Henry Schäfer aus Idstein ist schon seit 30 Jahren als Altenpfleger unterwegs
07.01.2012 - IDSTEIN
Von Ingrid Nicolai
Henry Schäfer kennt den Unterschied. Schon 30 Jahre ist er als Altenpfleger unterwegs, um seinen Klienten die Hilfe und Unterstützung zu geben, die sie brauchen. Bevor er im März vergangenen Jahres bei der Diakoniestation in Idstein anfing, hat er bei einigen anderen Organisationen hinter die Kulissen geschaut. Er hat stationär und ambulant gearbeitet, für private Pflegedienste, die Arbeiterwohlfahrt, die Johanniter… „jetzt bin ich angekommen“, sagt er.
Der Unterschied, das können ein paar Minuten sein. „Zeit gibt dem Menschen Würde“, sagt Pfarrer Markus Eisele, der Vorsitzende des Diakonie-Fördervereins, dem in diesem Jahr unsere Leser-helfen-Aktion gilt. „Wo alleine der Arbeitstakt bestimmt, da wird der Mensch zum Opfer.“
Henry Schäfer weiß genau, was Markus Eisele damit meint. Und die „Zeit für Menschlichkeit“, mit der der Förderverein für sein Anliegen wirbt, ist es auch, was ihn bei seiner Arbeit motiviert. Selbstverständlich muss Schäfer bei den Fahrten zu seinen Klienten einen Plan einhalten, will pünktlich sein, aber wenn Not am Mann ist, greift er auf die „diakonischen Zeiten“ zurück, kann beratend und unterstützend eingreifen oder einfach nur ein paar Worte wechseln.
Meist weiß er, was „seine Leute“ interessiert, was sie früher gearbeitet haben, da wird dann nebenbei über Landwirtschaft und Familie, Pferde oder Autos geplaudert. „Die Arbeit mit den Menschen ist wie ein Spiegel“, erklärt der Altenpfleger: „Meine positive Grundstimmung ist ansteckend, die bekomme ich zurück.“
Kontakt mit Menschen - das war Henry Schäfer schon immer wichtig. Als Jugendlicher dachte er, Friseur sei für ihn der passende Beruf. So richtig glücklich ist er damit nicht geworden. Eine Kundin von ihm war Berufsberaterin, und gemeinsam mit ihr fand er heraus, dass der soziale Aspekt für ihn eine wesentliche Rolle spielt. Nach einem Praktikum in einem Altersheim und einer Krankenpflegehelfer-Ausbildung ließ er sich zum Altenpfleger ausbilden.
Kompressionsstrümpfe anziehen, Wunden versorgen, Körperpflege, die Medikamenteneinnahme überwachen ... Bei rund zwölf Klienten in Idstein, Waldems und Hünstetten ist Schäfer regelmäßig und erfährt dort die ganze Bandbreite des menschlichen Daseins. Wie wichtig es für einen alten Menschen ist, in der gewohnten Umgebung zu bleiben, weiß er aus Erfahrung, aber es gibt auch Untersuchungen: Das Rausreißen aus der gewohnten Umgebung fördert die Demenz.
„Die sitzen da wie die verloren Kinder“, beschreibt Schäfer seinen persönlichen Eindruck von Altersheimen - und hofft, dass ihm selbst einmal das Alters- oder Pflegeheim als letzte Station erspart bleibt.
Dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können, hat sich die Diakonie auf die Fahnen geschrieben. Mitarbeiter wie der Altenpfleger Henry Schäfer machen das möglich. Und Sie, liebe Leser, können „Zeit für Menschlichkeit“ mit einer Spende möglich machen.

