Kolumne: Einfach so - weil's Spaß macht!
13.06.2010 - KOLUMNE
Von Ulla Niemann
„Wo man singt, da lasse Dich ruhig nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder“ - Sie ahnen sicherlich bereits, auf welches Thema ich hinaus will. Singen. Besser gesagt öffentliches Singen. Super Thema und brandaktuell. Ja echt! – Denn Massensingen ist im Moment voll hip und jahreszeitmäßig total im Trend.
Übung zum so genannten Mass-Choiring (früher nannte man das nur schlicht „Störung der öffentlichen Ruhe“ – kleiner Witz) haben jetzt dank Lenas Satelliten ja alle reichlich.
Für die Jüngeren und musische Minimalisten ist es das Singen von WM-Hymnen, wie der hier verlinkten: „Nur Italien nicht!“. Lustig? - Ja. Verbindend? - Ja. Identitätsschaffend? - Meinetwegen. Aber musikalisch?
Für die vereinsgebundenen Sänger startet mit dem Beginn des Sommers das Touring über die Vereinsfeste. Da gibt es derzeit überall „Freundschaftssingen“, „Weinpreissingen“ und ja, auch Chorwettbewerbe, bei denen es gilt, Schweinehälften und Schlachtgut zu erträllern. Nicht zu vergessen auch das Leistungssingen und Meisterchorsingen, wo um Punkte, Titel und Ehre gesungen wird. Dann noch Chorfreizeiten, offene Singstunden und Gospelworkshops.
Ich mag solche Chorveranstaltungen. Ja, ganz ehrlich. Gut, die Tonqualität in den oft stickigen Festzelten oder den im akustischen Nirwana stehenden Openair-Bühnen ist oft grottig. Der Pommesfettgestank und die klebrigen Bierzeltgarnitur, die, wenn der bauchbetonte Barriton am Ende aufsteht, urplötzlich umschlägt und einen unsanft aus dem beschaulichen Lauschen reißt, ist auch nicht jedermanns Sache. Aber alles in allem sind solche Veranstaltungen toll. Auch für U-30er, zu denen ich ja noch zähle. Warum? Weil gesungen wird. Ganz einfach so. Und alle die da sind, singen auch. Ganz einfach so. Weil‘s Spaß macht.
Wenn ich ganz einfach so in der Straßenbahn anfange zu singen, werde ich blöd angeschaut, angelächelt - vielleicht auch ausgelacht. Hier auf der Arbeit einfach so zu singen, kommt auch nicht gut an, weil das ja die Konzentration der anderen stören könnte … Also bleiben nur die Dusche, das Auto und eben solche Feste.
Deshalb finde ich es toll, dass Wiesbaden der Diskriminierung von Straßen-Sängern Einhalt gebietet. Ja die hessische Landeshauptstadt geht sogar noch weiter und macht aus der Ausnahme die Regel: Wiesbaden singt!
Am 26. Juni wird überall in der Stadt gesungen. Auf Bühnen, vor Bühnen, neben den Bühnen, auf der Straße. Und das Beste: Einfach so! – Weil’s Spaß macht.

