Von Christopher Mühleck
OLDTIMER Rudi Spindler verwandelt lädiertes Chevrolet Coupé in funkelnde Schönheit
Majestätisch ragt die überdimensionale Kühlerhaube in Fahrtrichtung - so, als würde das Chevrolet-Emblem auf dem pechschwarzen Buckel wissen, dass es immer der Nase nach geht. Flankiert von zwei ausladenden Kotflügeln und mit einer Länge von mehr als vier Metern ist Rudi Spindler das Gefährt 1989 sofort ins Auge gefallen. "Damals hat mir ein Bekannter in den USA ein Bild des Wagens geschickt. Interesse war sofort da", erinnert sich Spindler, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was da auf ihn zukommt. "Das böse Erwachen kam bei genauerem Hinsehen, als das Auto schließlich vor mir stand. Rost, Fäule, Spachtelmurks und vieles mehr schlummerten unter dem augenscheinlich tadellosen Äußeren", erzählt der gelernte Autoschlosser und -elektriker vom ersten Rendezvous mit der "Lady in Black". Zuvor musste das betagte, rund 13000 Mark teure Coupé aus dem kalifornischen Fresno allerdings auf den Mommenheimer in den USA zugelassen werden, denn als "nationales Kulturgut" gestaltete sich die Ausfuhr nicht unkompliziert.
Was folgte, waren Bastel- und Tüftelarbeiten. "Ich musste den Wagen komplett demontieren und neu aufbauen. Das reichte von Arbeiten am Chassis und am Rahmen über Blecharbeiten, die Überholung der Achsträger und eine Komplettrestaurierung des Motors bis hin zu feinen Sattlerarbeiten und die Neuverchromung vieler Einzelteile", schildert Spindler den Beginn der "wilden Ehe" zwischen Liebhaber und historischer Mogelpackung, die nach gut zweieinhalb verflixten Jahren harter Arbeit endlich in Genuss brachte. "Faszinierend, was ohne Computer und moderne Technik aus Autos mit Charakter rauszuholen ist. Es ist gerade so, als ob man einen Totgeglaubten wieder zum Leben erweckt", erklärt der 62-jährige Bastler, dessen Mommenheimer Kfz-Werkstatt im nächsten Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert.
Seit den 70er Jahren zählen hauptsächlich Mercedes und Porsche zu den favorisierten Tüftelobjekten Spindlers, dessen Büro im Glanz unzähliger Pokale und Auszeichnungen schimmert. Zeitungsartikel und Bilder seiner Lieblinge schmücken die Wände, unzählige Modellautos eine große Vitrine.
"Ich fahre viele Oldtimer-Rallyes und auch damit verbundene Prüfungen mit. Im Laufe der Jahre hat sich die Arbeit mit den Oldtimern schon oft als großer Erfolg erwiesen", sagt Spindler, der seit 1990 im Oldtimer Club Rhein-Main (OCRM) mitwirkt. "Der Austausch im Club ist hervorragend. An jedem ersten Mittwoch im Monat treffen wir uns im Clubhaus zum Stammtisch", schwärmt Spindler vom Zusammensein mit Gleichgesinnten, die über das Jahr Ausfahrten und Rallyes gemeinsam genießen.
Da darf dann das Chevy Coupé mit den großen Augen, der mächtigen Nase und den muskulösen Schultern, für das der findige Liebhaber ein Original-Reparaturbuch erstehen konnte, nicht fehlen. Besonders beim Blick ins Innere ist die Liebe zum Auto augenscheinlich: Komfortable Sitzbänke, elegante Armaturen. Das Wichtigste aber: Fahrspaß pur. Mit dem Sechs-Zylinder unter der Haube blubbern und röhren knapp hundert Pferdestärken, die ihren Fahrer schon manchen Pokal in Händen halten ließen. Am Ende steht für Spindler die Gewissheit, eine lädierte Geliebten aufpoliert und für die Ewigkeit konserviert zu haben: "So wie das Coupé da steht, wird es 500 Jahre alt."

