Von Julian Peters
DOMINO-DAY Selzer Motive aus tausenden von Steinchen gebaut und zum Umfallen bewegt
Das war er also, der "Stein des Anstoßes". Und dann auch noch gleich in zehntausendfacher Ausführung und in unterschiedlichsten Farben. "Ziel der heutigen Aktion ist es, die vorhandenen Steine aufzubauen und anschließend in einer Kettenreaktion möglichst viele von ihnen auf einmal wieder zu Fall zu bringen", erläuterte Julia Knörzer-Schütz das Konzept, das vom Prinzip her an den jährlich in Holland ausgerichteten "Domino Day" erinnert. Die Initiatorin des ersten Selzer Dominotages in der Turnhalle machte klar, dass dabei das einfache Aufstellen und Umwerfen der bunten Steine zu unspektakulär wäre. So wurden sechs Motivfelder kreiert, die in inhaltlichem Zusammenhang mit Selzen standen. Auf einer Bank wurde mit blauen Steinen der Verlauf der Selz angedeutet, der grüne Lesefrosch bildete das größte Einzelmotiv. Und auch der Selzer Ausscheller grüßte, aus schwarzen und weißen Steinen aufgebaut, freundlich am braunen Hallenboden.
Die Verantwortung dafür, dass jeder Stein an dem für ihn vorgesehenen Platz landete, lag in den Händen von Tim Weißker. Der Bamberger, mit dem Julia Knörzer-Schütz über das Internet Kontakt aufnahm, ist seit zehn Jahren vom "Dominofieber" gepackt: "Damals habe ich den `Domino Day` im Fernsehen gesehen und wollte so etwas auch machen. Angefangen habe ich mit ein paar hundert Steinen und im Lauf der Zeit sind es dann immer mehr geworden", erzählte der 16-Jährige.
Um beim Aufbau nichts dem Zufall zu überlassen, hatte Weißker am Computer für jedes Motivfeld einen Masterplan erstellt, der die Position jedes Steines genau festlegte. Dieser Plan wiederum diente als Vorlage für die zehn Kinder und Jugendlichen, die die Dominosteine aufstellten. "Die Arbeit ist anstrengend, weil sie ziemlich in den Rücken geht, aber sie macht Spaß", berichtete Aufbauerin Anna-Lena Krost. "Allein das Ausschellermotiv ist schon knapp zehn Mal zusammengefallen, aber mittlerweile klappt es, da die Aufbauer an Routine gewonnen haben", lobte Tim Weißker das Engagement der Helfer. Absichtlich eingebaute Lücken verhinderten, dass im Fall eines Missgeschicks gleich die gesamte Arbeit verfrüht zu Fall kam.
Grundidee für die Veranstaltung war der Wunsch der Bibliotheksleiterin Julia Knörzer-Schütz, einen Aktionstag für Jung und Alt ins Leben zu rufen. In einem Katalog stieß sie auf Dominosteine, die Suche nach Sponsoren verlief erfolgreich und schon konnte die Idee in die Tat umgesetzt werden. "Künftig wollen wir jedes Jahr einen Dominotag veranstalten und uns jährlich um 10000 Steine steigern", schmiedete sie Zukunftspläne.
Dann war der große Augenblick gekommen, den sich zahlreiche Bürger nicht entgehen ließen: Bürgermeisterin Anita Wiedemann stieß den ersten Stein um, und die Parade bunter Plastiksteine geriet ins Purzeln. Nicht einmal eine Minute dauerte das Spektakel, dann waren auch schon fast alle Steine umgestürzt. Julia Knörzer-Schütz zeigte sich erleichtert: "Es war sehr schön, alle Motive sind gefallen. Emotionen und Jubel waren groß", fasste sie zusammen.

