Von Helena Sender-Petry
QUERUNGSHILFE Zebrastreifen zwischen Schule und Kindergarten eingeweiht
Fünf weiße Balken auf der Hindenburgstraße, beleuchtet und mit Schildern versehen: ein Zebrastreifen, wie er millionenfach auf deutsche Straßen gepinselt ist. Nichts Besonderes, sollte man meinen. Doch dieser Überweg, der die Schule mit dem Kindergarten verbindet, hat in Mommenheim zwei Jahrzehnte Generationen von Ortsgemeinderatsmitgliedern beschäftigt. Erfolg war schließlich einer Elterninitiative beschieden, die nicht locker ließ, damit die Kinder einigermaßen sicher die Hindenburgstraße passieren können. Groß war nun die Freude, als Vertreter von Kreis, Verbandsgemeinde, Polizei, Landesbetrieb Mobilität und Ortsgemeinde diesen "denkwürdigen Tag" gemeinsam mit Eltern und Kindern feiern durften.
"Sensationell" nannte es Ortsbürgermeister Hans-Peter Broock, was die Elterninitiative um deren Sprecher Andreas Bachnick geschafft habe. Broock erinnerte an die Unterschriftenlisten, die ausgelegt wurden und an das Konzept der Eltern, das "schlüssig war und überzeugte". So sei im ersten Schritt ein so genanntes Drängelgitter montiert worden, das die Kinder daran hindern soll, die Straße im Kreuzungsbereich zu überqueren. Schon seit einiger Zeit weisen lustige aufgemalte gelbe Fußtritte den rechten Weg hin zum Zebrastreifen, der allerdings nicht mit einer Ampel ausgestattet ist. Diese Ampel hatten die Eltern ursprünglich gefordert, doch auch der Zebrastreifen bedeutet einen Sieg. Grund genug für Andreas Bachnick, eigens zur offiziellen Einweihung in ein Zebra-Kostüm zu schlüpfen, was nicht nur bei den Kindern auf Begeisterung stieß.
Kreisbeigeordneter Adam J. Schmitt versicherte, die Kreisverwaltung habe "kurz und schmerzlos" entschieden und die Querungshilfe samt Gitter und Beleuchtung, die rund 12 000 Euro gekostet hat, komplett finanziert. "Wir freuen uns, dass der Wunsch der Eltern, die für einen sicheren Überweg ihrer Kinder gekämpft haben, in Erfüllung gegangen ist", unterstrich Schmitt.
Andreas Bachnick erinnerte an den Start der Initiative im Januar 2008. Und er versäumte es nicht, allen Beteiligten zu danken, allen voran seinen zahlreichen und engagierten Mitstreitern aus der Elternschaft. Auch Bürgermeister Klaus Penzer und der zuständige VG-Beigeordnete Bernd Neumer waren nach Mommenheim gekommen, sichtlich zufrieden mit der nun realisierten Lösung des Problems. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir im März die Fußstapfen aufgemalt haben", sagte Penzer. Bernhard Knoop, Leiter Landesbetrieb Mobilität in Worms, bedauerte, dass es so viele Jahre gedauert hat, bis der Zebrastreifen genehmigt wurde. Doch: "Wir müssen genau prüfen, ob die Verkehrszahlen eine solche Maßnahme auch rechtfertigen."
Doch dann, nachdem alle Reden gehalten waren, durften die Kinder "ihren" Zebrastreifen erobern. Und damit kein Auto diesen Moment stört, war die Hindenburgstraße für wenige Minuten aus beiden Richtungen gesperrt.


Fremde Federn
Sehr gerne stellen sich die Herren Politiker aller Ebenen (Ort, VG, Kreis) mit Kindern aufs Bild - wirkt auch in Nicht-Wahlkampfzeiten.
Dass sie selber extrem wenig dazu beigetragen haben sondern durch massiven Druck einer Bürgerinitiative erst "zum Jagen getragen" werden mussten wird in Anbetracht des "freudigen Ereignisses" natürlich gerne vergessen.
Von "kurz und schmerzlos" kann wohl in Anbetracht der langen Historie (2 Jahrzehnte!) nun wirklich nicht die Rede sein - und für die Kostenübernahme gelobt werden zu wollen kann ja auch nicht wirklich erwartet werden.
Etwas mehr Bescheidenheit stünde - grad in der Weihnachtszeit - manchen sehr gut zu Gesicht.