar nicht der Zweikampfstärkste, aber er geht in Zweikämpfe." Hyka ist vor allem ein Profi. Ein sehr gut Englisch sprechender. "Dinamo Zagreb wollte mich sofort nach dem Testspiel verpflichten. Aber ich wollte erst einmal Angebote abwarten", sagt er. Der TSV 1860 München führte ihn durch die Allianz-Arena, mit 05-Manager Christian Heidel trank er ein paar Tassen Kaffee in Mainz. "Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich die beste Offerte annehme. So ist das nun mal in diesem Geschäft." Außerdem erkundigte er sich bei den Nationalmannschaftskollegen Ervin Skela (Energie Cottbus), Altin Lala (Hannover 96) und Edmond Kapllani (Karlsruher SC) über die Klubs. Freiburg war schnell raus, dann zogen auch die Münchner den Kürzeren. Jahmir Hyka hat kein Problem damit zuzugeben, dass "das Training hier sehr hart für mich ist." In der zurück liegenden Saison bei FK Tirana war er frei von großen taktischen Aufgaben Chef in der Mittelfeldzentrale. "Und das Spiel ist dort nicht so laufintensiv, so physisch wie in Deutschland", sagt er. Ungewohnt ist ihm der Arbeitsstil von Jörn Andersen deswegen aber nicht. Schließlich verbrachte der Neu-Mainzer 2006 einige Monate bei Rosenborg Trondheim, unter deren Vorsitzenden Rune Bratseth, dem früheren Bundesliga-Profi. Touristenvisa in Trondheim Die Trondheimer hatten ihn nach einem Probetraining unter Vertrag genommen. Weil aber bereits drei Nicht-EU-Europäer für den vielfachen nationalen Meister in dessen erster Elf kickten, erlaubte der norwegische Verband Hyka nur ein Touristenvisa. In dieser Zeit schaffte er nicht den Sprung in die Startformation. Deswegen musste er das Land verlassen. Trotzdem prägte die Zeit den jungen Albaner. "Zum einen lernte er gut Englisch, "zum anderen hat es mich fußballerisch weiter gebracht. Ich habe das 4-3-3 als linker Halbstürmer kennen gelernt, war aber auch Mittelfeldmann im 4-4-2. Und ich habe Defensivarbeit geleistet." Gegen robuste Gegner. Deswegen fliegt das 57-Kilo-Leichtgewicht Jahmir Hyka hier auch bei Pressschlägen nicht weg. Jahmir Hyka ist mit 17 Jahren ausgezogen, seinen Traum zu leben. "Anfangs ist es natürlich schwer, von Familie und Freunden getrennt zu sein." Nach der Zeit in Norwegen versuchte er bei Olympiakos Piräus unter zu kommen. Doch ein Vertrag kam nicht zu Stande. In Griechenland lernte er zumindest 05-Stürmer Felix Borja kennen. Ex-Nationaltrainer Otto Baric holte Hyka in die albanische Nationalelf. "Dafür muss ich ihm danken. In Albanien hängt man ansonsten eher an älteren Spielern." In der EM-Qualifikationsgruppe G mit Holland und Rumänien kam er zu Kurzeinsätzen gegen Rumänien und Slowenien. "Ansonsten habe ich in fünf, sechs Testspielen gespielt", sagt er. Neuer Coach der Albaner ist Arie Haan. Doch zurzeit ist Jahmir Hyka mit seinen Gedanken nur in Mainz. "Wir haben hier gute Mittelfeldspieler", sagt der 20-Jährige. "Es wird schwer, in die erste Elf zu kommen." Doch die Sperre von Elkin Soto öffnet die Tür ein bisschen weiter, als vermutet. Hyka: "Soto hat als Mainzer wirklich noch nicht viel Glück gehabt", sagt er. Vielleicht hat Hyka davon etwas mehr.


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