Von Lena Schenk
NATURMEDIZIN Klaus Strub baut Heilpflanzen für Afrika auf dem Niersteiner Riedhof an
"Mein Traum ist, dass jedes Dorf in Afrika einen eigenen Heilpflanzengarten hat", schwärmt Klaus Strub, Gärtnermeister und Landwirt auf dem Niersteiner Riedhof. Und seine leuchtenden Augen lassen ahnen, dass der 67-jährige Rentner weit mehr im Kopf hat, als nur davon zu träumen. Strub ist nämlich nicht nur Obstbauer a.D., sondern auch Besitzer "der wahrscheinlich größten Artemisia-Annua-Plantage Deutschlands". Seit fünf Jahren baut er die Heilpflanze, die vor allem gegen Malaria eingesetzt wird, auf seinem Riedhof an.
Die Blätter des Krauts trocknet er, um sie als Tee zu verarbeiten. Strub erzählt: "Das Tolle an dieser Pflanze ist, dass sie im Vergleich zu künstlich hergestellten Medikamenten keine Nebenwirkungen hat." Die Allzweckwaffe Artemisia wird auch im Kampf gegen AIDS eingesetzt. "Ein Liter Tee aus fünf Gramm der getrockneten Blätter am Tag ist ideal für HIV-Patienten. Die Pflanze hält den Virusstatus des Patienten sehr niedrig. So können Infizierte ein einigermaßen normales Leben führen", erklärt der gelernte Gärtnermeister. Seine getrockneten Blätter gibt er weiter an Hans-Martin Hirt, Geschäftsführer von
"anamed". Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die natürliche Medizin in den Tropen zu verbreiten, indem er die Menschen vor Ort über Gesundheitsrisiken aufklärt und im Umgang mit den Heilpflanzen schult. "Der Vorteil natürlicher Medizin liegt darin, dass sie leicht erhältlich ist. Gerade in ländlicheren Gegenden dauert der Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus manchmal Tage", erklärt Strub die Vorzüge einer dorfeigenen Artemisiaplantage. "Außerdem sind gerade für ärmere Bevölkerungsschichten normale AIDS- und Malariamedikamente unerschwinglich".
Strub ist deshalb nicht nur auf dem Riedhof im Einsatz für die Dritte Welt. Während andere Ruheständler All-inclusive-Urlaub in der Südsee buchen, bereist Strub den schwarzen Kontinent, "um dort Menschen zu helfen und ihre Sichtweisen zu verändern". Der Weltenbummler, dessen Hauptreiseziel Eritrea ist und der erst kürzlich im Jemen war, hält in Kooperation mit "anamed" seit einigen Jahren Seminare ab, um vor Ort die Bevölkerung zum Thema Gesundheitsschutz aufzuklären. "Ich will Wege zeigen, wie sich die Menschen eigenständig ohne großen Kostenaufwand vor Krankheiten schützen können", betont Strub.
In drei Wochen fliegt er in den Sudan. "Eingeladen wurde ich von der dortigen Episkopalkirche", erzählt der Niersteiner, der sich - auch als Hilfsprediger - in der evangelischen Kirche engagiert. Er wird in Wad Madani, einer Stadt 150 Kilometer südöstlich von Khartum, 18 Studenten in die Geheimnisse der Artemisia, deren Samen er bereits reisefest verpackt hat, einweisen.
"Im theoretischen Teil erkläre ich, welche Wirkung die Pflanze hat, wie sie dosiert wird, wie Malaria entsteht und wie man sich davor schützt", erläutert der 67-Jährige. Allerdings legt er vor allem großen Wert auf die praktische Anwendung: "Allein schon, weil wir uns nicht in der Muttersprache der Studenten unterhalten, ist es wichtig, dass ich keinen wissenschaftlichen Vortrag halte, sondern mit ihnen gemeinsam das Gelernte anwende." So wird er mit den Studenten auf einem kleinen Stück Land, das die Kirche unweit des blauen Nils gekauft hat, Artemisia und andere Heilpflanzen aussäen. "Ich werde ihnen auch zeigen, wie man zum Beispiel Salben gegen Rheuma zubereitet. Und wir stellen Steine gegen Schlangengift aus Kuhknochen her", listet der Niersteiner seine Zielvorgaben auf.
Zudem legt Strub darauf wert, die Menschen über Hygiene aufzuklären. Denn mangelnde Sauberkeit sei eine Hauptursache für Krankheiten wie Durchfall, der gerade bei Kindern sehr schnell gefährlich werden könne.
Am Ende des Seminars bekommt jeder Teilnehmer ein Zeugnis von "anamed" ausgestellt, das dazu befugt, selbst Kurse zu geben. "Ich wünsche mir, Schlüsselpersonen dort zu treffen, die interessiert sind, die den Respekt der Menschen dort genießen und vor allem ihr Wissen auch weitergeben wollen", beschreibt Strub das Ziel seiner Reise.
Denn dann wird der ehemalige Landwirt wieder seine Koffer packen und zurück nach Deutschland fliegen - in der Hoffnung, dass er seinem Traum wieder ein Stückchen näher gekommen ist.

