Von Carina Rühl
Ausstellung in Guntersblumer Rathaus klärt über Neonazis auf
GUNTERSBLUM "Das Versteckspiel" heißt die Ausstellung, die über die rechte Szene aufklärt und im Guntersblumer Rathaus zu sehen ist. Sie wurde vom Aktionszentrum für Soziale Perspektiven in Berlin ausgeliehen.
Der Schriftzug "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ziert den Guntersblumer Ratstisch - "symbolträchtiger könnte es gar nicht sein", findet Jugendreferent Wilfried Rumpf. Er hat gemeinsam mit zwölf Jugendlichen des Dekanats Oppenheim die Ausstellung "Versteckspiel" von Berlin nach Rheinhessen geholt. Aus gegebenem Anlass, denn nach dem Vorfall auf dem Kellerwegfest im August vergangenen Jahres kam bei den Jugendlichen der Wunsch nach mehr Informationen auf. "Ich wurde in Mainz schon öfter angesprochen, habe auch die so genannte Schulhof-CD in die Hand gedrückt bekommen", erzählt David Mayer. Diese CD mit rechtsradikaler Musik kam auch während der Vorträge der beiden Referenten zur Sprache. Sie ist einer der Wege, auf dem rechte Gruppierungen neuerdings versuchen, Jugendliche für sich zu gewinnen. Dabei werden bekannte Jugendtrends verwendet, wie in diesem Fall die Metalmusik, um subtil politische Inhalte zu vermitteln. Genau auf dieser Wandlung der rechten Szene liegt der Schwerpunkt der Ausstellung. Rechtsextremisten bedienen sich sogar bekannter linker Symbole, um ihre Gesinnung zur Schau zur tragen. So ist auf ihren T-Shirts beispielsweise Che Guevara zu sehen oder sie tragen Palästinensertücher, um ihre Anti-Israel-Haltung zu zeigen. Dem typischen Erscheinungsbild in Springerstiefeln und Bomberjacke entsprechen die wenigsten. "Die heutige Ausstellung ist leider notwendig geworden", gibt Bürgermeister Rolf Klarner zu. Er berichtet auch, dass die Täter vom Kellerwegfest im Mai 2008 vor Gericht stehen werden. Die 15 Aufstellwände, die in den kommenden zehn Tagen im Ratssaal zu sehen sein werden, zeigen die neuen versteckten Symbole der rechten Szene - teilweise so verschlüsselt, dass sie nicht verboten werden können. Jeder Schüler könne ohne Probleme Pullis mit dem Aufdruck "88" tragen. Kann dieser Zahlencode entschlüsselt werden, steht er allerdings jeweils für den achten Buchstaben im Alphabet und damit für "Heil Hitler". Das Gefährliche sei ohnehin die Ideologie dahinter, nicht die Zurschaustellung. Auch der Politikwissenschaftler Dr. Reiner Becker betonte, dass die Nazis dem traditionellen Bild des Schlägers nicht mehr ausschließlich entsprechen. "Im Hintergrund gibt es Ideologen, die nie einen Baseballschläger in die Hand nehmen würden", fasst er zusammen. Er brachte dem interessierten Publikum die Strategien nahe, mit denen neue Anhänger gewonnen werden sollen. Vor allem auf dem Land spiele die Cliquenstruktur eine große Rolle. Die Rechten böten Freizeitangebote, gingen auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein und nähmen sie ernst, so wie sie sind. Felix Eitel vom Landesjugendamt stellte die Initiativen gegen Rechts vor: "Die Rechten machen einiges, aber auch das Land RheinlandPfalz engagiert sich", betont er.

