„Umstieg ist möglich“
26.11.2010 - GUNTERSBLUM
ENERGIE Grüne informieren über Nachteile der Atomkraft
(red). Unter dem Motto „Atomkraft? Nein Danke! Wem nutzen die Laufzeitverlängerungen?“ hatten die Grünen im Kreis Mainz-Bingen zu einer Diskussion mit hochrangigen Expertinnen ins Dorfgemeinschaftshaus geladen. Die Landtagskandidatin der Grünen, Pia Schellhammer, freute sich als Initiatorin und Moderatorin über 60 Teilnehmer, die sich über die Gefahren der Atomkraft, die Folgen der Laufzeitverlängerung und den Ausbau erneuerbarer Energien als Alternative informieren wollten. Zu Beginn überreichte Melitta Bender, Vorsitzende der Grünen Liste Guntersblum, an die Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken über 1 200 Unterschriften gegen die AKW-Laufzeitverlängerungen und für die Abschaltung des Atomkraftwerks Biblis. Höfken versprach, die Unterschriften an Bundesumweltminister Röttgen in Berlin zu übergeben.
Dr. Waltraud Jobst von den Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) zeigte die unterschätzten Gefahren radioaktiver Strahlung auf, die insbesondere für Embryonen und Kinder viel größer seien als bisher von offizieller Seite angenommen. Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl kritisierte die Laufzeitverlängerung als Milliardengeschenk an die vier großen Energiekonzerne ohne Rücksicht auf Sicherheitsprobleme. Altmeiler wie Biblis dürften jetzt noch jahrelang weiterlaufen. Sicherheitsvorschriften würden teilweise gelockert statt verschärft; nach wie vor sei kein Atomkraftwerk gegen terroristische Anschläge mit Flugzeugen gesichert. Die atompolitische Sprecherin ihrer Fraktion zeigte auf, dass unflexible Atomkraftwerke den Ausbau der Erneuerbaren Energien blockierten und so die Marktdominanz der Stromriesen zementierten - zu Lasten von Verbrauchern und kleinen Energieanbietern. Die schwarz-gelbe Atomgesetznovelle verstoße gegen EU-Wettbewerbsrecht und das Grundgesetz. Zudem sei die Endlagerfrage ungelöst; Atommüll müsse über eine Million Jahre von der Umwelt abgeschirmt werden.
Erneuerbare Energien seien nicht nur wichtig für den Klimaschutz, sondern böten auch große Potenziale für heimische Wertschöpfung und Arbeit bei Handwerk, Mittelstand und Landwirten, lautete die Botschaft von Ulrike Höfken. Die Laufzeitverlängerung gefährde bisherige und künftige Investitionen in Milliardenhöhe und Arbeitsplätze in diesem Bereich.
Der Energieexperte und Landtagskandidat der Grünen, Dr. Bernhard Braun, zeigte auf, dass Rheinland-Pfalz gute Voraussetzungen für einen ausgewogenen Mix an erneuerbaren Energien aufweise. Eine aktuelle Studie des BUND belege, dass ein Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 technisch möglich sei.

