Von Andreas Lerg
Ramon Chormann mit "Hausmacher" in Selzen
"Ach Ihr Leit, in Ludwigshafe hab isch e Frau kenne gelernt, die hatte so kalte Owerschenkel, jetzt hab isch Mittelohrentzündung!" Mal frivol, mal ganz sachlich setzte Ramon Chormann in Selzen seine Pointen. Der Kabarettist aus dem pfälzischen Bischheim nimmt in seinem Bühnenprogramm vor allem eines aufs Korn: den Pfälzer. Und die Leinwand, auf die er seine Späße zeichnet, ist er selbst, denn die spaßig beschriebenen Pannen des Alltags sind natürlich ihm passiert und die Spitzfindigkeiten und sarkastischen Boshaftigkeiten teilt er in seiner Umgebung aus. So echauffiert er sich, dass seit sieben Jahren die Tür vom Dönerladen klemmt, wenn er dort dienstags und freitags isst und dort wie immer "mit alles und mit scharf" bestellt. Mal lässt er sich über den "Generatorenkonflikt" zwischen Jung und Alt aus oder lästert vortrefflich über die "Vegetations-Leut, die wo net so gern Fleisch esse!" In Selzen gastierte Ramon Chormann, der nicht nur Kabarettist, sondern auch ausgebildeter und aktiver Kirchenmusiker und Chorleiter ist, vor ausverkauftem Haus. Im Smoking servierte er bestens gewürzten Humor mal als Vortrag, aber gerne auch gesungen am Klavier. In seinem Programm "Hausmacher" darf natürlich das Lob auf Wurstspezialitäten nicht fehlen. Und während er schwadronierte, wie gern er Blutwurst isst, erhebt sich ein Mann aus dem Publikum, stapft schnurstracks auf die Bühne und drückt ihm eine Dose in die Hand. Der nur kurz verdutze Chormann: "Was is´n des?" Und der spendable Gast, schon halb die Treppe runter, ruft: "Ei Leberworscht!" "Die ess isch aach gern", kommentierte Chormann, der das sehr aktive Publikum in Selzen sehr zu schätzen wusste, denn dieses spielte so manchen Ball auf die Bühne zurück. Nachdem er ein Lied darüber gesungen hat, das man Missgeschicke in der Pfalz mit "Ouw Ouw Ouw" kommentiert, intonierte das Publikum sogleich das hier bekannte "Ui ui ui ui au au au!" Daraus entstand ein gesungenes Duell zwischen Künstler und Publikum, an dem beide einen riesigen Spaß hatten. Man sollte einen Pfälzer nie in der Mittagspause anrufen, um ihm irgendetwas verkaufen zu wollen! Chormann inszenierte trefflich, was einem solchen Telefon-Kaltaquise-Anrufer dann widerfährt: "Haschde nix Anständiches gelernt, das de Telefonbelästiger für bankrotte Großkonzerne wern musst!?" Er berichtet, wie er im Keller Riesenspinnen erschlägt, selbstverständlich mit dem "Schlappe", den er sich zu diesem Zweck vom Nachbarn geliehen hat. Er zürnt über teure Schornsteinfeger: "Der braucht drei Minute um festzustellen, dass mein Heizung funktioniert, obwohl er durch e warm Wohnung geschlappt ist. Und dafür kassiert er 33,88!" So nimmt er Alltägliches auf die Schippe, Situationen eben, die jeder im Publikum kennt und nachvollziehen kann.

