Am Limit durch die Weinberge
17.08.2010 - FLONHEIM
Von Heiko Wingert
RALLYE Sandra und Gernot Gräf vom MSC Alzey ergänzen sich im Cockpit / Platz vier beim Heimspiel
„Ich fahre garantiert nicht mit”, sagte Ehefrau Sandra Gräf zu Ehemann Gernot vor acht Jahren direkt nach ihrer ersten Besichtigungsrunde einer Rallye. Schließlich war ihr die Geschwindigkeit bei dieser Spritztour schon zu schnell.
Ihr Mann konnte sie dann aber von dem geringen Risiko und dem hohen Spaßfaktor einer Rallye überzeugen. Nach anfänglichem Zögern ist heute der Motorsport fester Bestandteil ihrer Freizeitplanung: „Richtig Blut geleckt habe ich bereits nach dem ersten Rennen, das wir gleich gewonnen haben. Bei der Wertungsfahrt war ich voll konzentriert und habe die Geschwindigkeit nicht mehr so wahrgenommen wie bei der Besichtigungsrunde.” Am Samstag konzentrierte sich die erfahrene Copilotin bei der 9. ADAC-MSC Rallye auf ihre Aufgabe und lotste ihren Mann sicher ins Ziel. Am Ende belegte das Paar den vierten Rang in der Klasse bis zwei Liter für den MSC Alzey. Über den zweiten Platz in der Klasse über zwei Liter freuten sich ihre Teamkollegen Klaus Kuhn und Jens-Erik Brack.
Diese Klasse fuhr in den vergangenen Jahren auch noch Gernot Gräf. Wegen der geringen Beteiligung stieg er jedoch von seinem Standard-Audi auf einen individuell umgerüsteten VW Golf GTI um und fährt jetzt die Klasse bis zwei Liter.
Die Gräfs gehören seit Jahren zu den herausragenden Fahrern im regionalen Rallyesport. Mehrmals konnten sie die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft, die Saar-Pfalz-Meisterschaft und DMSB-Pokal gewinnen.
Daran hat die Hotelfachfrau auch einen großen Anteil. Wenn es um die Podestplätze eng wird, puscht die Ehefrau ihren Mann immer wieder zu Höchstleistungen. „Durch meine Ansagen habe ich schon die Möglichkeit, die Geschwindigkeit mitzubestimmen”, erklärt sie. Angst hat sie beim Rallyefahren längst nicht mehr; schließlich reisen die beiden 15 bis 20 Wochenenden im Jahr zu Rennen, ohne selbst jemals in einen Unfall verwickelt worden zu sein.
Nützlich ist dabei der Beruf von Ehemann Gernot Gräf. Während Sandra als Hotelfachfrau keine Ahnung von Autotechnik hat, kann ihr Mann als Autoschlosser in den Rennpausen Reifenwechseln, Feinabstimmungen vornehmen oder kleine Schäden direkt reparieren.
Diese Fähigkeit besitzt auch Kevin Sabatzus. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Simone Klippel fuhr er zum zweiten Mal bei der Historischen Rallye des MSC Alzey mit. Mit „Debbie”, wie Freundin Simone ihren Rennwagen - einen VW Derby - liebevoll taufte, absolvierten die beiden souverän die anspruchsvolle Strecke. Im Gegensatz zu den Rallyeteams geht es für die Teilnehmer der Historischen Klasse darum, eine vorgegebene Zeit exakt zu erreichen. Für die sechs Wertungsprüfungen wurden verschiedene Vorgaben gesetzt, die auf ein Stundenmittel von 47 bis 50 Stundenkilometer ausgerichtet waren.

