Auf dem Weg in die Weltspitze
02.08.2010 - INGELHEIM
Von Jens Hoffmann
BOWLING Pascal Winternheimer ist Deutschlands jüngster Nationalspieler bei der WM in München
Wenn Pascal Winternheimer im „Star Bowling“ an die Bahn tritt, hat das wenig mit ausgelassenen Bowlingabenden im Freundeskreis gemein. Der Physikstudent gehört zum Kader der Deutschen Bowling Union und bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor, die vom 12. bis 21. August in München stattfindet.
Winternheimer konzentriert sich auf seinen Wurf, dann folgt ein tausendfach geübter Bewegungsablauf. In schneller Rotation beschreibt der 15 Pfund schwere Ball - so heißt die „Bowlingkugel“ in der Fachsprache - eine Kurve, um die „Gasse“ zwischen dem ersten und dem dritten Pin zu treffen. Nur mit dem richtigen Eintrittswinkel kommt es zu einer optimalen Pinverwirbelung, die zum „Strike“ führt und alle zehn Kegel umfallen lässt. 16 Mal hat der Ingelheimer schon die im Bowling maximal erreichbare Zahl von 300 Punkten in einem Spiel erreicht, sein Jahresschnitt liegt bei 218 - beeindruckende Zahlen, Ergebnis unzähliger Wiederholungen.
Mentale Stärke im Wettkampf gefragt
„Bowling ist ein Präzisionssport“, sagt Winternheimer. Wer ihm beim Fachsimpeln zuhört, gibt ihm recht. Mentale Stärke ist gefragt, weniger die Muskelkraft. In der Weltspitze der Bowler geht es um die Ölmischung auf dem Parkett und um die „Topographie der Bahn“, mikroskopisch kleine Unebenheiten im Bodenmaterial. „Beides sind entscheidende Faktoren“, erklärt Winternheimer. Darum kann ein Wurf, der auf der einen Bahn perfekt ist, auf der anderen misslingen.
Am Wochenende traf sich die Bowling-Nationalmannschaft zur letzten Vorbereitungsrunde im neu errichteten „Dream-Bowl-Palace“, das mit 52 Bahnen größte Bowlingcenter Europas. „Sicher ist es ein gewisser Heimvorteil, auf der WM-Bahn trainieren zu können“, sagt Winternheimer, der am 6. August 22 Jahre alt wird. Er ist der Jüngste im sechsköpfigen Team, das in München den Adler auf der Brust tragen wird. Doch in München zu trainieren ist nur die halbe Miete, denn die World Tenpin Bowling Association - der Bowling-Weltverband - gibt die bei der Weltmeisterschaft verwendeten Ölmuster nicht heraus, sodass sich kein Teilnehmer einen Vorteil verschaffen kann.
Medaille mit Team wäre Riesenerfolg
Gespielt werden bei der WM Einzel-, Doppel-, Trio- und Teamwettbewerb, insgesamt 24 bis 30 Spiele für jeden der mehr als 400 Spieler. „Eine Medaille mit der Mannschaft wäre schon ein Riesenerfolg“, sagt Winternheimer. Sein persönliches Ziel ist die Teilnahme am Masters, die Runde der besten 24. Bei der EM 2009, Winternheimers erstem großen Turnier, errang er als Zwölftplatzierter den inoffiziellen Titel des besten deutschen Spielers.
Seit zehn Jahren betreibt Pascal Winternheimer intensiv den Bowlingsport. Was als Familienspaß anfing, entwickelte sich zum ehrgeizigen Projekt. Seine Entdecker und Förderer fand er beim BC 99 Ingelheim, dessen Vorsitzender Stefan Peil einer der Ingelheimer Hallenbesitzer ist. „Hier wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte im Verein zu spielen“, erzählt Winternheimer, „hier ist meine sportliche Heimat.“
Zurzeit trainiert der Student viermal wöchentlich zwischen zweieinhalb und drei Stunden, dazu kommt ein wenig Kraftsport und zum Ausgleich Schwimmen und Radfahren.
„Es ist eine Ehre für mich, zur WM zu fahren“, sagt Winternheimer. Mit dabei sind seine Familie und seine Freundin. Auch zwei Kumpels haben zugesagt, auf der Zuschauertribüne mitzufiebern. Am Abreisetag, steht aber noch eine Matheklausur an der Mainzer Uni an. Winternheimer sieht Parallelen zwischen Studium und Sport: „Bowling hat viel mit Physik zu tun. Es hat sogar schon einmal jemand den perfekten Wurf errechnet.“ Diesen so oft wie möglich zu vollbringen bleibt sein Ziel: „Ich will mich weiter an die Weltspitze heranarbeiten“, sagt der selbsbewusste Spitzensportler.

