Weiter Blick über Reben und Hügel
05.01.2011 - UNDENHEIM
WINTER-WANDERUNG „Bürger für Undenheim“ führen Teilnehmer zum Zentrum des Weinanbaugebiets Rheinhessens
(red). Die diesjährige Winterwanderung der Bürger für Undenheim (BfU) führte die etwa 100 interessierten Teilnehmer aus Undenheim, Weinolsheim, Guntersblum, Mannheim und Köngernheim bei strahlendem Sonnenschein nach Gabsheim - genauer gesagt zum Punkt mit den Koordinaten 8° 09’ 57,5“ östlicher Länge und 49° 49’ 17,4“ nördlicher Breite, also zum geografischen Mittelpunkt des Weinanbaugebiets Rheinhessen.
Etwas abseits der Straße von Gabsheim nach Bechtolsheim mitten in einem Wingert in einer Flur, die schon seit Jahrhunderten den Namen „An des Adams Apfelbaum“ (Rheinhessisch: „Oorems Abbelbaam“) trägt, befindet sich dieses „Zentrum Rheinhessens“, gar nicht weit vom Wasserhochbehälter entfernt. Das Wasserhäuschen und das Gelände darum herum wurden zu der Lokalität gewählt, an der sich der Mittelpunkt festmachen ließ. Dass sich der genaue Mittelpunkt etwa 200 Meter weiter südwestlich davon entfernt befindet, dürfte unerheblich sein. Die Vorzüge dieses Platzes liegen auf der Hand: Er gehört der Gemeinde, ist leicht anzufahren und von ihm aus bietet sich eine bemerkenswert schöne Aussicht über Gabsheim und den Rest von Rheinhessen.
Hier trafen dann auch diejenigen ein, die sich den etwa zweistündigen Spaziergang nicht zugetraut und den Fahrdienst in Anspruch genommen hatten.
Und sie alle erfuhren, wie der Mittelpunkt Rheinhessens eigentlich entdeckt wurde. Und das war folgendermaßen: Konnten die Gabsheimer bis 2007 nur vermuten „Mittelpunktler“ zu sein, so ermittelte das Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation des Landes Rheinland-Pfalz nach umfangreichen wissenschaftlichen Berechnungen, dass es tatsächlich so ist: Gabsheim liegt in der Mitte Rheinhessens.
Die Überlegung, ungefähr in der Mitte Rheinhessens zu wohnen, äußerte übrigens ein Spiesheimer, der beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz nachfragte. Das Amt ermittelte einen Punkt mit den Koordinaten 8° 09’ 57,5“ östliche Länge und 49° 49’ 17,4“ nördliche Breite als Mittelpunkt des Weinanbaugebietes Rheinhessen. Dieser Punkt liegt zwar nicht wie erhofft in Spiesheim, wohl aber in der Gemarkung von Gabsheim. Somit war es amtlich.
Die Anwesenden studierten aber auch intensiv die Schautafeln, die an dem Ort angebracht sind, der fast gleich weit von den Städten Mainz, Worms, Bingen oder Kreuznach entfernt liegt. So war zu erfahren, dass sich die Geschichte Gabsheims urkundlich bis ins Jahr 765 zurückverfolgen lässt. Wobei der Ort im Lorscher Codex noch als Geisbotesheim vermerkt war. 1370 übernahmen die Kämmerer von Worms, die Dalberger, die Herrschaft von den Geispitzheimern und behielten sie bis Ende des 18. Jahrhunderts. Im Mittelalter und in der Neuzeit hatte sich der Ort mit Rechtsordnung, Gerichtsbarkeit und Schultheiß als eigenständige Gemeinde behauptet und ist heute Teil der Verbandsgemeinde Wörrstadt.
Insbesondere der abschließende Exkurs in die Mundart Rheinhessens ließ noch einmal aufhorchen. Denn nicht allen Anwesenden waren die Bezeichnung „Milchpusch“ für Löwenzahl und „Gruschel“ für die Stachelbeere bislang geläufig.
Im Foyer der Goldbach-Halle fand der launige Ausflug seinen Abschluss bei einem warmen Teller Suppe, Glühwein und vielen Gesprächen. Zum Ende der Veranstaltung dankte der BfU-Vorsitzende Marcus Becker allen Organisatoren, insbesondere aber Ute Grosch, die das gewohnt gute Catering übernahm, und Joachim Schmidt, der die Tour vorbereitete und kommentierte. „Als geborener Saarländer und Undenheimer Neubürger hat er uns in Gabsheim hervorragend rheinhessische Geschichte nahegebracht“, lobte Becker abschließend.

