Als Privatmann gegen den Fluglärm: Mommenheimer klagt gegen Südumfliegung
22.02.2012 - RHEINHESSEN
Von Sonja Werner
Dass er sich einfach wehren musste, stand für ihn fest. Die Ohnmacht besiegen und selbst aktiv werden. „Ich will sagen können, ich habe es versucht. Ich habe vor mir selbst ein gutes Gewissen“, erklärt Carsten Lock. Und so hat der Mommenheimer einen Schritt gewagt, über den zwar viele Menschen nachgedacht haben – den am Ende aber „nur“ fünf Bürger tatsächlich gegangen sind. Carsten Lock ist einer der fünf Privatkläger, die den Landkreis Mainz-Bingen sowie die fünf Kommunen Nackenheim, Nierstein, Lörzweiler, Ober-Olm und Klein-Winternheim bei ihrer Klage gegen die Südumfliegung unterstützen.
Was ihn zu dieser Klage bewogen hat? „Es geht um den Schutz der Gesundheit meiner Familie“, sagt er. „Darum, dass keine Transparenz geschaffen wird, dass es keine Gerechtigkeit bei der Verteilung des Fluglärms gibt.“ Und natürlich gehe es auch darum, trotz des Frankfurter Flughafens Lebensqualität zu erhalten. Denn auch wenn man sich mit dreifach verglasten Fenstern vor Lärm schützen könne – „Käfighaltung ist nicht erstrebenswert“, meint Lock provokativ.
Planungssicherheit über den Haufen geworfen
Und so stand für ihn bereits im vergangenen März fest, dass er gegen den zunehmenden Fluglärm vor Gericht gehen wird. Damals, als die Gegenanflüge verschoben wurden und auf einmal auch Mommenheim stärker von anfliegenden Flugzeugen belastet worden ist. Dazu kam die Ankündung, dass auch die Südumfliegung mit einem Ast an Mommenheim vorbeiführen würde... Und auf einmal war es vorbei mit der Idylle auf dem Land: Dabei war es gerade die Ruhe gewesen, die Carsten Lock und seine Frau von Wiesbaden aus in die Gemeinde mit gut 3.000 Einwohnern gezogen hatte.
„Vor zehn Jahren, als wir nach Mommenheim kamen, haben wir uns mit dem Kinderwagen auf die Felder gestellt und geschaut, wo es ruhig ist“, blickt Lock zurück. Dafür war der Vertriebler, der in Frankfurt arbeitet, auch bereit, größere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Über 100 Kilometer fahre er jeden Tag zur Arbeit. Durch die Verschiebung der Routen fühlt er sich betrogen. „Unsere Planungssicherheit wurde komplett über den Haufen geworfen.“ Als er sich mit seiner Frau für den Wohnort in Rheinhessen entschieden habe, sei von startenden Flugzeugen über Mommenheim noch keine Rede gewesen.
Wichtiger persönlicher Schritt
Carsten Lock begann sich zu wehren. Baute eine eigene Messstation auf dem Dach des Einfamilienhauses auf, um den bisherigen Fluglärm sowie die Entwicklung zu dokumentieren. Er ging zu Infoveranstaltungen und gab sein Wissen weiter, hat den Kontakt zu Bürgerinitiativen und Kommunalpolitikern gesucht. „Alles, was ich im letzten Jahr gemacht habe, mündete jetzt in der Klage“, sagt Lock. „Das ist die maximale Art, meinen Unmut kund zu tun“, sagt er. Das finanzielle Risiko einer solchen Klage mache ihm natürlich Angst, gesteht Lock. „Aber es ist die Frage, was mir meine Gesundheit wert ist – und das ist es mir wert“, sagt er.
Dass die Privatkläger die Gutachten der Kommunen mitnutzen können, mache es natürlich einfacher – und auch die Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen unterstütze die Kläger. Dabei rechnet sich Lock mit einer Klage durchaus Chancen aus: „Sonst würde ich das nicht machen.“ Durch die neuen Flugrouten sei sein Gerechtigkeitsgefühl in den Grundfesten erschüttert worden. „Diese Beliebigkeit!“, sagt er. Deshalb sei der Schritt vor Gericht auch für ihn persönlich wichtig gewesen.
Der zunehmende Protest, die Montagsdemos in Frankfurt geben dabei auch dem Mommenheimer Kraft: „Ich hätte nicht gedacht, wie sehr es hilft, dass man viele ist“, sagt Lock. Der Gegenwind von Fraport sei schließlich nicht unerheblich. Was er mit seiner Klage erreichen will? So müsse der Fluglärm insgesamt reduziert und wo möglich vermieden werden, durch optimale Routenplanung, verbesserte An- und Abflugverfahren, sagt er. „Ich habe den Eindruck, diese Routen werden politisch verteilt. Das kann nicht sein“, sagt Lock. Und so müssten auch die Interessen von Rheinland-Pfalz stärker gehört und berücksichtigt werden. „Es kann nicht sein, dass eine Region mit 100.000 Menschen stärker belastet wird, und die überhaupt nicht eingebunden wird“, steht für Lock fest.

