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HOCHWASSERSCHUTZÜBUNG 

Erste großangelegte Hochwasserschutzübung der VG Nierstein-Oppenheim

08.11.2009 - VG NIERSTEIN-OPPENHEIM

Von Andreas Lerg

Es ist Samstag, acht Uhr morgens. Auf dem stillgelegten Gelände der US-Kaserne in Dexheim setzt ein merkwürdiges Treiben ein. Dutzendweise treffen Einsatzfahrzeuge von Feuerwehren, Deutschem Roten Kreuz, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Technischem Hilfswerk und Malteser Hilfsdienst ein. Schnell füllt sich der Platz mit über 30 Fahrzeugen und hunderten Einsatzkräften. Schon um sieben Uhr morgens herrschte auch emsiger Betrieb im Rathaus in Dalheim. Funkgeräte und Computer wurden aufgebaut, Lagekarten, meterweise Flipchartpapier an die Wände gehängt. Die neu gegründete Führungsstaffel der VG-Feuerwehr und Fachberater aller beteiligten Hilfsdienste bildeten unter Einsatzleiter VG-Bürgermeister Klaus Penzer die Einsatzleitzentrale. Damit begann die erste großangelegte Hochwasserschutzübung der VG Nierstein-Oppenheim.

Die Übungslage sah folgende Situation vor: Ein Hochwasser mit 6,80 Metern Pegelhöhe in Worms wird aufgrund von Dauerregen auf 7,90 Meter ansteigen, das Niveau eines 200-jährlichen Hochwassers. Daraus ergaben sich mehrere Übungsszenarien, die im Laufe des Samstags abzuarbeiten waren. Als akute Gefahr galt es, den drohenden Dammbruch am Dienheimer Pumpenhaus in Angriff zu nehmen. Damit vor Ort von der Feuerwehr rund 200 Sandsäcke ausgelegt werden konnten, musste auch die Logistik passen. So kamen Sandsackfüllmaschinen aus den Bauhöfen, unterstützt von Helfern der DLRG und Transportfahrzeugen des THW zum Einsatz. Eine weitere Gefahrenlage war der durch das Hochwasser bedingte Rückstau des Flügelsbaches in Nierstein. Dort bauten Feuerwehr und THW mit mehreren hundert Sandsäcken und so genannte Big-Pack-Behältern voller Sand einen provisorischen Damm. Gleichzeitig wurde für dieses Szenario im Oppenheimer Hafen getestet, ob das THW mit großen Pumpen rund 40.000 Liter pro Minute abpumpen kann.

"Widerspenstige" Holzbalken erschweren die Arbeit

Die insgesamt 54 Durchlässe in der Hochwassermauer mussten ebenfalls geschlossen werden. Die Feuerwehren, die Bauhöfe, eine Baufirma und das Ordnungsamt kamen dabei zum Einsatz. Als besonders schwierig erwies sich der Verschluss des älteren Teils der Hochwassermauer bei der Polizei und der Festwiese. Die hierfür vorgesehen Holzbalken waren teilweise verzogen und mussten erst mit der Kettensäge in Form gebracht werden, damit sie wieder passen. Die Durchlässe im modernen Teil der Mauer waren mit den Aluminiumdammbalken indes schnell und effizient geschlossen. Aber auch hier zeigte es sich, dass die nötige Logistik unterschätzt wurde.

Da das Altenheim in Oppenheim im Hochwassergebiet liegt, trainierte das DRK dessen Evakuierung. Als Trainingsobjekt diente die Hauptschule und knapp 100 Statisten. Anspruchsvoll war dabei vor allem der fachgerechten Transport von nicht gehfähigen und intensiv pflegebedürftigen Menschen. Weitere Szenarien waren die Schaffung des Bereitstellungsraumes für alle Einsatzkräfte und deren Verpflegung. Auch eine Vermisstensuche am Campingplatz Oppenheim durch die Feuerwehr und die DLRG und die Einrichtung einer vorsorglichen VG-Verwaltungsstelle in Dalheim gehörten dazu.

Verletzter erfährt Zuspruch von einer Rettungskraft. Foto: hbz / Michael Bahr

Verletzter erfährt Zuspruch von einer Rettungskraft. Foto: hbz / Michael BahrVergrößern

ERKENNTNISSE

Beim Schließen der Durchlässe in der Hochwasser-schutzmauer "Oppenheim I"
kam es wegen verzogener Schließbalken zu erheblichen Zeitverzögerungen.

Die Balken mussten mit Motorsägen eingepasst werden. "Mittelfristig müssen die Druchlässe für Alubalken umgerüstet werden", resümierte VG-Chef Klaus Penzer. Kostenpunkt: ca. 100.000 Euro.

Auch kam es zu Kommunikationsengpässen, da die Feuerwehrfrequenzen schnell überlastet waren. Mithilfe der DLRG-Kanäle wurde eine Not-Kommunikation aufgebaut. Die Umstellung auf Digitalfunk muss daher bald möglichst erfolgen.

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5 Kommentar(e) vorhanden

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09.11.2009 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Organisation

....wenn ein Teil der Statisten morgens um 9 Uhr eine halbe Stunde, in der Kälte, vor der Regionalen Schule steht und warten muss scheint die Organisation doch nicht so das gelbe vom Ei gewesen zu sein.

09.11.2009 raumfuerdenfluss, dieser Kommentator ist bei uns registriert.

Ein begeisterter Blick von außen....

Ich war eingeladen und durfte einige Teile der Übung miterleben. Als jemand, der in einer Großstadt am Niederrhein täglich erlebt, was gelangweilte Routine und Dienst nach Vorschrift so alles bewirkt, kann ich Ihnen nur gratulieren: So einen Haufen motivierter und engagierter Menschen, die sich einen ganzen Samstag nehmen lassen, um einen (hoffentlich theoretischen) schweren Ernstfall zu üben, habe ich noch nicht erlebt. Besonders hat mich der Einsatz der Jugendfeuerwehr beeindruckt.
[Das alles können kleinere lokale Animositäten (die es immer gibt und die ich als Fremder auch nicht kennen kann) nicht wirklich beschädigen, wie es hier in Kommentaren zum Ausdruck kommt.]

Sich auf Freiwilligkeit zu stützen, kann eben auch Vorteile haben..
So viel von einem, der 1993 und 1995 „abgesoffen“ ist , also weiß, wovon er redet.

Einen kleinen Bericht gibt’s unter http://www.hochwasser.de/index.php/news/538-hochwasseruebung-in-nierstein-oppenheim

09.11.2009 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Mal nicht übertreiben

Hallo zusammen,

das sich bei über 600 Helfern einige mal etwas "prolig" benehmen, sollte nicht auf alle übertragen werden.

Immerhin haben da ein Haufen Leute ehrenamtlich von morgens um 8 bis nachmittags 16 Uhr (ohne Vorbereitung etc) rumgerödelt. Das sind 4800 ehrenamtliche Stunden an einem Tag! Was für einen einzelnen Arbeitnehmer bei einer Arbeitswoche von fünf Tagen 130 Arbeitswochenbedeuten würde, also 2,5 Jahre (ohne Urlaub und Feiertage).

Vielleicht ist der Aspekt doch wichtiger, als einzelnes Fehlverhalten.

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