Von Frank Schmidt-Wyk
AGENTUR Fernseh Schröfel kündigt nach nur 13 Monaten frustriert den Vertrag
Nach gut einem Jahr haben Sabine und Ralph Schröfel die Nase voll: Zum 30. November dieses Jahres hat das Ehepaar den Partnervertrag mit der Deutschen Post zum Betrieb der Postagentur in Marienborn wieder gekündigt. Seit 1. April 2009 ist die Agentur im Geschäft Fernseh Schröfel in der Straße Zum Knechelsberg untergebracht, die Marienborner atmeten damals erleichtert auf, denn zuvor hatte es drei Monate keine Post im Ort gegeben.
Hausgemachte Konkurrenz im Internet
Nun droht erneut eine längere Vakanz, wenn nicht gar das endgültige Aus für die Post in Marienborn. Und das liegt aus Sicht der Schröfels daran, dass sich die Deutsche Post systematisch selbst das Wasser abgräbt: „Die Post hat ihr Angebot im Internet erweitert und ist dort günstiger als in der Postagentur vor Ort“, begründete Ralph Schröfel den Ausstieg gestern in einer Presseerklärung. Die Post mache sich selbst Konkurrenz, indem sie ihre Kunden ins Internet locke; das sei jedoch nicht die Philosophie des Servicebetriebs Fernseh Schröfel, der Wert auf persönlichen Kontakt zum Kunden lege. Unter diesen Umständen sei eine Postagentur jedenfalls nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, Fernseh Schröfel werde sich deshalb fortan auf die eigene Firma konzentrieren.
„An der Post kann man nicht reich werden“
Paketaufträge würden heutzutage zunehmend im Internet erteilt und die Sendungen dann nur noch in der Agentur abgegeben, präzisierte Sabine Schröfel auf Anfrage der AZ, deshalb ließen sich „nur noch Klickerbeträge“ verdienen. Ein Ärgernis seien auch die strengen Vorschriften der Post hinsichtlich der Ladengestaltung,: „Die nisten sich bei uns ein und ich muss auch noch Miete dafür zahlen“, ärgert sich Sabine Schröfel. Zu den Auflagen gehöre auch, dass die Agentur das ganze Jahr über geöffnet sein müsse, Betriebsferien seien nicht gestattet. Um wenigstens mal Urlaub machen zu können, mussten die Schröfels eine Aushilfe auf 400-Euro-Basis einstellen. Im Stich gelassen fühlte sich Sabine Schröfel auch in der Weihnachtszeit, als wegen des Schneefalls acht Tage lang keine Post abgeholt worden sei und die Leute im Geschäft Schlange gestanden hätten.
„An der Post kann man nicht reich werden“, lautet Sabine Schröfels Fazit nach 13 Monaten als Agentur-Betreiberin. Und sie ist skeptisch, dass sich nun andere Marienborner Geschäftsleute bereit erklären, ihre Nachfolge anzutreten - die, mit denen sie gesprochen habe, verspürten jedenfalls wenig Lust dazu, sagt sie.
Ortsvorsteher Bernd Noll reagiert entsetzt
Ortsvorsteher Bernd Noll (CDU), der sich im vorigen Jahr lange dafür eingesetzt hatte, einen neuen Agenturbetreiber zu finden, erfuhr die Hiobsbotschaft von der AZ und reagierte mit deutlichen Worten: „Das ist zum Kotzen.“ Es sei ein Unding, wie die Post mit ihren Vertragspartnern umgehe und ihre Agenturen systematisch kaputt mache, anstatt ihrer Verpflichtung nachzukommen, Angebote in der Fläche zu erhalten. Er befürchtet, dass Marienborn, das ohnehin nicht mit Läden gesegnet sei, nun zur „postalischen Diaspora“ werde. Vielleicht könne eine neue Agentur in der Firma Kiba Im Borner Grund, der ehemaligen MVB, untergebracht werden, überlegt Noll, „weitere Möglichkeiten sehe ich nur Am Sonnigen Hang.“



Selber Schuld?
So ist es nun mal. Nach dem Jahrzehnte lang versäumt wurde, sich um eine vernünftige Infrastruktur zu kümmern und durch Ortspolitik ein größeres Marienborn verhindert wurde, bekommen die Marienborner nun die Quittung für diese selbstgewählte Politik. Ja, dass liegt schon weit mehr als 15 Jahre zurück doch wenn es ganze 15 Jahre dauert, nach dem Herr Noll zum Ortsvorsteher gewählt wurde, bis MA15 endlich zum Baugebiet wurde braucht man sich nicht mehr wundern. Dass dann auch noch die Öko- und Grünen Parteien sich gegen eine kleine Gewerbefläche im Baugebiet ausgesprochen haben und am Ende alle nachgegeben haben, nach dem Motto: Besser ein keines als keines, wundert es mich nicht, dass bald auch keine Geschäftsleute mehr im Ort sind. Wo sollen die denn auch hin? Es gibt ja keine Flächen bzw. Gebäude mehr. Der ehemalige Sparmarkt wurde Gewinnbringend an einen Investor verkauft der dort Wohnungen erstellt und kein Interesse an Gewerbe hat. Die älteren im Ort beschweren sich schon jetzt über die weiten Wege über die Autobahn zu den Märkten was wird aber erst in 20-40 Jahren sein, wenn diese Märkte auch irgendeinem Sparzwang der Unternehmen unterliegen und wegfallen? Ohne Mobilität kann man heute in Marienborn nicht mehr alt werden. Ein nur kleiner blick nach Drais zeigt, dass es auch anders geht und sich, bei ausreichendem Platzangebot, große Märkte in keinen Orten ansiedeln.