Von Eva Fauth
MUNDART-LEXIKON Wormser Hartmut Keil setzt sich mit rheinhessischen Ausdrücken, Redensarten und rheinhessischer Grammatik auseinander
Wer in Rheinhessen unterwegs ist, stolpert "alleridd" (also laufend) über Worte, die typisch für die Region sind: Ob Abbelränzje, Schmalzdaggel oder Bambelschnud - gelebt wird nach dem Motto "Wie geredd, so gebabbelt". Beim Zuhören kann man da schon "dormelich" werden...
Nicht so der Wormser Hartmut Keil. Er hat schon Grimms Märchen, die Nibelungensage und Goethe ins Rheinhessische übersetzt - und nun ein "Rheinhessisches Mundart-Lexikon" geschrieben. Mehr als 2400 Ausdrücke, Schimpfwörter und Redewendungen werden darin "vekassemaduggeld" - hochdeutsch: erklärt. Selbst wer mit "Rhoihessisch" als erster Fremdsprache aufgewachsen ist und glaubt, Land, Leute und jeden Laberhannes zu kennen, wird mit Spaß in diesem Buch blättern.
Auch wenn vieles zum Wortschatz eines waschechten Rheinhessen gehören - gelesen lassen sie einen schmunzeln. "Oidussle" oder "Padärr" etwa - was dem Leser auf den ersten Blick wie willenlos aneinandergereihte Buchstaben erscheint, formt sich beim lauten Lesen zu bekannten rheinhessischen Urlauten.
Es geht um Mundart, die Kunst des Sprechens. So schreibt auch Hartmut Keil in seinem Vorwort: "Es werd so gschriwwe, wie mer´s babbelt." Als "populäres Gebrauchslexikon" bezeichnet die Verlegerin Angelika Schulz-Parthu das im Ingelheimer Leinpfad-Verlag erschienene Buch, das eine Lücke auf dem regionalen Buchmarkt schließen soll.
Es gibt Lexika über Mainzer Mundart, ein Schimpfwörterbuch, eine Sammlung rheinhessischer Wörter mit französischem Ursprung und vieles mehr: "Hartmut Keils Lexikon hat Gültigkeit für ganz Rheinhessen", betont Angelika Schulz-Parthu. "Das Mundart-Lexikon ist eine Übersetzungshilfe für alle Neu-Rheinhessen, aber auch ein wichtiges Nachschlagewerk für alle Rhoihesse."
Schon deshalb, weil die Mundart in Mainz anders ist als in Mommenheim oder gar in Monsheim. Schimpft ein Mainzer über den "Zores", meint er Lumpenpack. Für den Wormser bedeutet Zores Streit oder Ärger. Noch ein Beispiel: die Stechmücken. Sie heißen "Boorhämmel", "Podhämmel" oder "Schnooge" - und piesaken die Rheinhessen rheinauf, rheinab. Neben Rheinhessisch-Deutsch und Deutsch-Rheinhessen findet sich in dem Lexikon eine Einleitung des Autors, zu der eine amüsant zu lesende Einführung in die rheinhessische Grammatik gehört. Es geht um den fehlenden Genitiv, der aus "Ottos Anita" eben "Em Otto soi Anita" macht, oder um die in Rheinhessen gerne gebrauchte Form des "aktiven Präsens", der meist mit dem wichtigsten Verb der Region gebildet wird: "duhe" (tun). Mama kocht? Auf Rheinhessisch heißt das: "`S Esse dud grad gemachd werre." Wer sich mit Mundart beschäftigt wie Hartmut Keil, weiß: Vollständig kann solch ein Lexikon nie sein. Sprache lebt, verändert sich. Weshalb er alle Leser und Rheinhessen einlädt, ihm Ideen und Ergänzungen zu schicken (Leinpfad Verlag, Leinpfad 5, 55218 Ingelheim, Fax: 06132/896951), E-Mail: info@leinpfadverlag.de). Schließlich weiß er selbst am besten: Über Mundart lässt sich "dischbediere" - und das am liebsten natürlich auf Rhoihessisch.

