Flexible und tragfähige Kolosse
14.06.2010 - KÖNGERNHEIM
Von Christopher Mühleck
NEUBAU Zwei Brücken über Selz und Goldbach in Köngernheim eingeweiht
Blaue Flecken, Ausrutscher und verärgerte Passanten und Radfahrer. Diese Tatsachen gehören nun für die Gemeinde der Vergangenheit an. Denn mit der Erneuerung der beiden Brücken über die Selz und den Goldbach ist die Gemeinde nicht nur ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen, sondern konnte nun ihren Bürgern und den Nutzern der Querungshilfen echte Schmuckstücke präsentieren. Durchgefaulte Trägerbalken und marode Belagsdielen an der Selzbrücke förderten im Rahmen eines Sachverständigengutachtens schließlich das Resultat von 18 Jahren Nutzung zu Tage. Gleiches galt, zwar in nicht ganz so drastischem Ausmaß, auch für die Brücke über den Goldbach. „In Bad Füssing habe ich dann eine Holzbrücke entdeckt, die mit Epoxidharz und Granulat ,entschärft‘ worden war. Allerdings stand vonseiten der Gemeinde immer eine langfristige Lösung im Vordergrund, die natürlich einer ausführlichen Prüfung bedurfte“, erklärte Ortschefin Jutta Hoff angesichts der Tatsache, dass nur ein kompletter Neubau förderungswürdig sein würde, nicht aber eine Sanierung.
So thront nun über der Selz ein gut vier Tonnen schwerer Koloss, dem man die flexible und tragfähige Bauweise durch kompetente Verarbeitung kaum ansieht. „Die Selzbrücke ist 8,30 Meter lang, die über den Goldbach 7,40 Meter. Allein die beiden Längsträger der Selzbrücke machen zusammen mit rund 1 800 Kilogramm mehr als ein Drittel des Gesamtgewichts aus, liegen aber unter der Brücke“, weiß Wilfried Jost, ausführender Handwerkermeister aus Köngernheim um die Vorteile seiner Arbeit, die neben dem feuerverzinkten Korrosionsschutz und 54 sehenswerten und haltbaren Bongossi-Dielen für die Haltbarkeit der beliebten Querung garantieren. Lediglich acht Schrauben sind zu bewegen, falls Hochwasser der Brücke zu schaffen machen sollte und sie kurzfristig „weichen“ müsste.
„Neben der Tatsache, dass die Brücken nun fertig sind, sind sie schlicht, pragmatisch und meiner Meinung nach optisch sehr gelungen“, so Hoff, die, neben ihrem Dank für alles Beteiligten und den Grußworten von VG-Chef Klaus Penzer, mit der Entscheidung des Rates im Rücken vor allem die langfristige Lösung freute. Wie es der Zufall so wollte, erhielten die Köngernheimer pünktlich zur Eröffnung außergewöhnlichen Besuch. Mit Bouke und Gé de Vos aus dem niederländischen Wageningen nahmen zwei Langstreckenradfahrer auf der Durchreise die „Jungfernfahrt“ auf der neuen Visitenkarte über die Selz in die Hand. „Wir fahren nach Bregenz. Von dort nach Zürich, von wo aus wir den Nachtzug nach Arnheim nehmen“, berichtet Bouke de Vos, der mit seiner Frau auf dick gepackten Drahteseln dem Ruf eher außergewöhnlichen Urlaubs gefolgt ist, der sie 2011 auf dem Rad in die USA führen wird.

