Von Christopher Mühleck
COMEDY Rüdiger Hoffmann gastiert im Sironasaal
Langsam, temperamentlos, phlegmatisch? Dazu der charakteristische Kahlkopf mit viel Esprit drin und der geschliffenen Zunge dran? Logo, das ist Rüdiger Hoffmann. Mit seinem neuen Programm "Obwohl" gastierte die Paderborner Frohnatur vor einem vollends begeisterten Sironasaal. Während Petrus sich vorzeitig ins Bett verabschiedet hatte und nach ihm die Sintflut vom Himmel rieseln ließ, prasselten im bis auf den letzten Platz gefüllten Sironasaal die Lachsalven und Applausfontänen gegen das Hoffmannsche Humor-Riff. Scharfkantig, trotzig und unverschämt trocken wie eh und je war der schlaksige Gesellschafts-Karikaturist mit der staubtrockenen Zunge in Riesling-City gelandet.
Woher er kam? Einen mehr als illustren Abstecher in die viel, aber nur selten so diabolisch beschworene, Servicewüste Deutschland hatte er hinter sich. City-Hemd kaufen? Vom hasserfüllten "Ja, bitte?" der Verkäuferin über einen bildhaften Anprobe-Marathon bis hin zu Brandverletzungen dritten Grades an der Rolltreppe hangelte sich das Komiker-Urgestein aus Ostwestfalen, das neben zwei Goldenen Schallplatten und einem Echo etliche Auszeichnungen ins heimische Bonn-Beuel entführen konnte, durch die nur allzu alltäglichen Dramen deutscher und anderer Eigenheiten. Absurd verdreht, gestochen scharf überzogen, angeschmiegt an die Schultern überdimensionierter Neurosen gelingt dem personifizierten "Hallo erstmal" ein präziser Ausflug in die Wunderwelt menschlicher Gemeinheiten. Überbacken mit einer leckeren Schicht kräftigen trockenen Humors. Herzhaft genossen die mit Wangen- und Zwerchfellmuskelkater geschlagenen Zuschauer Hoffmanns Rolle als Psycho-Folterknecht, der sich teuflisch-lustvoll an einem Vorwerk-Vertreter rächt, seine Verortung Niersteins unter wieherndem Gelächter in der Kategorie der Weltmetropolen, die feucht-fröhliche Zeitreise in seine Jugend in den 80ern, ein ehrlich-freches Selbstporträt und die Liebeserklärung an seine Heimat Ostwestfalen.
Allen Unkenrufen zum Trotz, die dem 1964 in Paderborn geborenen Schlafzimmerblick-Humoristen einen platten Abrutsch in schlüpfrige Gefilde unterstellten, zelebriert Hoffmann die ihm ganz eigene Scharade zwischen Offensichtlichkeit und subtiler Handkantenschläge auf die Lachmuskeln. Pärchenurlaub mit Olaf und Birte als Horrortrip mit Hund und Kind, der Hochzeitsterrorist im Gewande des Trauzeugen oder gekonnte Gesangsintermezzi aus der Feder des ehemaligen Erwin-Grosche-Pianisten begeisterten in dem Programm, das den Allrounder bis Februar 2010 durch die Republik führt.

