Zwischen Bach und Spirituals
21.06.2010 - OPPENHEIM
Von Beate Nietzel
KONZERT Chor aus Ohio in der Katharinenkirche
Chorgesang auf höchstem Niveau, dargebracht mit Hingabe und Begeisterung, dabei technisch versiert bei absoluter Tonsicherheit: Dem Konzert des Chors der Malone University aus Ohio hätte man noch mehr Zuhörer gewünscht als jenes beeindruckte Publikum, das die Katharinenkirche gut zur Hälfte füllte.
Auch mit einigen ungewohnten Tonfolgen
Das Ziel und der Grund aller Musik sei einzig „die Ehre Gottes und die Rekreation des Gemüts“ - diese Überzeugung Johann Sebastian Bachs ließen die 60 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren lebendig werden, als sie mit ihrem Programm, das durchaus auch ungewohnte Tonfolgen zeitgenössischer US-amerikanischer Komponisten wie auch Werke der osteuropäischen orthodoxen Chorliteratur enthielt, die Akustik des gotischen Sakralbaus voll ausreizten.
Angefangen vom Wechselgesang im „Sing We Merrily Unto God“ von Martin Shaw, das dem Programm seinen Titel gab, über Mark Jennings lateinisches „O Crux“ bis zu Randall Stroopes „All My Heart This Night Rejoices“, in dem die textlich niedergelegten „süßen Engelsstimmen“ auch stimmlich bis ins Letzte ausgekostet wurden und nahezu durch die Luft vibrierten, überzeugten sowohl der große Chor als auch der für fünf Stücke gesondert agierende kleine Kammerchor mit professioneller Präsenz.
Während mit Franz Biebls „Ave Maria“ vor dem Tenorsolo die gregorianische Tradition anklingen ließ, schien in Gyorgy Orbans „Daemon Irrepit Callidus“ der Leibhaftige lautmalerisch zu erstehen. Kaum etwas mit den hiesigen Hörgewohnheiten zu tun wiederum hatten jene Spirituals, die der 2003 gestorbene Komponist Moses Hogan höchst anspruchsvoll umgesetzt hat: „The Battle Of Jericho“ oder „Elijah Rock“ kamen hier mit ganz neuen Tonclustern daher. Ein Tribut an die europäische kirchenmusikalische Tradition schließlich war Bachs „Lobet Den Herrn, Alle Heiden“, bei dem Katrin Bibiella die in klassischer Choraufstellung agierenden Sänger auf der Orgel begleitete.
Grandios geleitet wird der Chor seit zwei Jahren von David Donelson, der mit einem kleinen Fingerzeig das größte Können aus den jungen Leuten herausholt, die derzeit den seit gut 50 Jahren bestehenden Chor der Malone University bilden und dreimal in der Woche proben. Auch Kantor Ralf Bibiella zeigte sich bestätigt, dass mit diesem Gastspiel die Konzertreihe mit internationalen jungen Chören würdig fortgesetzt worden sei.
Begeisterung für Historie und Rheinromantik
Damit gaben die jungen Leute, die aus Ohio und Pennsylvania stammen, nicht zuletzt auch ihre Begeisterung über historische Altstädte, Rheinromantik und freundschaftliche Aufnahme an ihr Publikum zurück. Die meisten von ihnen waren zum ersten Mal in „Old Europe“ und machten auf ihrer zweiwöchigen Tournee durch Deutschland, Österreich und Tschechien übers Wochenende auch in Oppenheim Station, wo sie ihr erstes Konzert gaben. Insgesamt acht Auftritte absolviert der Chor der christlich geprägten Malone Universität in Canton (Ohio) unter anderem in Probstzella, Prag, Hallstatt und Salzburg, bevor am 29. Juni der Heimflug angetreten wird.

