Feuchte Nase führt zum Schwarzpulver
26.03.2010 - NIERSTEIN
SICHERHEIT Spezial-Hundestaffel zur Sprengstoffsuche nutzt Niersteiner Feuerwache zu Übungszwecken
(jp). Die beachtliche Ansammlung von Polizeifahrzeugen, die auf dem Parkplatz der Hauptfeuerwache abgestellt war, mag den einen oder anderen Passanten, der die Unterkunft der Wehrleute passierte, verwundert haben. Grund für den Besuch war allerdings kein Großeinsatz: Die Sprengstoffhundestaffel führte auf dem Speicher des Gebäudes eine Übung durch.
Konzentriert geht Leon zu Werke, sorgfältig schnuppert der vier Jahre alte Deutsche Schäferhund die Kisten, Kartons und Boxen ab, die sich in dem Lagerraum befinden. Nach kurzer Zeit legt er sich plötzlich vor einem Pappkarton hin und stellt die Suche ein. Ein untrügliches Zeichen für seinen Trainer: Leon ist fündig geworden. Nachdem die versteckte Schrotflintenpatrone zu Tage gefördert ist, kann zum gemütlichen Teil übergegangen werden. Leons Trainer erzeugt durch Drücken auf einen speziellen Klicker ein bestimmtes Geräusch, das dem Hund signalisiert, das jetzt gespielt werden darf. Freudig hüpfend macht sich Leon auf die Jagd nach seinem Spielzeug und nimmt die Streicheleinheiten seines Halters in Empfang.
Alles nur ein Spiel
"Was für uns absoluter Ernst ist, ist für unsere Hunde bloß ein Spiel", erläutert Ausbildungsleiter Bernhard Knab vom Polizeipräsidium Mainz die unterschiedlichen Einstellungen der Teammitglieder zur Sprengstoffsuche. Etwa zehn Minuten am Stück kann ein Tier nach Schwarzpulver, Plastiksprengstoff oder Rohrbomben schnuppern. "Danach sind die Hunde platt, da sie nicht schwitzen können wie wir Menschen, haben sie nach wenigen Minuten 41 Grad Fieber", erklärt Knab.
Seit 21 Jahren ist der Polizist Diensthundeführer im Spezialgebiet Sprengstoff: "Wir kommen beispielsweise dann zum Einsatz, wenn der Besuch von wichtigen Politikern ansteht und wir vorher die Gebäude absuchen", erinnert sich Knab daran, wie beim Besuch des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush gleich 65 Spürhundeteams im Einsatz waren. "Außerdem kommen wir immer dann, wenn in Gebäuden mit Waffen oder Sprengstoffen zu rechnen ist." Um auf die unterschiedlichen Anforderungen, die die Einsätze an Hunde und Halter stellen, vorbereitet zu sein, treffen sich die Teams aus Rheinhessen und der Pfalz ein Mal im Monat zum Üben.
Teamkollegen
Im Bereich der Sprengstoffsuche setzt die Polizei am liebsten Deutsche Schäferhunde und "Malinois", auch als belgische Schäferhunde bekannt, ein. "Diese Rassen sind aufgrund ihres großen Spieltriebs besonders für die Suche nach Sprengstoff geeignet", erklärt Knab. Mit etwa drei Jahren beginnt die Ausbildung der Hunde in der Regel, im Alter von acht bis zehn Jahren gehen die Tiere dann in den Ruhestand. "Das Arbeiten mit den Hunden spart uns Menschen bei der Suche unglaublich viel Arbeit, da sie mit ihrem Geruchssinn Dinge wahrnehmen, die wir überhaupt nicht sehen können", zeigt sich Knab angetan. Wichtig ist ihm allerdings auch, mit dem Vorurteil aufzuräumen, die Tiere würden durch das Füttern mit Drogen oder Sprengstoff auf ihre jeweiligen Spezialgebiete abgerichtet: "Das wäre absolut unsinnig, weil der Hund ja mein Teamkollege ist, den ich dann vergiften würde. Wir arbeiten ausschließlich über den Spieltrieb", betont der Hundeführer.
Und dann geht das Spiel für Leon und seine vierbeinigen Kollegen in eine neue Runde. Für die Menschen jedoch wird die Situation plötzlich ernst: Sie müssen die Übung abbrechen, denn sie werden zum realen Einsatz angefordert.

