Pfleger Bernhard Schmitt behält auf der Kinderintensivstation den Überblick
28.01.2012 - NIERSTEIN/MAINZ
Von Lena Fleischer
KIKAM Pfleger Bernhard Schmitt muss auf Kinderintensivstation Überblick behalten / 50 000 Euro durch AZ-Aktion
Mit der Aktion „Leser helfen“ wird die Allgemeine Zeitung Landskrone auch dieses Jahr wieder den Förderverein Kikam und damit die Kinderintensivstation der Mainzer Uniklinik unterstützen. Hierfür sind in den vergangenen Wochen nicht weniger als 50 000 Euro an Spenden zusammengekommen. Ein tolles Ergebnis! Die AZ Landskrone sagt daher allen Helfern und Spendern herzlichen Dank! Einer, der sich ebenfalls für die Kinder einsetzt, ist der gebürtige Niersteiner Bernhard Schmitt, der als Pfleger auf der Station arbeitet:
Es ist sein Job, die Quadratur des Kreises immer wieder neu zu erfinden. Auf der Kinderintensivstation der Mainzer Uniklinik ist kein Tag wie der andere, weiß der Fachkinderkrankenpfleger und Abteilungsleiter Bernhard Schmitt. Wenn sich ein Kind verbrannt hat, vom Fahrrad gestürzt ist, ein Verdacht auf plötzlichen Kindstod vorliegt, wenn für Eltern eine Welt zusammenbricht und Schwestern rotieren, weil neben Notfällen auch die Kinder zu betreuen sind, die wegen eines Herzfehlers auf der Station sind oder solche, die Krebs haben - dann liegt es an Schmitt, den Überblick nicht zu verlieren.
Qualität der Pflege immer im Blick
Der 38-Jährige muss Lücken in Dienstplänen füllen, obwohl das Personal knapp ist und die Kollegen vor Überlastung geschützt werden müssen. „Fachkräfte zu rekrutieren, ist fast nicht möglich“, sagt der gebürtige Niersteiner. Er ist für die Qualität der Pflege auf der Station zuständig, auf der schwer kranke Kinder versorgt werden. Wie wird ein Beatmungsschlauch sicher fixiert? Welche Spritze ist die richtige, welches Beatmungsgerät das beste? Denn: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Die Medizin, die sie bekommen, muss genau berechnet werden und hängt nicht nur vom Krankheitsbild, sondern vom Gewicht der Kranken ab. Dass auf der Kinderintensivstation Patienten allumfassend versorgt werden, das ist es, was Bernhard Schmitt schon gefallen hat, als er die Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger absolvierte. Nach vier Jahren Berufserfahrung hängte er eine Fachweiterbildung an. Seit zwölf Jahren ist der Technikbegeisterte damit beschäftigt, die kleinen Patienten bestmöglich mit modernen Geräten zu behandeln. Aber er weiß: „Auch eine Uniklinik kann nicht jedes Gerät anschaffen.“ Darum hält Schmitt das Engagement des Vereins „Kikam“ für so wichtig. Er sieht täglich, wie Geräte, die der Verein finanziert hat, das Leben von Kindern retten. „Es dauert zehn Jahre, bis man auf dieser Station alles einmal gesehen hat“, sagt Schmitt. Ihm wird nie langweilig. Doch die Medizin, die Technik und das Know-How der Ärzte, Schwestern und Pfleger auf der Kinderintensivstation ist eine Sache. Die andere ist die psychosoziale Komponente. Oft steht Schmitt daneben, wenn Eltern an der Seite ihres kranken Kindes schier verzweifeln. Seit er selbst Papa ist, kann er sich vorstellen, wie schwer es sein muss, zu ertragen, dass das eigene Kind schwer krank und hilflos ist. „Wir müssen uns auch um die Eltern und um die Psyche der Kinder kümmern“, hält Bernhard Schmitt fest. Nicht nur Fachwissen ist da gefragt, sondern auch ganz viel Empathie und Organisationstalent. Doch all das reicht manchmal nicht. „Wir kommen oft an die Grenzen der Möglichkeiten“, gibt Schmitt zu. Zwangsläufig musste er lernen, mit Sterben und Tod umzugehen.
Vor immer neue Herausforderungen gestellt
Sich aber immer neuen Herausforderungen zu stellen, auch solchen, die anfangs nicht lösbar erscheinen, das reizt den Fachkinderkrankenpfleger. Auch mit kleinen Gesten können er und seine Kollegen den kranken Kindern Gutes tun. Wann immer es die Zeit zulässt, ist Bernhard Schmitt selbst am Krankenbett eines Kindes präsent und versucht, für Ablenkung zu sorgen. Manchmal mag es gar heilsam sein, eine Runde „Uno“ oder „Vier gewinnt“ zu spielen. Und Bernhard Schmitt hat in seinen zwölf Jahren auf der Station auch kleine Wunder erlebt: Kinder, die es geschafft haben, die allen Diagnosen zum Trotz mutig gekämpft - und gewonnen haben. Ganz klar: „Es ist das Schönste für mich, wenn Kinder lebend und wach die Station verlassen“, betont Bernhard Schmitt.

