Mentoren brauchen viel Geduld
26.01.2012 - KIRN
Von Sascha Saueressig
LESEFÖRDERUNG Kinder stehen bei den Übungen stets im Mittelpunkt / Kleine Erfolge sind der Lohn
Die Kombination von Spaß und Lernen steht im Mittelpunkt der Arbeit der Mentoren mit vielen Kindern an den Grundschulen in Kirn und Kirn-Land, der Wilhelm-Dröscher-Schule sowie der Realschule plus in Kirn.
Denn Lese- und Lernschwächen durch eine regelmäßige wöchentliche Einzelbetreuung abzubauen und so auch Umgang und Verständnis für die deutsche Sprache zu verbessern, fordert von den Mentoren vor allem die Bereitschaft, sich auf die Kinder einzustellen. Und dazu müssen die freiwillig tätigen Leselernhelfer unabhängig von der Schule vor allem Geduld mitbringen.
Die Allgemeine Zeitung Kirn möchte den Verein Mentor in seiner Arbeit mit dem Projekt „Leser helfen“ unterstützen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben die Möglichkeit, die Arbeit der ehrenamtlichen Mentoren kennenzulernen und mit Ihren Spenden dazu beizutragen, Bücher- und Spielekisten an den sechs teilnehmenden Schulen im Kirner Land zu beschaffen.
„Ich versuche, bei den Kindern etwas zu wecken, was sonst kaum vorhanden ist“, sagt Peter Schneberger, während er mit dem Zweitklässler Tamino im Treppenhaus der Simera-Grundschule darüber spricht, dass Lesen wie Fernsehen im Kopf sei.
Für den Simmertaler ist es wichtig, die Interessen der Schüler aufzunehmen und dann mit dem Lesen zu verbinden. Tamino beispielsweise interessiert sich für Fußball - und so lesen die beiden Geschichten, in denen der Ball eine Rolle spielt. Schneberger erläutert den Jungen dabei immer wieder, wie er einzelne Wörter betonen soll. Anschließend fragt der Mentor nach, ob der Schüler ihm Begriffe wie Bolzplatz oder auch Toreck erklären kann. Ihm ist es wichtig, das Gelesene in einen Zusammenhang zu bringen und den Dingen einen Namen zu geben. „Ich versuche, ihn anzuhalten, sich diese Dinge plastisch vorzustellen, beispielsweise sollte er mir eine Ecke in unserem Lesezimmer zeigen“, berichtet der Mentor.
Stur wöchentlich ein vorher gestecktes Pensum abzuarbeiten, bringt wenig. Das meinen Peter Stiltz und Birgit Schmitthöfer-Schneeberger, die beide regelmäßig an der Wilhelm-Dröscher-Förderschule mit Kindern Lesen üben. „Man muss auf die Kinder eingehen und darf keine zu großen Erwartungen haben“, erläutert Schmitthöfer-Schneeberger. Wer seine eigenen Vorstellungen vom Umgang mit Büchern auf die Kinder projiziere, werde eine Enttäuschung erfahren. „Die Kinder haben ja meist Schwierigkeiten mit dem Lesen, da Bücher in ihrem Alltag ansonsten keine große Rolle spielen“, sagt Stiltz. Beide Mentoren sind seit dem Start des Projekts nach den Herbstferien 2010 dabei und haben Spaß und auch immer wieder kleine Erfolge mit den Schützlingen, die sie an der Förderschule betreuen.
„Mir ist es eigentlich egal, mit welchem Kind ich lese“, sagt Stiltz. Der pensionierte Polizist hat sich für Lena ein Kinderbuch mit vielen erklärenden Bildtexten ausgesucht. Abwechselnd lesen die beiden jeweils einen Abschnitt und sprechen anschließend über die Bilder. So will Stiltz von der Schülerin wissen, welchen Namen der Fisch denn habe, über den man eben einen Abschnitt gelesen hat. Und prompt antwortet Lena: „Das ist ein Hecht!“ Wobei der Mentor immer wieder darauf achtet, dass Lena Wörter sauber betont - immer wieder will er von ihr wissen: „Wo ist da denn ein E?“
Doch nur zu lesen, ist für die Mentoren an der Förderschule nicht ausreichend. Die Konzentrationsfähigkeit ihrer jungen Schützlinge ist nicht immer sehr hoch, sodass in den 45 Minuten Abwechslung dazugehört. „Wir lesen oder bearbeiten ein Arbeitsblatt und machen dann gemeinsam ein Spiel oder malen auch“, berichtet Birgit Schmitthöfer-Schneeberger. So lässt sie Billy und Laura an diesem Tag eine Geburtstagsgeschichte vorlesen und anschließend im Text vorkommende Wörter zusammenstreichen, bis das Wort Geburtstagskind übrig bleibt. „Ich finde es toll, zu sehen, wie ich den Kindern ein bisschen weiterhelfen kann“, erläutert sie. Denn diese kleinen Erfolge seien es, die Lohn der ehrenamtlichen Arbeit seien.

