Von Conny Haas
MOTORSPORT 17-jähriger Binger Gymnasiast sattelt ab der kommenden Saison vom Kart auf den Formel Renault 2.0 um
Auch Formel 1-Piloten fallen nicht vom Himmel: In der Formel Renault 2.0 erhalten künftige Grand Prix-Stars das Rüstzeug für ihre spätere Karriere. Einer von ihnen ist ab der kommenden Saison der 17-jährige Sven Müller aus Bingen, Schüler des Stefan-George-Gymnasiums und bisher erfolgreicher Kartfahrer für das Team Zinner.
Nach vier guten Jahren im Kartsport wechselt der sportliche junge Mann mit einem lachenden und einem weinenden Auge vom Kart- in den Formelsport. "Es war eine super Zeit im Kartsport, vor allem mit meinem Teamchef Michael Zinner. Ich konnte hier sehr viel lernen, was ich sicher auch im Formelsport gut gebrauchen kann", bedankt sich der talentierte Kart-Fahrer bei seinem Team. Dennoch reizt ihn natürlich die Geschwindigkeit des Formelsports.
Seit 2004 ist Sven Müller, der durch seinen Vater (selbst früher Kartfahrer) zu diesem interessanten Sport gekommen ist, auf den Kartbahnen in Deutschland zu Hause. Seine bisher größten Erfolge waren der Gewinn des Winterpokals 2006/2007, der dritte Platz in der Qualifikation zur Europameisterschaft und die bis zu seinem Ausfall schnellste Rennrunde beim Monaco Kart Cup 2007.
Im letzten Jahr wurde der Binger von der ADAC Stiftung Sport als einer der zehn talentiertesten deutschen Kartfahrer zur einer Formelsichtung eingeladen. Dort bekam er das erste Mal die Chance, einen Formel fahren zu können. Jetzt, ein Jahr später, steht fest: 2010 klappt der Umstieg vom Kart in einen Formel-Wagen, genauer gesagt den Formel Renault 2.0. Je nach vorhandenem Budget wird noch entschieden, welche Rennserie gefahren wird. Zur Auswahl stehen die Formel Renault oder die ADAC Formel Masters.
"Zur Teilnahme am Formelsport benötigt man eine Lizenz vom Deutschen Motorsportbund", erklärt Sven Müller. Für ihn kein Problem, kann er doch auf zahlreiche Kart-Erfahrung zurückblicken. "Generell ist die Vorbereitung im Kart und der Formel gleich", ist der junge Mann überzeugt. Er hält sich neben den praktischen Fahreinheiten, die bisher in Hockenheim stattgefunden haben, dreimal die Woche mit Fitnesstraining und Jogging fit. "Bisher habe ich immer alleine oder mit Freunden trainiert. Um mich auf die Belastungen im Formelsport besser vorzubereiten, bin ich jetzt aber auf der Suche nach einem geeigneten Trainer".
Eine Saison im Formelsport kostet etwa 150000 Euro. Ein Aufstieg in den Automobilsport ist deshalb ohne potente Förderer und Sponsoren kaum möglich. Durch die GTÜ (Gesellschaft für technische Überwachung) werden ein Großteil der Kosten abgedeckt, dennoch sind Sven und sein Vater, der dem 17-Jährigen stets zur Seite steht, weiterhin auf der Suche nach möglichen Geldgebern. "Wir freuen uns über jede Art der Förderung", macht Sven für sich selbst Werbung.
Unterstützt wird der Gymnasiast auch von Seiten der Schule. "Das SGG hat mir bisher stets freigegeben, wenn ich ein Rennen fahren wollte", freut er sich. Er weiß aber auch: "Ich bin jetzt in der elften Klasse und da ist es verdammt schwer, den geforderten Stoff und die Trainingseinheiten in Einklang zu bringen. Deshalb bin ich meinen Freunden auch sehr dankbar, dass sie mich hier stark unterstützen und mir die Hausaufgaben zeigen, wenn ich unterwegs war." Eines steht für den engagierten 17-Jährigen fest: "Mein Ziel ist es zwar, im Motorsport Karriere zu machen, dennoch will ich die schulische Ausbildung nicht vernachlässigen."
Ein Vorbild im Rennsport hat Sven eigentlich nicht. "Ich bewundere aber all diejenigen, die auf Grund ihrer Leistung über einen längeren Zeitraum an die Spitze fahren und auch auch oben bleiben. Michael Schumacher ist sicher eine absolute Ausnahmeerscheinung, die es so nicht mehr geben wird, da er neben seinen sportlichen Erfolgen auch noch ein großartiger Mensch ist."
Als Ziel gibt der Binger "möglichst gute Ergebnisse in der kommenden Saison" an. "Langfristig will ich eine etablierte Größe im Motorsport werden", so der Nachwuchs-Rennfahrer. Das erste Rennen findet im Frühjahr 2010 statt. Wo, steht noch nicht fest.

