Von Sascha Diehl
Wormser Tiergarten bereitet sich auf warme Jahreszeit vor/Warten auf junge Erdmännchen und Wölfe
Kaum ist die kalte Jahreszeit passé, beginnt im Tierpark der Nibelungenstadt die Arbeit. Der Zoo muss fit für den Frühling gemacht werden. Schließlich strömen mit den ersten warmen Sonnenstrahlen die Besucher in den Tiergarten, und auch die tierischen Bewohner wollen zu ihrem "Sonnen-Recht" kommen.
"Klar gibt es viel zu tun, vor allem vor Ostern, aber das schaffen wir schon." Dieter Wagner, stellvertretender Leiter des Wormser Tiergartens, sieht die hektische Betriebsamkeit in "seinem" Zoo gelassen. Der Winterschlaf ist vorbei, jetzt geht´s wieder los, sagt der Zoo-Chef lapidar. Obwohl das Tierpfleger-Team derzeit alle Hände voll zu tun hat, um die einzelnen Gehege neu herzurichten, lässt sich der Zoo-Chef nicht aus der Ruhe bringen. Selbst widrige Umstände, etwa Firmen, die bestellte Materialien mit mehrwöchiger Verspätung ausliefern, können die Tiergarten-Mitarbeiter nicht schocken. Fleißig werden neue "Klettergeräte", also Stämme oder Äste, in den Gehegen aufgebaut, durch Nistmaterial, etwa Stroh oder vorgefertigte Nester ergänzt oder, wie bei den Flamingos, ganze Brutplätze neu angelegt. Beim Rundgang durch den Tierpark bekommt man jedenfalls schnell den Eindruck, dass in dem Frühjahrs-Trubel jede Menge Routine steckt. Klar, mögen Spötter sagen, schließlich wird es jedes Jahr Frühjahr.
Mit dem aktuell größten Bauprojekt im Zoo, erklärt Wagner, der den Reporter durch sein Tierreich führt, wolle man ein Stück Rheinhessen in den Tierpark holen. Die neue Vogelvoliere soll an Rheinhessens Rheinauen erinnern und zum Zuhause heimischer Singvögel werden. Den Entschluss, ein Stück Heimat zu zeigen, erklärt Wagner, habe man getroffen, "weil die wenigsten wissen, wie viele tolle Vögel es hier gibt". Hierfür nehmen Zoo-Chef und Tierpfleger einigen Aufwand in Kauf. Denn: "Heimische Tiere", erklärt Wagner, "sind viel schwerer zu halten als Exoten".
Bei allem, was im Frühjahr innerhalb der Tiergehege getan werden muss, liegt das Hauptaugenmerk der Tierpfleger auf ihren vierbeinigen oder gefiederten Schützlingen. Wenn die Natur erwacht, beginnt die Zeit des Nachwuchses, die für die gesamte Zoo-Mannschaft die spannendste Jahreszeit ist. Selbst der erfahrene Zoo-Chef muss zugeben, dass das "Fieber steigt".
Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf den Erdmännchen und den Wölfen. "Die Erdmännchen", berichtet Wagner, "haben ihr Verhalten deutlich geändert". Wo sonst viele "Wachposten" stehen, ist seit einiger Zeit nur noch ein einzelner Wächter zu sehen. Normalerweise deute dieses Verhalten auf Nachwuchs hin, zumal sich im Falle der Erdmännchen alle Mitglieder einer Gruppe um die Jungtiere kümmern und deswegen in den Höhlen bleiben. Sollte es tatsächlich schon in diesem Jahr Erdmännchen-Nachwuchs geben, wäre dies für den Wormser Zoo ein Riesenerfolg. Erst 2008 sind die putzigen Rudeltiere nach Worms umgezogen, erinnert Wagner, weshalb man nicht mit Jungtieren gerechnet habe. Normalerweise dauere es nämlich Jahre, bis sich eine Gruppe soweit gefunden habe, dass es zu neuen Sprösslingen komme.
Eine weitere Hoffnungsträgerin im hereinbrechenden Frühling. Die Wolfsdame des Zoos. "Die Paarung haben wir beobachtet", erzählt Wagner mit leuchtenden Augen, "jetzt hoffen wir natürlich, dass es auch geklappt hat". Erste Anzeichen auf baldiges Mutterglück gibt es jedenfalls. Die mutmaßliche Neu-Mutter hat sich im lebensraumgerecht angelegten Gehege eine eigene Brut-Höhle gegraben, so dass alle im Tierpark auf einen neuen kleinen Isegrim hoffen.

