Von Jockel Kohlmann
Orts- und Verbandsgemeinde Guntersblum gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit
GUNTERSBLUM Erstmals trafen sich der Guntersblumer Gemeinderat und der Verbandsgemeinderat im Guntersblumer Rathauskeller zu einer gemeinsamen Sitzung, um Strategien im Kampf gegen den Rechtsextremismus zu diskutieren.
Am Ende herrschte Einigkeit darüber, einen gemeinsamen Arbeitskreis zu gründen, der Vorschläge erarbeiten und dem Gremium dann vorlegen soll. VG-Bürgermeister Robert Kunnen (CDU) sagte, der Schock habe in Guntersblum und der ganzen Verbandsgemeinde tief gesessen, als am 19. August des Vorjahres zwei Männer Opfer eines fremdenfeindlichen Angriffs am Rande des Kellerwegfestes geworden seien. In jenen Tagen habe Guntersblum in ganz Deutschland einen so nicht gewollten Bekanntheitsgrad erlangt. Ein Medienrummel bisher nicht gekannten Ausmaßes habe damals eingesetzt. Wer es vor Ort nicht gewohnt gewesen sei, mit den Medien umzugehen, "der wurde in eine Ecke gedrängt, wo er nicht hingehört". Die Bürger in der Verbandsgemeinde Guntersblum seien weder fremdenfeindlich noch intolerant. Täglich werde hier das Miteinander der verschiedenen Kulturen vorgelebt. Nach den schlimmen Vorfällen müsse jedoch verstärkt dafür gesorgt werden, "dass Radikale bei uns keine Chance haben", betonte Kunnen. Den Schwerpunkt der Arbeit sieht Kunnen jetzt darin, gezielt Gruppen anzusprechen. Mit drastischen Worten setzte sich Guntersblums Ortschef Rolf Klarner mit dem Rechtsextremismus auseinander: "Die Zähne auseinander!", rief er den Mandatsträgern zu, denn "Zivilcourage ist in dieser Sache angesagt". Der Schoß, aus dem die "Nazibrut" herauskrieche, sei immer noch fruchtbar. Jeder in der Verbandsgemeinde müsse wachsam sein und dürfe nicht zulassen, dass die demokratische Grundordnung beschädigt werde. Klarner regte an, alle 350 in der Verbandsgemeinde lebenden ausländischen Mitbürger zu einem Gespräch einzuladen, um deren Sorgen und Nöte kennenzulernen. Helmut Liesenfeld, Chef der Leitstelle Kriminalprävention vom Mainzer Innenministerium meinte, es sei wichtig, dass vor Ort etwas getan werde. Denkbar sei etwa auch ein "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen". Vor allem die Schulen gelte es einzubinden, und hier stellte Liesenfeld auch eine finanzielle Unterstützung des Landes in Aussicht. FWG-Chef Dr. Gerhard Stärk meinte, es solle an das Thema in Gruppen zielorientiert herangegangen werden. SPD-Sprecher Fred Trumpler plädierte dafür, den Arbeitskreis so schnell wie möglich zu gründen. CDU-Sprecher Walter Schlotte befand, dass der zu gründende Arbeitskreis ein breites Betätigungsfeld an Möglichkeiten zur Verfügung habe. Kommentar

