Von Tobias Goldbrunner (Miami)
Es hatte sie alle gelockt: Brad Pitt, knutschend mit Angelina Jolie. Tom Cruise, mit seinen Liebsten. Kevin James, im Gute-Laune-Trio mit Adam Sandler und Chris Rock. Genauso wie Demi Moore, Fergie von den Black Eyed Peas und Gloria Estefan. Und wo sich schon die Stars und Sternchen aus Hollywood tummeln, dreht der Rest der USA gleich gänzlich durch. Beim Super Bowl, dem wichtigsten Sportereignis der Staaten.
Schauplatz Dolphin Stadium, Miami am Sonntag. 75.000 Zuschauer, die perfekte Show. Die Stimmung bestimmen die Anhänger der New Orleans Saints. Und als hätten die schon vorher geahnt, dass ihr Team den großen Favoriten aus Indianapolis im Finale um die nordamerikanische Football-Meisterschaft schlägt, kamen sie alle mit Goldketten. Die kreativesten Outfits sind ihnen sicher: Ketten aus goldenen und schwarzen (getreu den Vereinsfarben) Christbaumkugeln, Federschmuck. Glatzen als Helme bemalt, sogar die Handtaschen der feinen Damen sind farblich und in Glitzer perfekt gestaltet.
Schauplatz Ocean Drive, der Strand-Boulevard von Miami. Die Fanmeile. Schon Tage vorher rockten hier Rihanna oder Nelly Furtado, am Spieltag feiern Abertausende aus beiden Fanlagern in allen Restaurants und Bars eine einzige Party. Friedlich, miteinander. Ohne bösartige Rivalität.
Zurück am Stadion, die Fanparty. Das gleiche fröhliche Bild. Und Attraktionen zum Warmmachen für das große Match: Werfen wie Peyton Manning, Live-Band, ein US-Truck als Grill. Und über dem Stadion kreisen unfassbare 30 Flugzeuge mit Werbebannern.
Anpfiff. Das scheinbare Chaos auf dem Feld, es täuscht. Die Show, der Einlass, die Arbeitsbedingungen für die Journalisten (die Spieler sitzen nach der Partie brav in Boxen Rede und Antwort) – alles perfekt organisiert. Die Cheerleader gehen fast unter, eine 100 Mann starke Blaskapelle wirbelt zum Auftakt. Banner und ihre Songs erinnern an Michael Jackson, Carrie Underwood singt voller Stolz die Nationalhymne und Düsenjäger rauschen dazu über das Stadion. Zur Halbzeit wird binnen zwei, maximal drei Minuten eine Bühne mit Lichteffekten für „The Who“ aufgebaut, die jedes Open Air Konzert in Deutschland in den Schatten stellt. Für zehn Minuten Show.
Und als alles rum ist, die Saints die Sensation ausgelassen feiern, haben die USA neue Helden. Einen Außenseiter, auf den die ganze Nation stolz ist.

