Straffällig gewordene junge Mütter lernen, Verantwortung für sich und ihr Kind zu übernehmen
31.12.2011 - MAINZ
Von Kirsten Strasser
Das Jahr 2012 - was wird es für sie bringen? Hoffentlich, sagt Berna (*), hoffentlich gehen ihre zwei größten Wünsche in Erfüllung. Erstens: ein Kita-Platz für die Kleine, damit, zweitens, Berna wieder in die Schule gehen und erst ihren Realschulabschluss und dann vielleicht sogar das Abi machen kann. Berna hat wieder Mut gefunden, von einer richtig guten Zukunft zu träumen.
Und sie kann ein bisschen Kontinuität gut gebrauchen nach diesem turbulenten 2011 - dem Jahr, in dem sie mit dem Gesetz in Konflikt kam. „Ich hatte wohl einen Aussetzer, war nicht ganz bei mir“, versucht die junge Frau zu erklären, wie es zu der Straftat kam. Berna wurde prompt ertappt - hinterm Steuer, ohne dass sie in Besitz eines Führerscheins war. Sie selbst sei geschockt gewesen, über das Erwischtwerden, aber auch über sich selbst; nächtelang habe sie nicht schlafen können. Schließlich vertraute sie sich ihrer Mutter an, die verständnisvoller reagierte als erwartet: „Du bist jung, da macht man Fehler“, sagte sie zu Berna. „Und lieber jetzt so etwas als später etwas Schlimmeres.“
Wenn so junge Menschen wie Berna straffällig werden, steht bei der Justiz tatsächlich der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Strafe ja, aber sinnvoll - also bekam Berna Sozialstunden aufgebrummt. Die abzuleisten fiel der alleinerziehenden jungen Mutter schwer - wer sollte in dieser Zeit auf das zweijährige Töchterchen aufpassen? Dem zuständigen Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe kam die rettende Idee: Beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) startete gerade das Programm „Mama Mia“ - wie zugeschnitten auf Mädchen wie Berna.
„Mama Mia“ richtet sich an junge Mütter oder junge Schwangere, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind und wie Berna eigentlich Sozialstunden ableisten müssten. Jugendgerichtshilfe und Jugendamt können die Frauen statt dessen zum SkF schicken. „Der Kurs soll die jungen Frauen befähigen, Verantwortung für ihr Kind, aber auch für sich zu übernehmen“, sagt SkF-Vorsitzende Gabriele Hufen. Sie sollen spüren, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat - vor allem aber will ihnen Kursleiterin Kerstin Dornbusch dabei helfen, ihr Leben in den Griff zu kriegen.
Sie haben geklaut, zugeschlagen, sind notorisch schwarzgefahren oder haben betrogen - die Gründe, warum die Mädchen bei „Mama Mia“ landen, sind vielfältig. Doch hinter jeder Straftat steckt eine Geschichte. Einige kommen aus zerrütteten Elternhäusern oder haben ihre Jugend im Heim verbracht; sehr früh haben sie aufhören müssen, selbst Kind zu sein, weil sie schwanger wurden. Sie sei skeptisch gewesen, als sie zum ersten Mal in die Gruppe habe gehen müssen, erinnert sich Berna. „So richtig gerne wollte ich nicht da hin.“ Und heute, da freut sie sich richtig auf die regelmäßigen Dienstagstreffen in der Gruppe. „Wir sind so was wie Freundinnen geworden.“
Diplom-Sozialpädagogin Dornbusch redet mit den jungen Frauen über die Straffälligkeit, das auch. Weit öfter geht es aber um ganz praktische Dinge. Wie erziehe ich mein Kind? Wie ernähre ich es gesund? Welche Hilfen kann ich in Anspruch nehmen? „Wir können sehr individuell auf die Situation der Klientinnen eingehen“, betont Dornbusch; vieles, aber nicht alles wird in der Gruppe besprochen.
Im Umgang mit ihrem Töchterchen sei sie ruhiger geworden, sagt Berna. Und für sich selbst habe sie wieder Ziele. „Heute“, sagt sie, „bin ich fast froh, dass alles so gekommen ist. Dass ich zu Mama Mia geschickt wurde, das war mein Glück.“ Kerstin Dornbusch hat schon versprochen, ihr bei der Suche nach Schul- und Kita-Platz zu helfen. Das Jahr 2012 - es soll ein gutes werden für Berna und ihre Tochter.
(*) Name von der Red. geändert

