Unwetter am Rhein: Akazie kracht auf Autos, Schlammlawine versperrt Landstraße
10.06.2010 - NIERSTEIN-OPPENHEIM / GUNTERSBLUM
Von Beate Nietzel und Dieter Oberhollenzer
Vollgelaufene Keller, blockierte Straßen, Schlammlawinen, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer: Erhebliche Schäden hat das Gewitter mit heftigem Regen in der Nacht zum Donnerstag verursacht. Stundenlang waren die Feuerwehren in den Verbandsgemeinden Nierstein-Oppenheim und Guntersblum sowie die Polizei im Einsatz. „Es hat geschüttet wie aus Eimern. Zwischen 21.30 Uhr und Mitternacht standen die Telefone nicht still“, schildert der Dienststellenleiter der Oppenheimer Polizei, Uwe Schneider. Verletzt wurde niemand.
Erdreich ausgespült
Der Schwerpunkt der Einsätze war in Guntersblum. Von 16 vollgelaufenen Kellern, unter anderem im Sachsenring und in der Alsheimer Straße, berichtet Joachim Krämer: „Die Kollegen aus den umliegenden Gemeinden haben uns unterstützt, die Gebäude leerzupumpen“, so der stellvertretende Wehrleiter der VG. In Eimsheim stand ein Keller unter Wasser. Die Kanalisation war teilweise überlastet; das Wasser drang in einigen Straßen von außen durch die Haus- oder Waschküchentüren in die Gebäude ein.
Zudem machten eine Schlammlawine und ein umgestürzter Baum die L 437 zwischen Eimsheim und Guntersblum (Eimsheimer Steig) unpassierbar: Die Regenmassen hatten das wegen einer Baustelle offenliegende Erdreich ausgespült, die Eimsheimer Straße musste für eine Stunde gesperrt werden. Ebenso für eine Stunde unpassierbar war die Straße zwischen Uelversheim und Dienheim, die durch einen umgestürzten Baum blockiert wurde. „Wir saßen gerade in Dolgesheim bei der Einsatzbesprechung zu unserer VG-Abschlussübung, als es losging“, so Krämer. In der VG waren insgesamt 54 Feuerwehrleute aus sechs Gemeinden im Einsatz. Auch einige Winzer packten bei den Aufräumarbeiten kräftig mit an, war aus der VG-Verwaltung zusätzlich zu erfahren.
Fällgenehmigung war beantragt
Mindestens vier Autos wurden in Oppenheim zum Teil schwer beschädigt. Ein Baum krachte auf dem öffentlichen Parkplatz in der Mainzer Straße auf die dort geparkten Fahrzeuge. Weil die Akazie bereits krank war, konnte sie dem Gewittersturm kurz vor Mitternacht nicht mehr standhalten. Beim Entfernen des Baumes musste die Feuerwehr-Drehleiter angefordert werden, um den schweren unteren Teil des Stammes von einem Fahrzeug zu heben. „Der schlechte Zustand des Baumes war bei den turnusmäßigen Sichtungen erkannt und im städtischen Baumkataster festgehalten worden“, erläutert Stadtbürgermeister Marcus Held. Der zuständige städtische Beigeordnete Raimund Darmstadt habe bei der Verbandsgemeinde auch bereits eine Fällgenehmigung beantragt. Die örtlichen Wehrleute waren auch dort zwei Stunden beschäftigt.
Ihren ersten Einsatz bestand in Nierstein die neue Absturzsicherungsgruppe der VG-Wehr: Der Sturm hatte das sechsstöckige Wohnhaus in der Gutenbergstraße 2 stark beschädigt. Auf dem Flachdach, das gerade saniert wird, wurde die Abdeckung unterspült. Teile der Dachpappe und Planen wurden auf die Straße geschleudert. Zwei Kamine stürzten um, zudem geriet Wasser ins Haus. „Ausrüstung und Männer haben die schwierigen und gefährlichen Arbeiten bestens gemeistert“, so der Niersteiner Wehrführer Klaus Buhl. Wie stets bei extremen Wetterlagen, lief die Unterführung an der Einmündung B9/B420 voll.
Bürgermeister veranlasst Kontrollen
Eine überlastete Kanalisation, überflutete Straßen und ein umgestürzter Baum werden aus Dexheim gemeldet. Und zwischen Nierstein und Schwabsburg stand eine Reiterhalle unter Wasser. Der Bürgermeister der VG, Klaus Penzer, kündigt die Kontrollen aller Gräben, die Säuberung der Schlammfänge und die Kontrolle der Durchlässe an.

