Blick nach vorne gerichtet
04.09.2010 - VG NIERSTEIN-OPPENHEIM
Von Hans-Willi Blum
LESER HELFEN Spendenscheck aus AZ-Aktion erreicht Kikam im richtigen Augenblick
Mit ziemlicher Verspätung - und dennoch genau zum richtigen Zeitpunkt - landete ein großer, sehr willkommener Scheck auf der Kinder-Intensivstation der Mainzer Universitätsklinik. Genau 46 000 Euro, zusammengetragen von den Menschen der Region im Rahmen der AZ-Aktion „Leser helfen“ gingen an den Verein „Interessengemeinschaft für Kinder der Intensivstation und Kinder-Kardiologie Mainz“, auch und besser bekannt als „Kikam“. Dessen Vorsitzender Ralf Huth und sein Stellvertreter Stephan Gehring, beides Ärzte auf der Intensivstation, nahmen den Scheck für den Verein und vor allem für ihre Schützlinge in Empfang.
Und sie taten das ganz bewusst am Bett des kleinen Fabian Schinck, einem der kranken Kinder, die von dem Unglück von vor einer Woche betroffen waren. Als sei die Verbrühung von 40 Prozent seiner Haut nicht schon schlimm genug gewesen, wurde Fabian auch noch von der furchtbaren Infektion mit Bakterien aus einer verunreinigten Infusionsflasche erwischt. Drei Säuglinge starben an den Folgen der Infektion, Fabians Kreislauf reagierte derart schwer auf die Infektion, dass er sogar wiederbelebt werden musste, „mit allem Drum und Dran“, wie Ralf Huth betont.
„Wenn man das überlegt, dann ist es einfach phantastisch, dass er jetzt wieder auf Ansprache reagiert und sogar selbst wieder spricht“, zeigt sich Huth mit der Entwicklung des Jungen zufrieden, auch was die Hautbefunde angeht. Und er ist stolz auf das Stationsteam, das nach den bestürzenden Ereignissen, die für Huth selber den absoluten „Super-GAU“ darstellen, toll reagiert habe: „Es war einfach genial, wie Pfleger und Ärzte sich da engagiert haben.“
Mit dem Spendenscheck in der Hand richtet Huth den Blick aber auch wieder nach vorn. „Das Geld wird in verschiedenen Dingen aufgehen“, erklärt Huth. Kikam werde das Kursangebot in Sachen Intensivmedizin und Wiederbelebung ausdehnen, um für Verbreitung der Kenntnisse im Schneeballsystem zu sorgen. Für das „KNEF“ genannte Kinder-Notarzt-Einsatzfahrzeug werde Geld benötigt, ein Zimmer für Eltern, die bei ihren Kindern auf Station bleiben wollen und eine Aufenthaltsecke für die Stationsangestellten im Innenhof der Station sind in Planung oder bereits in Arbeit. Kikam-Geld wird auch in eine Erneuerung und den Ausbau der EKG-Dokumentation fließen sowie in neuentwickelte Beatmungsgeräte für Neugeborene.
Zu guter Letzt betont Huth „Kikam sagt Danke!“ Und unterbreitet ein besonderes Angebot: Noch in diesem Jahr will Kikam im Raum Nierstein-Oppenheim in einer Schulturnhalle oder einem vergleichbaren Saal für 100 Schüler ab zehn Jahren ein Wiederbelebungstraining anbieten und sie zu Multiplikatoren ausbilden. Zu diesem Zweck gesucht werden interessierte Schulklassen, Unterstützer in Sachen Hallenbereitstellung und Sponsoren, die etwas zur Bewirtung der Ausbildungswilligen beitragen. Bewerbungen sind erbeten per E-Mail an huth@kikam.de.

