Von Johannes Crilly
Kulturverein Guntersblum präsentiert Fotos und digitale Welten
GUNTERSBLUM Der Guntersblumer Kulturverein präsentiert im Museum die Werke des Fotografen Jörg Schmiedekind und der digitalen Prozesskunst von Rémy Mouton. Zur Eröffnung waren beide Künstler vor Ort, um ihre Werke vorzustellen.
"Mein Interesse galt immer der Architektur und den Räumen mit Spuren menschlicher Präsenz. Wenn ich beim Fotografieren durch einen Park gehe, dann mache ich keine Bilder von schönen Blumen oder Bäumen, sondern eher von einem alten verrosteten Schild", erklärte Jörg Schmiedekind vor der Kulisse seiner ausgestellten Bilder. Der gebürtige Ludwigshafener eröffnete zusammen mit seinem Künstlerkollegen Rémy Mouton am Wochenende seine Ausstellung "Stattmenschen". Der gelernte Architekt fotografierte anfänglich nur, um Vorlagen für sein fotorealistisches Hobby der Malerei zu erstellen. Bei seinen architektonischen Motiven empfand er oft die ständige Präsenz kleiner Objekte als störend. "Autos, Menschen, Bauzäune oder Plakatwände - als Fotograf scheine ich ständig etwas im Weg zu haben bei meiner Arbeit", erzählte Schmiedekind während der Vernissage. "Irgendwann habe ich dann entschieden, diese Motive künstlerisch mit einzufassen. Seitdem fühle ich mich freier und kann entspannter arbeiten." Von Bauzäunen bis zu Litfasssäulen - die Dinge, die sonst stören im Fokus auf das Hauptmotiv, hat Schmiedekind derart gekonnt in Bilder eingefasst, dass der Eindruck entsteht, er habe sie digital eingearbeitet. Er versicherte jedoch: "Alle Objekte waren bereits vor Ort, als ich auf den Auslöser drückte." Die Parallelausstellung "Lebewesen" besteht aus digitaler Prozesskunst von Rémy Mouton. Der gebürtige Franzose lebt und arbeitet in Berlin. In einer abstrakten Welt von Zufallsgeneratoren, Formeln und Programmiersprachen lässt der gelernte Informatiker Mouton den Computer Schmetterlinge, Wälder oder Lianenvorhänge berechnen und anzeigen. Die weiße Decke des Gewölbekellers unter dem Museum dient dabei als riesige Projektionsfläche. "Die Gebilde werden aus verschachtelten Zufallsfunktionen berechnet", erklärt Mouton mit dem Hauch eines französischen Akzents. "Ich gebe dem Programm Formeln für bestimmte Bestandteile der Darstellung vor. Die Werte der Formel, die Platzierung auf dem Bildschirm und etliche andere Aspekte werden von Zufallsgeneratoren bestimmt, die ich ebenfalls erschaffen habe." Die natürlichen Motive mit abstrakten Formationen und Bewegungsabläufen, die daraus entstehen, erinnern an einen sehr künstlerischen und angenehmen Bildschirmschoner.

