Soziale Kompetenz erweitert
28.08.2010 - NIERSTEIN
Von Julian Peters
PARTNERSCHAFT Niersteiner Realschule freut sich über Besuch aus China
Der Mainzer Dom, die Skyline von Frankfurt und die typischen Gassen rheinhessischer Dörfer - alles Dinge, die für Menschen aus der Region so selbstverständlich sind, wie ,,Weck, Worscht und Woi“ bei der Weinbergsrundfahrt. Völliges Neuland betrat bei diesem Anblick allerdings eine Gruppe chinesischer Austauschschüler, die momentan an der Niersteiner Realschule zu Gast ist.
Aus Xiamen in der Provinz Fujian, gelegen im südöstlichen Teil des Reiches der Mitte, waren Wu Yinian, Direktor der ,,Tong‘an No.1 Middle School“, Englischlehrer Shao Shuiping und 18 Schüler nach Nierstein gereist. Zwei Wochen soll der Aufenthalt in Deutschland dauern, und das für diese Zeit vorgesehene Ausflugspaket wirkt straff geschnürt: Neben Nierstein und Oppenheim haben die Gäste aus Fernost bereits den Städten Mainz, Frankfurt, Heidelberg und Berlin einen Besuch abgestattet. Hinzu kommen Wochenendaktivitäten der einzelnen Schüler mit ihren Gastfamilien.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Auf dem Programm stand natürlich auch ein Unterrichtsbesuch in der deutschen Partnerschule. Im großen Kreis und bestückt mit allerhand Material zur digitalen Archivierung saßen Schüler und Begleitpersonen gemeinsam mit Hans-Jürgen Pitzer, dem Leiter der Realschule, im Foyer und Schulleiter Wu Yinian lobte die positiven Eindrücke und Erfahrungen, die seine Delegation während ihres Aufenthalts im Gastland sammeln konnte: ,,Deutschland und China haben gemeinsam, dass beide Länder auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken können. Außerdem leben hier sehr freundliche Menschen“, stand für Wu Yinian fest. Hauptgrund für den Besuch sei aber der Wunsch gewesen, das deutsche Schulsystem kennen zu lernen. ,,Für viele unserer Schüler ist es das erste Mal, dass sie für längere Zeit in anderen Familien leben. Dies wirkt sich positiv auf ihre sozialen Kompetenzen aus“, ist der Schulleiter überzeugt.
Für die Schüler selbst bedeutet der Besuch in Deutschland neben einer kulturellen auch eine kulinarische Umstellung: ,,Das Essen hier ist anders; in China essen wir sehr viel Reis, hier wird zum Beispiel mehr Huhn gegessen“, haben die 15- bis 17-jährigen Schüler beobachtet. ,,Außerdem gibt es hier häufig kaltes Essen, bei uns werden mehr Mahlzeiten warm gegessen“, fügen sie noch hinzu. Aber auch der hiesige hohe Stellenwert des Umweltschutzes und saubere Straßen seien ihnen positiv aufgefallen, berichten die freundlichen Gäste. Etwas voneinander unterscheiden dürften sich wohl auch die beiden Partnerschulen: Mit 3000 Schülern und 300 Lehrern befindet sich die Tong‘an No.1 Middle School zumindest größentechnisch in einer anderen Dimension. ,,Neben der Middle School wird dort auch ein High-School-Zweig angeboten“, hat Pitzer diesen Schulzweig als möglichen Partner für die ab dem kommenden Schuljahr in Nierstein angesiedelte Fachoberschule für technische Informatik ins Auge gefasst.
Ihre deutschen Partnerschüler, die an der Realschule die neunte und zehnte Klasse besuchen, beschreiben die Chinesen übrigens als ,,sehr nett und kontaktfreudig“ und erzählen von Schwimmausflügen und Touren in die Umgebung mit ihren Familienmitgliedern auf Zeit. ,,Insgesamt haben die Schüler viele Dinge gelernt, die nicht in Schulbüchern stehen“, fasst Wu Yinian zusammen.

