Amri erinnert an Sidney Sam
30.07.2010 - KAISERSLAUTERN
Von Ralf Tiné
Sotirios Kyrgiakos wusste augenscheinlich nicht so genau, wie ihm gerade geschieht - ein Haken rechts, dann noch einer links und Schuss aufs Tor. Der griechische Innenverteidiger des FC Liverpool konnte gar nicht so schnell schauen, wie Chadli Amri um ihn herum dribbelte. Nur beim Abschluss zielte der wieselflinke Außen des 1. FC Kaiserslautern etwas zu hoch und verpasste das Tor.
Beim 1:0-Testspielsieg des FCK gegen den englischen Rekordmeister am vergangenen Samstag im Fritz-Walter-Stadion ließ der aus Mainz zum Bundesliga-Aufsteiger gewechselte Amri phasenweise seine Klasse aufblitzen. Im Stadion wurden Erinnerungen wach an den nach Leverkusen abgewanderten Sidney Sam, der in der Vorsaison ähnlich spektakulär seine Gegenspieler umkurvte. Der naheliegende Vergleich mit dem Aufstiegshelden Sam macht seinem franko-algerischen Nachfolger auf der offensiven Außenbahn nichts aus. „Das ist überhaupt kein Problem”, sagt Amri selbstbewusst. Der 25-Jährige Offensiv-Allrounder weiß, was er kann. „Am liebsten komme ich über die Außenbahn, da habe ich mehr Platz und kann meine Schnelligkeit besser ausspielen”. Das sieht auch sein Trainer Marco Kurz so, der ihm „eine gewisse Grundschnelligkeit” attestiert. „Das ist sein Spiel. Wir wissen um seine Qualität. Wir werden von den zwei offensiven Außen nicht abweichen”, gewährt der Trainer einen Einblick ins beabsichtigte Spielsystem.
Als einer von zehn Neuzugängen fühlt sich Amri beim FCK hervorragend aufgenommen.Dass sein Wechsel zum Lokalrivalen Lautern in Mainz nicht bei allen gut ankam, schmälert nicht seine positiven Erinnerungen an seinen alten Verein. „Ich kann die Rivalität in der Region gut verstehen, aber ich hatte immer eine gute Zeit in Mainz”. Trotz aller Konkurrenz mit dem Nachbarn will Amri „diese Saison nicht auf Mainz fixieren. Einzig wichtig ist der Klassenerhalt”.
"Geld war kein Grund"
Der im französischen Saint Avold geborene Amri legt Wert darauf, dass, entgegen vieler Mediendarstellungen „Geld für mich kein Grund” für den Wechsel war. „Ich habe aber mehr Vertrauen gebraucht. Und die Gespräche mit Stefan Kuntz und dem Trainer haben gut geklappt”, lässt er durchblicken, dass er am Ende von den sportlich Verantwortlichen in Mainz nicht die Wertschätzung erhielt, die er sich erhoffte.
Privat führt der Fußballprofi, der zur Zeit noch in Kaiserslautern im Hotel wohnt, nach eigener Aussage „ein ganz normales Leben”. Besondere Hobbies hat er nicht. In seiner Freizeit besucht er am liebsten seine große Familie. „Ich habe sechs Halbschwestern und sechs Halbbrüder. Allerdings sind zwei verstorben. Die wohnen alle in der Nähe”.
Im Moment gilt sein ganzes Interesse dem Fußball und seinem persönlichen Saisonziel, Stammspieler beim 1. FC Kaiserslautern zu werden. Und wo landet sein neuer Verein am Saisonende? „Das einzige was zählt, ist nicht abzusteigen. Alles ab dem 15. Platz ist in Ordnung”, sagte der Ex-05er.

