Von Andreas Lerg
Es ist Samstag, acht Uhr morgens. Auf dem stillgelegten Gelände der US-Kaserne in Dexheim setzt ein merkwürdiges Treiben ein. Dutzendweise treffen Einsatzfahrzeuge von Feuerwehren, Deutschem Roten Kreuz, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Technischem Hilfswerk und Malteser Hilfsdienst ein. Schnell füllt sich der Platz mit über 30 Fahrzeugen und hunderten Einsatzkräften. Schon um sieben Uhr morgens herrschte auch emsiger Betrieb im Rathaus in Dalheim. Funkgeräte und Computer wurden aufgebaut, Lagekarten, meterweise Flipchartpapier an die Wände gehängt. Die neu gegründete Führungsstaffel der VG-Feuerwehr und Fachberater aller beteiligten Hilfsdienste bildeten unter Einsatzleiter VG-Bürgermeister Klaus Penzer die Einsatzleitzentrale. Damit begann die erste großangelegte Hochwasserschutzübung der VG Nierstein-Oppenheim.
Die Übungslage sah folgende Situation vor: Ein Hochwasser mit 6,80 Metern Pegelhöhe in Worms wird aufgrund von Dauerregen auf 7,90 Meter ansteigen, das Niveau eines 200-jährlichen Hochwassers. Daraus ergaben sich mehrere Übungsszenarien, die im Laufe des Samstags abzuarbeiten waren. Als akute Gefahr galt es, den drohenden Dammbruch am Dienheimer Pumpenhaus in Angriff zu nehmen. Damit vor Ort von der Feuerwehr rund 200 Sandsäcke ausgelegt werden konnten, musste auch die Logistik passen. So kamen Sandsackfüllmaschinen aus den Bauhöfen, unterstützt von Helfern der DLRG und Transportfahrzeugen des THW zum Einsatz. Eine weitere Gefahrenlage war der durch das Hochwasser bedingte Rückstau des Flügelsbaches in Nierstein. Dort bauten Feuerwehr und THW mit mehreren hundert Sandsäcken und so genannte Big-Pack-Behältern voller Sand einen provisorischen Damm. Gleichzeitig wurde für dieses Szenario im Oppenheimer Hafen getestet, ob das THW mit großen Pumpen rund 40.000 Liter pro Minute abpumpen kann.
"Widerspenstige" Holzbalken erschweren die Arbeit
Die insgesamt 54 Durchlässe in der Hochwassermauer mussten ebenfalls geschlossen werden. Die Feuerwehren, die Bauhöfe, eine Baufirma und das Ordnungsamt kamen dabei zum Einsatz. Als besonders schwierig erwies sich der Verschluss des älteren Teils der Hochwassermauer bei der Polizei und der Festwiese. Die hierfür vorgesehen Holzbalken waren teilweise verzogen und mussten erst mit der Kettensäge in Form gebracht werden, damit sie wieder passen. Die Durchlässe im modernen Teil der Mauer waren mit den Aluminiumdammbalken indes schnell und effizient geschlossen. Aber auch hier zeigte es sich, dass die nötige Logistik unterschätzt wurde.
Da das Altenheim in Oppenheim im Hochwassergebiet liegt, trainierte das DRK dessen Evakuierung. Als Trainingsobjekt diente die Hauptschule und knapp 100 Statisten. Anspruchsvoll war dabei vor allem der fachgerechten Transport von nicht gehfähigen und intensiv pflegebedürftigen Menschen. Weitere Szenarien waren die Schaffung des Bereitstellungsraumes für alle Einsatzkräfte und deren Verpflegung. Auch eine Vermisstensuche am Campingplatz Oppenheim durch die Feuerwehr und die DLRG und die Einrichtung einer vorsorglichen VG-Verwaltungsstelle in Dalheim gehörten dazu.


Organisation
....wenn ein Teil der Statisten morgens um 9 Uhr eine halbe Stunde, in der Kälte, vor der Regionalen Schule steht und warten muss scheint die Organisation doch nicht so das gelbe vom Ei gewesen zu sein.