Negativrekord bei Titelkämpfen
17.01.2011 - BAD KREUZNACH
RINGEN Nur 46 Teilnehmer kommen zu Rheinlandmeisterschaften der WKG Untere Nahe in die Jahnhalle
(st). Einen traurigen Rekord verzeichneten die Rheinlandmeisterschaften der Nachwuchsringer. Nur 46 Kämpfer hatten sich beim Gastgeber WKG Untere Nahe in der Jahnhalle eingefunden.
„In meiner Jugend waren es noch 200 Kämpfer“, sagte Thomas Ferdinand, Jugendreferent im Rheinland. Als eine Ursache für das stark nachlassende Interesse an dieser klassischen Sportart, die schon im antiken Olympia gepflegt wurde, sieht er das geringe Medieninteresse. „In diesem Jahr finden Ende März die Europameisterschaften in Dortmund statt, aber keiner berichtet darüber“, klagte der Funktionär, der den Schwarzen Peter aber auch in den eigenen Reihen sieht: „Wir sind selbst schuld, weil wir nicht genug Werbung machen.“
Das sei aber sehr wichtig, weil gerade viele Mütter Vorbehalte gegen das Ringen hätten. „Wenn sie aber erst einmal beim Training zugesehen habe, sind sie anderer Meinung“, unterstrich Ferdinand, dass dieser Sport zu Unrecht einen schlechten Ruf habe. Für ihn ist es kein Trost, dass auch in vielen anderen Verbänden das Interesse rückläufig ist und das Rheinland wegen der weit auseinandergerissenen Vereine ohnehin eine schwere geografische Lage hat. „In Bayern gibt es Vereine, bei denen 1 000 Zuschauer zu Zweitliga-Kämpfen kommen“, weiß Ferdinand, dass kontinuierlicher Aufbau eben Früchte trägt: „Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen versuchen, das Ruder herumzureißen.“
Auch Verbandspräsidentin Marion Pangsy sieht es als wichtigste Aufgabe der Zukunft, Leute „für diesen tollen Sport zu motivieren, damit sich ein solch trauriges Bild nicht noch einmal wiederholt.“ Als mögliche Ursachen sieht sie die Ganztagsschulen, das geänderte Freizeitverhalten aber auch die Tatsache, dass Frauen später Kinder bekämen und somit aktuell eine Trainergeneration fehle. Dies alles sei aber keinesfalls eine Erklärung für den geradezu dramatischen Einbruch an Meisterschaftsteilnehmern in jüngster Zeit. Vor zwei Jahren waren es noch 120 Teilnehmer, im vergangenen Jahr gab es mit 72 Kindern und Jugendlichen einen ersten Minusrekord, der sich jetzt noch einmal um rund 40 Prozent verschlechterte.
Die Gastgeber mit 17 Teilnehmern und Metternich-Rübenach mit 16 hatten dabei das Gros des Feldes gestellt. Drei weitere Vereine brachten nur noch insgesamt 13 Sportler auf die einzige Wettkampfmatte. Für die Kinder war dies natürlich ein frustrierendes Erlebnis, weil zum einen die tolle Atmosphäre einer vollen Halle fehlte und zum anderen viele kampflos blieben. „Diejenigen, die Gegner hatten, siegten meist souverän. Diejenigen ohne Gegner hätten gerne gekämpft, um ihr Können zu zeigen“, beschrieb WKG-Geschäftsführer Bernd Mayer die sportliche Bilanz der kleinen Lokalmatadoren, die wieder mit dem Mannschaftstitel belohnt wurde.
Wenigstens zwei Gegner hatte Alexander Mayer bei den Kadetten II in der Klasse bis 50 Kilo. Er beherrschte beide und konnte seine Technik in beiden Stilarten ausspielen. Auch Razim Tatli in der D-Jugend bis 29 Kilo wurde mit jeweils zwei Siegen Meister beider Stilarten.
Einen sehenswerten Kampf sah man bei den Kadetten I bis 76 Kilo zwischen Wassil Ivanov und Dominik Zeigermann (WKG Metternich Rübenach), der schon öfters in der Regionalliga eingesetzt war. Jeder gewann eine Runde, bevor Ivanov in der dritten Runde mit einem sehenswerten Kopfzug den Kampf beendete und Schultersieger wurde. Im griechisch-römischen Stil trat Zeigermann aus Verletzungsgrüngen nicht mehr an.

