Durch Abwesenheit geglänzt
28.01.2012 - REGION
Von Heidi Sturm
BEZIRKSMEISTERSCHAFT Fußball-Kreis Kreuznach fehlt / SCK-B-Juniorinnen siegen
Die Verbandsliga-B-Juniorinnen des SC Kirn-Sulzbach haben sich in der Konrad-Frey-Halle mit blütenweißer Weste die Bezirksmeisterschaft erkämpft. Nach vier „Zu-Null-Siegen“ stand bei der letzten Meisterschaftspartie des Sechserfelds ein „echtes Finale“ gegen den TuS Tiefenstein ein, der bislang ebenfalls keinen Punkt abgegeben und erst ein Gegentor kassiert hatte. Auch hier behielt das Team von Trainer Peter Bahr die Oberhand und setzte sich ohne Gegentreffer durch. Das Siegtor erzielte Auswahlspielerin Fiona Becker mit einem strammen Distanzschuss. Wermutstropfen beim rundum gelungenen Auftritt der Meisterinnen: Viktoria Becker musste wegen einer Fußverletzung ins Krankenhaus.
Trauriges Beispiel
Die Bezirksmeisterschaft war trauriges Beispiel dafür, wie schlecht es um den Mädchenfußball im Kreis Kreuznach bestellt ist. Obwohl der Wettbewerb „direkt vor der Haustür“ stattfand, war kein Team aus dem örtlichen Fußballkreis vertreten: Alle sechs Teams, darunter auch die späteren Meisterinnen aus dem Randgebiet, reisten aus dem Fußball-Kreis Birkenfeld an. „In unserem Kreis gibt es mit Rehborn und dem FSV Kreuznach ohnehin nur zwei B-Juniorinnenteams in der Bezirksliga, beide haben nicht gemeldet“, seufzt Bezirksmädchenwart Jürgen Marx.
Die Bretzenheimer Fußball-Mädchen, bei denen Marx Betreuer ist, hatten als Verbandsligist verzichtet, zumal der Zeitrahmen vor der Aktiven-Kreismeisterschaft kein größeres Feld zuließ: „Dann hätte man die armen Birkenfelderinnen schon sonntags morgens um acht Uhr hier antanzen lassen müssen“, erläuterte Marx. Das drastisch zurückgehende Interesse am Mädchenfußball sieht der Spielleiter nicht nur als reines Kreuznacher Problem: „Auch die Birkenfelder haben Probleme, Mannschaften zu stellen“, weiß Marx.
Eine Ursache: Der ältere Jahrgang wird direkt zu den Damen gezogen, die Jugend blutet aus. Den Hebel müsse man aber unten ansetzen, Mädchen von Kindesbeinen an für den Fußball gewinnen, bevor sie sich für andere Sportarten entscheiden. Dass dies nicht einfach ist, weiß er aus eigener Erfahrung: Es gibt Väter, die ihre Töchter nur in reinen Mädchenmannschaften spielen lassen wollen, obwohl die Mädchen im Hinblick auf die sportliche Entwicklung in den jungen Jahrgängen besser in gemischten Teams aufgehoben wären.
Kritik ohne Lösungen
Reine Mädchenteams gibt es erst ab der C-Jugend, sodass Fußballerinnen im E-Junioren-Alter oder darunter nur mittrainieren, aber nicht spielen dürften - was natürlich keine will. Ein Umdenken fordert Marx auch bei den Vereinen, die sich derzeit darauf eingeschossen haben, dass die offizielle Reduzierung der Spielberechtigung auf vier statt der bislang stillschweigend tolerierten fünf Jahrgänge pro Altersklasse schuld am Niedergang des Mädchenfußballs sei. Da werde nur kritisiert, aber nicht nach Lösungen gesucht. „Der eine Jahrgang kann das alleine nicht ausmachen“, sagt Marx und denkt, dass die Vereine einfach nicht über den Tellerrand schauen: „Die schaffen es nicht, Mädchen aus fünf, sechs Dörfern für eine Mannschaft zu sammeln“. Dabei kommen allerdings wieder die Väter ins Spiel: Die seien bereit, ihre Söhne viermal pro Woche nach Kaiserslautern zu kutschieren, bei den Mädchen wollten etliche aber keine 20 Kilometer zum Trainingsort fahren.
Eine Lösung weiß Marx nicht, zumal all seine Werbeversuche bislang nicht fruchteten und auch goldene Brücken ignoriert wurden. So hatte er etwa als Alternative zur Spielrunde „Fünf-gegen-Fünf“-Turniere unter Wettbewerbsbedingungen vorgeschlagen, bei denen auch kleine Teams hätten Spielpraxis sammeln können - ohne Resonanz. Seine Hoffnung setzt er auf die neue C-Juniorinnen-Runde, die mit drei Teams im Sommer gestartet war. „Vielleicht wächst da etwas nach.“ Sein Blick in die Zukunft ist trotzdem düster: „Wenn nicht bei allen Beteiligten ein Umdenken einsetzt, sieht es für den Mädchenfußball auf Dauer schlecht aus.“

