Ein „Allrounder“ wird 75
26.11.2011 - INGELHEIM
Von Andreas Scherer
SPORTGESCHICHTE Nicht nur Ingelheims Basketball verdankt Charlie Seyler viel
Familie, Sport, Literatur, Reisen ... Wenn Karl-Günter Seyler, den alle nur als „Charlie“ kennen, sich festlegen müsste, was in seinem Leben Priorität hatte und hat, die Entscheidung würde ihm schwerfallen. Diejenigen, die ihm am heutigen Samstag zum 75. Geburtstag gratulieren, wissen, dass sie es mit einem „Allrounder“ zu tun haben.
Das gilt auch für den Bereich Sport: Seyler, Anfang der 60er Jahre der Liebe wegen nach Ingelheim gekommen, hat hier im Jahr 1967 unter dem Dach des Rudervereins die erste Basketball-Abteilung gegründet. „Da war ich Mädchen für alles“, erinnert er sich: Spieler, Trainer, Organisator. Heute ist Basketball in Ingelheim längst eine erfolgreiche Abteilung innerhalb der TG Nieder-Ingelheim, und Charlie Seyler ist immer noch überall präsent. Bei fast jedem Spiel der ersten Mannschaft ist er dabei, und - nicht zu unterschätzen - Seyler unterstützt auch immer wieder mit großzügigen Spenden die reinen Amateure des Oberliga-Neulings. Aber Charlie Seyler auf den Basketball zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Er war Fußballtrainer bei der Spielvereinigung, in der Jugendarbeit des HSC engagiert und hat viele, viele Jahre im Blumengarten allwöchentlich das Sportabzeichen abgenommen.
Der pensionierte Lehrer für Biologie, Geografie und Sport am Ingelheimer Sebastian-Münster-Gymnasium (unterbrochen von einem fünfjährigen Intermezzo an der Deutschen Schule in Madrid), Vater zweier Töchter und vierfacher Großvater hat nach eigener Schätzung 30 Länder Europas bereist. Mit dem Wohnmobil (früher mit dem Wohnwagen) ist er heute noch 90 Tage im Jahr unterwegs. Die Reiselust hatte ihn früh gepackt. Als Jugendlicher, im Alter zwischen 14 und 18, habe er rund 16 000 Kilometer im In- und Ausland auf dem Fahrrad abgestrampelt.
Kein Wunder also, dass in der Tausende an Bänden zählenden privaten Bibliothek die Reiseliteratur großen Raum einnimmt. Seyler zitiert Goethe: „Man sieht nur, was man weiß.“

