Von Ulla Niemann
63 Wehrleute haben Feuer in Selzen schnell im Griff / Sachschaden rund 300000 Euro
SELZEN Gestern in den frühen Morgenstunden geriet in der Weyerstraße ein Dachstuhl in Flammen. Neun Personen befanden sich zu dem Zeitpunkt in dem kleinen Haus mitten im Ortskern.
"Hauptsache, kein Mensch ist dauerhaft zu Schaden gekommen", meint Horst Strubel, während er zusieht, wie weißer Dampf aus dem Gerippe des Dachstuhls aufsteigt. In dem Haus schliefen, als das Feuer um kurz vor 4 Uhr ausbrach, neun Polen, an die Strubel die Ferienwohnung vermietet hatte. Einer zog sich, bei dem Versuch das Feuer zu löschen, Brandverletzungen zu, lehnte jedoch eine ärztliche Behandlung ab. Alle neun konnten sich selbst aus dem brennenden Haus retten. Das Gebäude wird für lange Zeit unbewohnbar bleiben. "Meine Tochter schrie `Es brennt!`, da war ich sofort wach", erinnert sich Horst Strubel. "Ich habe keine Ahnung, warum es gebrannt hat", schüttelt er den Kopf und erzählt dann: "Als wir die Ferienwohnung gebaut haben, haben wir zum Nebengebäude eine Brandschutzmauer eingezogen. Vorher war das ein durchgehender Dachstuhl." Die Brandschutzmauer und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr haben tatsächlich Schlimmeres verhindert. Um kurz vor 6 Uhr steht ein Feuerwehrmann im Dachgeschoss des Nebenhauses und tastet dort die Wand ab. "Hier wird´s immer wärmer", ruft er. Von der Drehleiter aus kommt die Wärmebildkamera zum Einsatz. Im Haus selbst steht das Wasser. Im unteren Stockwerk tropft das Wasser von der Decke. Ein beißender Geruch liegt in der Luft und haftet sich an alles und jeden. Der Boden ist übersät mit rußgeschwärzten Ziegelbruchstücken und anderen Brandrückständen. "Wir müssen schauen, ob noch irgendwo Glutnester sind", erklärt Patrik Neunecker. Er ist der Einsatzleiter. Es ist in dieser Rolle sein erster Einsatz "in dem es so richtig darauf ankommt". Denn das Gebäude steht mitten im Ort und grenzt an zwei Seiten unmittelbar an andere Häuser. Ein Ausbreiten des Brandes muss auf jeden Fall verhindert werden. Als gegen 9.30 Uhr das letzte Glimmen gelöscht ist, macht sich Neunecker klar, was er und seine Mannen wirklich geleistet haben: "20 Minuten später und wir hätten das Chaos gehabt. Es war gut, dass wegen der Uhrzeit so viele Einsatzkräfte da waren." 63 Feuerwehrmänner aus Selzen, Hahnheim, Undenheim-Köngernheim und Oppenheim, der Rettungswagen des Roten Kreuzes aus Oppenheim sowie einer aus Nieder-Olm waren angerückt. Das EWR kam, schaltete das Haus stromfrei und überprüfte angrenzende Leitungen. "Wir sind zuerst mit einen Angriffstrupp ins Gebäude vorgerückt um sicherzustellen, dass wirklich niemand mehr drinnen ist, dann haben wir direkt das Haus unter Wasser genommen", erklärt der Einsatzleiter. Vier Meter hoch schossen die Flammen aus dem Dach in den Himmel. Um 4.30 Uhr hatten die Wehrleute die Flammen zurückgekämpft. "Patrik Neunecker hat das echt super im Griff gehabt, und die Mannschaften waren wirklich sehr diszipliniert", lobt Hans-Jürgen Heilmann, stellvertretender Wehrleiter der VG Nierstein-Oppenheim die Kräfte vor Ort. Sein Lob gilt auch der Schnell-Einsatzgruppe Betreuung aus Oppenheim, die die neun Bewohner versorgt. Dafür steht ihnen eine Notunterkunft der Ortsgemeinde, die Ortsbürgermeisterin Anita Wiedemann organisierte, zur Verfügung. Generell sei die Hilfsbereitschaft sehr zu loben, dankt Patrik Neunecker den Anwohnern, die die Feuerwehrmänner mit Getränken versorgten. "Selbstverständlich ist das nicht", macht ein müder Patrik Neunecker nach dem Einsatz deutlich. Diese Nachricht wurde gestern Abonnenten gratis per E-Mail als Blitznews versendet. Anmeldung: www.main-rheiner.de/newsletter

