Leser helfen: Rund 8 000 Euro für die Rüsselsheimer „Schul-Tafel“
28.01.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Michael Wien
„Beglückt und begeistert“ reagierte Pfarrer Volkhard Guth, Referent für gesellschaftliche Verantwortung des evangelischen Dekanates Rüsselsheim, auf die Nachricht, dass die Leser der „Main-Spitze“ im Rahmen unserer weihnachtlichen Aktion 8 000 Euro für die „Schul-Tafel“ gespendet haben. „Was wir begonnen haben, können wir mit Hilfe dieser und weiterer Spender großzügig weiterführen“, sagte der Miterfinder und Mitgestalter des Projektes. „Wir können Schulgemeinden noch mehr Mut machen, unser Angebot zu nutzen und weitere Kinder aus Familien in schwieriger wirtschaftlicher Lage für ihren Bildungsweg auszurüsten.“
Vorsichtige Ausweitung erscheint möglich
Guth erinnerte daran, dass von Jahr zu Jahr mehr bedürftige Kinder mit Erstausstattung inklusive Schulranzen versorgt werden müssen. Da komme eine solche Summe gerade recht, vielleicht sogar eine vorsichtige Ausweitung des Angebotes in Frage. Inzwischen nehmen alle Grundschulen in Rüsselsheim teil. „Und auch aus dem Kreis haben wir neben den bestehen Kontakten Anfragen aus weiteren Schulen.“ Immer häufiger beziehen sich Anfragen aus Stadt und Kreisgebiet auch auf mögliche Betreuungsangebote für einzelne Kinder und bestimmte Zeiträume.
Der Pfarrer zeigte sich hocherfreut, dass die „Schul-Tafel“ durch die „Main-Spitze“-Aktion noch bekannter geworden sei. Er sei sehr zuversichtlich, dass dies über den Zeitraum dieser Aktion hinaus tragen werde, wenn jeder Leser dranbleibe und auch weitere Menschen für die gute Sache werbe. „Unser Projekt in Anspruch zu nehmen, ist Gott sei Dank für viele Schulgemeinden eine Selbstverständlichkeit geworden, es zu unterstützen, für viele Spender.“ Daran, die jungen Menschen endlich auch auf ihrem Weg durch weiterführende Schulen, also Hauptschulen, Gymnasien und Realschulen, begleiten zu können, werde unablässig gedacht. Die wesentliche Frage, wie es gelingen kann, Jugendlichen zu helfen, ihre Schamschwelle zu überwinden, sei noch nicht beantwortet. Offenbar nimmt es mancher junge Mensch während seiner Pubertät eher in Kauf, der Nachlässigkeit oder gar Schlamperei verdächtigt zu werden, als dass er sich traut, Bedarf anzumelden und Hilfe anzunehmen, wenn daheim das Geld nicht reicht, Hefte, Stifte, andere Unterrichtsmittel immer wieder zu erneuern. „Wir hoffen nun sehr auf den Erfolg des Projektes der Kantschule. Was der dortige Förderverein aufbaut, ist unserem Projekt sehr verwandt, gewinnt aber erstmals Jugendliche an einer weiterführenden Schule. Wir möchten gern aus deren Erfahrungen lernen“, sagt Guth. Fördervereine anderer Schulen oder auch die „Schul-Tafel“ könnten das gewonnene Jugend-Rezept dann vielleicht übernehmen oder für sich abwandeln.
Lebenshilfe über Vermittlung von Schulbildung hinaus
Eine hervorragende Ergänzung der Nahrungsmittel-„Tafel“ (Nutznießer auch etwa 600 Kinder) und der „Schul-Tafel“ sei das Bildungspaten-Modell der Schiller-Grundschule, das diese mit Dekanatsbildungsreferentin Andrea Alt aufgebaut hat. Es gebe erste Fälle, in denen Paten und Patenkinder gemeinsam auf eine weiterführende Schule gewechselt sind. Neben Bildungshilfen (Hausaufgaben, Nachhilfe) entsteht dort ein soziales Miteinander, bei dem über die Schulbildung hinaus wertvolle Lebenshilfen ausgetauscht werden können. Pfarrer Guth sieht hierin eine ganz wesentliche weitere Ergänzung des Netzes, das teils vor, in weiteren wesentlichen Teilen seit jenem Seminar über Kinderarmut von privater Seite geknüpft werden konnte, das das „Bündnis für soziale Gerechtigkeit“ vor sechs Jahren in der Humboldtschule veranstaltet hatte.

